Freud steht unter dem Verdacht, sich an einer seiner Patientinnen vergangen zu haben. Diese liegt nun katatonisch im Krankenhaus und kann sich nicht mehr dazu äußern, Freud steht unter Polizeibewachung und kann sie nicht untersuchen. Daher schickt er seine Tochter und Gendarm Gruber in Krankenhaus, um den Fall zu klären.
Das Opfer, Anna, ist frisch verheiratet mit einem angesehenen Sohn aus gutem Hause. Leider hat Anna ein Geheimnis, das sie ihrem Ehemann erst nach der Ehe anvertraut hat, ein Geheimnis, das auch Freud kennt und das die beiden verbindet: die jüdische Religion.
In diesem Hörspiel geht es um das Lieblingsthema der Freudianer: Sex. Er ist Ursache der meisten Probleme, entweder weil man ihn nicht hat, er schlecht ist oder weil man ihn hat. Und irgendwie hat alles, was man tut, mit Sex und sexueller Befriedigung zu tun, auch wenn es biologisch doch was anderes ist. Wie auch immer, die Verhöre von Patientinnen Freuds sind sehr unterhaltsam. Da regt sich eine glücklich verheiratete Mutter mit vielen Kindern auf, dass er sie über ihr Sexleben befragt hat und wie glücklich sie doch ist, sonst hätte sie nicht so viele Kinder. Teils echt putzig.
Freud ehemalige Weggefährten werden zu ihrem Ex-Chef befragt, dann ein bisschen Diskussion über Judentum und Psychologie und dazu noch ein richtiger Kriminalfall mit häuslicher Gewalt. Erneut sehr modern. Ich weiß nicht ob Gewalt in der Ehe 1920 wirklich ein Delikt war oder einfach dazugehörte und Recht des Mannes war. Mir ist die Sichtweise und Interpretation des Hörspiel zu modern und somit anachronistisch.
Letztendlich ist der Fall solide aufgebaut, gut umgesetzt mit Top Sprechern, aber leider sehr vorhersehbar. Spannung kommt nun wirklich nicht auf. Viele Diskussionen mit Es und Über-Ich gibt es auch nicht, letztendlich ermitteln Anna und Gruber, um Freud zu entlasten.
Insgesamt ein sehr gutes HR/STIL Radiohörspiel aus dem Jahr 2011, das somit auch regelmäßig im Radio zu hören ist.