Fast hätte die Sehnsucht nach dem Abenteuer ihn umgebracht: „Ich sah fast alle 90 Sekunden auf die Uhr. Die Rückreise nach dem Interview war eine Tortur. Eineinhalb Stunden bis zum nächsten Schuss. Drogensucht macht die Zeit zum Feind. Doch wenn es etwas gab, das ich noch mehr fürchtete als die Entzugsqualen, dann war es, meinen Job zu verlieren. Mein bürgerliches Leben als erfolgreicher und angesehener Journalist.“
Wer denkt, der klassische 9-to-5 Job sei eine höllengleiche Einöde aus Routine und Wiederholung, der sollte tunlichst davon absehen, heroinsüchtig zu werden, denn das bedeutet, komplett fremdbestimmt zu leben, und zwar 24/7, 365 Tage im Jahr. Dies zeigt auch Böckems Memoir, das – klassische Junkie-Geschichte – illustriert, dass die Drogen natürlich erst Mal halten, was sie versprechen (sonst würde sie ja keiner nehmen), dem Süchtigen dann aber alles nehmen. Entsprechend ist der Text in seiner Haltlosigkeit vor allem eins: Trist. Bezeichnenderweise bleiben die Charaktere, außer dem Autor selbst, meist farblos und austauschbar, und selbst die aufregendsten Erlebnisse (Böckem arbeitete beispielsweise mit Christian Kracht beim legendären Magazin „Tempo“) sind nicht mehr als Stationen. Nur das Heroin und die eigenen körperlichen Empfindungen sind lebendig und plastisch, was in der Logik der Geschichte natürlich Sinn macht und den Protagonisten permanent einsam erscheinen lässt.
Böckems Drogenkarriere dauerte rund zwei Jahrzehnte. Wie er es als Schwerstabhängiger mit komplett zerstörten Venen, infiziert mit Hepatitis C und unter permanentem Suchtdruck geschafft hat, in seinem Job bei Spiegel & Co weiterhin zu funktionieren, bleibt dem geneigten Leser (und wahrscheinlich auch dem Autor selbst) ein absolutes Rätsel. Dieses Buch hat sicher nichts Neues zum Thema Heroinsucht zu sagen, aber Böckem ist ein guter Autor und vermag seine recht typische Suchtgeschichte zwischen Iggy Pop-Verehrung und dem x-ten Entzug anschaulich zu schildern.
Das Hörbuch wird übrigens vom hervorragenden Alexander Scheer gelesen.
Am liebsten würde ich es gar nicht bewerten, weil es ja ein Erfahrungsbericht ist. "Solange du mehr Angst vor dem Leben als vor dem Tod hast, wirst du nie aufhören Drogen zu nehmen." Dieses Buch hat mir die Angst vor Drogen nicht genommen (eher im Gegenteil), aber es hat auf jeden Fall ein Verständnis für die Abhängigen und absolutes Mitgefühl für die Angehörigen und Freunde von Junkies geschaffen. Ich bin fassungslos darüber, was ein menschlicher Körper doch so alles aushalten kann. Da kommt einem das eigene schlechte Gewissen über das zweite Glas Wein, das dritte Stück Schokolade und das versäumte Workout doch geradezu lächerlich vor.
3,5 - ein schonungsloses Buch, in dem der Autor von seiner Heroin- und Kokainsucht berichtet. Auf seinem Weg liegen zahlreiche Entgiftungen, Rückfälle, Verluste und andere traumatische Ereignisse. Ich fand es sehr gut geschrieben, bildlich, wenn auch heftig, dargestellt und konnte nochmal einiges mitnehmen. Was mich allerdings sehr gestört hat war die herablassende, unreflektierte und objektifizierende Art, wie der Autor das ganze Buch lang über Frauen spricht. Ich als Frau habe mich teilweise richtig eklig gefühlt, weil ich das Gefühl hatte, für den Autor seien seine Frauen wirklich oft nur ein Mittel zum Zweck, nämlich zum Sex. Das mag dem Konsum geschuldet sein, aber da der Autor das Buch ja nunmal nüchtern verfasst hat, hätte ich mir eine bessere Einordnung gewünscht.
Mogla bih napisati da je cijeli roman mračan, ali više nego mračan meni je osobno bilo zamorno čitati sve peripetije koje prolazi jedan narkoman. Zanimljivo mi je bilo čitati kako je kao ovisnik funkiconirao u veoma zahtjevnoj profesiji kao što je novinarstvo. Jest da se bavio sporovoznim temama iz kulture, ali opet i za to je, naročito u zadacima koje je opisivao, potrebno uložiti određeni mentalni napor pa mi je bilo čudno kako uz svu opterećnost koju ima zbog ovisnosti, još uspjeva odlaziti na zahtjevne terene i pisati tekstove
Das war doch ganz schön krass. Trainspotting im realen Leben, sozusagen. Teilweise echt erschreckend aber dann und wann auch faszinierend, auf eine kranke Art und Weise. Meine Mutter hatte mir das Buch empfohlen und das zurecht. Ich habe es an einem Tag durchgelesen und danach braucht man erst einmal ein paar Minuten, um sich wieder zu sammeln. Es regt definitiv zum Nachdenken an.
Auch wenn ich Alexander Scheers Stimme zum Teil nur schwer erträglich fand, so hat mich dieses Hörbuch sehr in seinen Bann gezogen. Mit tiefster Ehrlichkeit und viel Gespür für Spannungsaufbau erzählt Böckem hier seine autobiografische Geschichte der Drogenabhängigkeit und wie er es dennoch geschafft hat, sich eine funktionierende Karriere als Journalist aufzubauen.
Schonungslos, ehrlich, lesenswert! Jörg Böckem gibt uns einen Einblick in die Drogenszene. Dabei verschönert er nichts, gibt aber auch nicht den Oberlehrer.