Gewinner Schweizer Buchpreis 2013 - Longlist Deutscher Buchpreis 2013 - Da sind die drei Jugendlichen, die Pläne aushecken für die bevorstehenden Schulferien und dabei genau wissen, dass auch dieses Jahr nichts geschehen wird, da ist die Troika, die sich regelmäßig zum Carambole-Spiel trifft, da ist Schorsch, der immer dann auftaucht, wenn man ihn nicht erwartet, und da sind die beiden verfeindeten Brüder, die seit jenen Erbschaftsstreitigkeiten nie mehr miteinander gesprochen haben. Im Dorf verharren die Menschen in ihrem Alltag wie gelähmt, während sich um sie herum alles verändert: Restaurants schließen, neue Wohnviertel entstehen, soziale Netze zerbrechen,Familien fallen auseinander. In zwölf Runden nähert sich Jens Steiner diesem sozialen Gefüge an, lässt die Dorfmenschen in ihrer Hilflosigkeit erstarren und öffnet ganz kleine Lücken, durch die hindurch ein Schritt in eine wenn auch unsichere Zukunft möglich wäre.
Ein Dorf in der Schweiz, ein Sommeranfang voller Hitze und erdrückender Stimmung, eine Bevölkerung, die langsam auseinanderbricht. In "Carambole" zeigt Jens Steiner subtil und langsam entwickelnd den Zerfall der kleinbürgerlichen Gesellschaft. Obwohl scheinbar alles still stehen zu scheint, zerbrechen Ideale, Familien und ganze Strukturen an der Untätigkeit und dem kleinkarierten Denken.
Der Schreibstil von Steiner passt sich dem Thema an und das Buch lebt vor allem von den Perspektivenwechsel - viel abenteuerliches erwartet einem nicht. Doch genau diese Herangehensweise passt sehr gut zum Inhalt, wenn auch für mich die Rechnung am Schluss nicht ganz auf ging. Trotzdem, eine interessante Betrachtung.
Dem indischen Brettspiel Carrom nachempfunden, erzählt "Carambole" in zwölf Runden die Geschichten von zwölf Bewohnern eines namenlosen Schweizer Dorfes. Es geht um Familientragödien, Resignation und menschliches Unvermögen. Die erzählenden Bewohner geben sich nie sofort zu erkennen, aber vieles kommt nach und nach zusammen.
Die Atmosphäre ist düster, hoffnungslos und deprimierend - gerade so, als wolle sie den beschriebenen Hitzesommer ausmerzen. Steiner treibt das Gefühl der Beklemmung mit seiner Sprache an den Rand des Erträglichen. Und genau darum muss auch nichts passieren.
Ich hab mir von diesem Buch mehr versprochen. Den Schreibstil, den fand ich wirklich gut! Aber leider fand ich die Geschichte langweilig und am Ende auch irgendwie nichts sagend. Schade eigentlich!