Für mich gehören Historicals zu einem meiner Lieblingsgenres. Ich mag die Vorstellung, auch wenn sie manchmal weit entfernt von der Realität der damaligen Zeit sind. Als ich dann über „Mine, All Mine“ von Dayna Quinn stolperte, musste ich diesen unbedingt ausprobieren.
Ich war zuerst recht skeptisch und konnte mir nicht so richtig vorstellen, wie die Story durch die Autorin umgesetzt werden würde. Und sie hat sich für einen ungewöhnlichen Weg entschieden. Dieser ist sehr amüsant zu Beginn und zeigt deutlich, wie kreativ die Protagonistin werden kann, um ihr Überleben zu sichern. Das hätte ich von der Tochter eines Herzogs so nicht erwartet.
Lilly ist eine sympathische Protagonistin. Sie ist für ihre Verhältnisse selbstständig, bodenständig und dennoch sehr herzlich. Sie hat sehr liebenswerte Freunde und Freundinnen, die ihr zwar in ihrer Not zur Seite stehen, doch möchte sie sie nur ungern in ihre Probleme einbeziehen. Zufällig landet sie dann bei Dominic, dem Grafen von Redwick. Er gehört zwar ebenfalls zur Aristokratie, war aber stets nur der zweite Sohn, der sein Leben so leben konnte, wie er es wollte. Er ist viel gereist und hat als Spion für die Krone gearbeitet. Dabei hat er viel erlebt; Gutes und Schlechtes getan.
Von dem Moment an, an dem Lilly und Dominic aufeinandertreffen, sprühen regelrecht die Funken. Sie geraten aneinander und können doch kaum die Finger voneinander lassen. Gerade Dominic kann sich von Lilly kaum fernhalten. Obwohl er das aufgrund des angeblichen Standesunterschiedes tun sollte. Doch als er erfährt, wer Lilly ist, steht er ihr zur Seite, unterstützt sie und tut alles dafür, ihren Namen reinzuwaschen.
Es beginnt eine Odyssee, in die Lillys Freunde miteinbezogen werden. Die Dramatik um die Geschehnisse rund um Lillys Stiefvater und den Tod ihrer Mutter sind schon erschreckend genug. Da war mir persönlich dann die negative Einmischung von Dominics „Tante“ und ihrer zickigen Tochter doch etwas zu viel des Guten und hat der Geschichte etwas den Charme genommen.
Zum Ende hin gibt es noch einmal ordentlich Dramatik, wie man es aus vielen Historicals mit einem Happy End kennt.
Die Erzählung erfolgt abwechselnd aus der Perspektive von Dominic und Lilly. Gerade in Bezug auf Dominic finde ich das sehr schön. Ich mag es, wie er sich Gedanken darum macht, Lilly davon zu überzeugen, dass er sie liebt. Gleichzeitig versucht er sich selbst davon zu überzeugen, dass er nicht gut genug für sie ist. Dieser Zwiespalt in ihm ist es, der es sehr interessant macht, die weiteren Entwicklungen zu erleben. Für Lilly ist es etwas einfacher. Sie muss sich „nur“ ihren Gefühlen bewusst werden. Oh, und überleben. Einfacher gesagt als getan…
Insgesamt gesehen ein wirklich schöner Historical, der einem einen entspannten Lesenachmittag bereitet. Gern werde ich zukünftig mehr von der Autorin lesen. Denn der Auftakt dieser Reihe hat mir recht gut gefallen.