"In einer kleinen Wohnung über einer Tierhandlung lebt ein älterer Herr, ein freundlicher, unauffälliger Mensch, der offenbar niemandem etwas zuleide tut. Nur hin und wieder, an Wochenenden, fährt er mit dem Auto weit über Land und spricht auf Spielplätzen kleine Mädchen an ... Und dann steht plötzlich ein Mädchen ganz allein draußen in der Kälte vor der Tierhandlung und starrt in das Schaufenster, Tag für Tag. Der ältere Herr spricht es an, gewinnt allmählich sein Vertrauen und lädt es ein, sich in seiner Wohnung aufzuwärmen ..."
Da ich den Klappentext gelesen habe, wusste ich schon was mich erwarten würde und deswegen möchte hier schon einmal vorwarnen, dass die Thematik des Buches in sich hat, denn die Geschichte handelt von Pädophile und von dem Missbrauch von Kindern.
Die Handlung baut sich langsam auf und dadurch lernt man die Charaktere auch immer näher kennen. Die Geschichte wird aus der Sicht von Sigrid und aus der Sicht von Herrn Genardy erzählt, was recht spannend gewesen und stellenweise sehr beklemmend gewesen ist. Der Schreibstil der Autorin ist distanziert und sie beschreibt die Gedankengänge und die Emotionen der Charaktere fast emotionslos und was ich hier passend finde, da das Thema sehr unter die Haut geht, vor allem die Gedanke von Herrn Genardy sind für mich nicht leicht gewesen und ich habe mich teilweise innerlich schütteln müssen. Auch seine Taten werden hier nicht detailliert beschrieben, sondern nur so viel, dass man sich das Denken kann was passiert ist.
Außerdem hat es mir gefallen, dass es in der Geschichte ganz deutlich gemacht wurde, dass nicht nur fremde Menschen eine Gefahr darstellen, sondern auch Menschen um uns herum, egal wie nett sie doch scheinen oder sogar in der Familie.
Teilweise hat mich die Naivität von Sigrid wütend gemacht und dass sie manche Dinge nicht gesehen hat oder nicht sehen wollte. Das hat mich innerlich sehr aufgewühlt, weil es doch eigentlich ganz offensichtlich für mich gewesen ist was da passiert und ich nicht verstehen konnte wieso nicht früher eingriffen hat und ihr Kind besser geschützt hat. Dazu muss man jedoch auch bedenken zu welcher Zeit dieses Buch spielt und welche Rolle man als alleinerziehende Mutter hatte, sodass ich wenigstens versucht habe Sigrid zu verstehen, denn sie bekommt von vielen Seiten auch sehr viel Druck im Bezug auf Herr Genardy und auch im Bezug auf ihre Rolle als Mutter.
Das Ende konnte mich nicht ganz überzeugen, weil dieses plötzlich sehr rasant gewesen ist und für mich persönlich einfsch zu schnell und nicht richtig rund gewesen ist.
Insgesamt ist eine erschütternde und mitreißende Geschichte, die unter die Haut geht und mit Vorsicht zu "genießen" ist.