Meh. Ich habe noch mehr von der "Herr Lehmann" Reihe erwartet, aber dieses hier ist eine Innenschau vom "besten Freund Karl", den Frank Lehmann im ersten Band der Trilogie ins Krankenhaus bringen musste.
Dies gesagt, bringt das Buch natürlich trotzdem Regeners eigenen Sprachduktus und "Karl" hat einige wirklich lesenswerte Einsichten. Einen Satz möchte ich hier gern zitieren (Spoiler? Vielleicht ein bisschen, aber hauptsächlich ein Einblick in den Stil:)
... irgendwie hatte die Welt vor dem Mauerfall in meiner Erinnerung keine Farben, wir hatten in einem Schwarz-Weiß-Film gelebt, wir waren nicht durch Straßen, sondern durch Kulissen gelaufen und wir hatten auch nicht einfach gelebt, wir hatten Leben gespielt, und egal ob wir müde, wach, verkatert, fröhlich, verliebt, traurig, deprimiert gewesen waren, das war alles Teil einer größeren Sache gewesen, noch die blödeste Arbeit, das langweiligste Besäufnis, das mühsamste Geldverdienen, die hilfloseste Kunst, die hässlichste Wohnung, der kälteste Winter, die quälendste Krankheit waren etwas Besonderes und kostbar und Teil eines großen Ganzen gewesen, eines Spiels, eines Films, und wir darin unsterblich, und so sah ich auf dem Bild auch aus, unsterblich wie einer, der in Drachenblut gebadet hatte und dessen eine verwundbare Stelle niemand kannte, nicht einmal er selbst, und während ich darüber nachdachte und über mich und die anderen staunte, weil wir so großartig gewesen waren, und da also blöd herumstand in einer Kölner Kunstbuchhandlung, in der linken Hand ein Yuppie-Telefon, in der rechten einen alten Katalog haltend und mit den Tränen kämpfend, klingelte oder jedenfalls düdelte das Telefon wieder, und ich drückte mit einem geschickten Daumen auf den grünen Knopf und hielt es mir ans Ohr und es war wieder Werner und er sagte: »Glaub bloß nicht, Charlie, dass du einfach auflegen kannst, bloß weil du so ein albernes Funktelefon hast!«