3,5/5 ⭐️
Mija kehrt nach Jahren der Selbstfindung in Kanada zurück nach Berlin, um sich mit der Geschichte ihrer Familie auseinanderzusetzen. Ihre Eltern, Arbeitsemigranten aus Jugoslawien, sind schon lange tot, und Mija muss sich mit den Erfahrungen ihrer Familie auseinandersetzen, die zwischen den Welten von Dalmatien, Deutschland und Kanada hin- und hergerissen war. Ein zentraler Ort in der Geschichte ist das Restaurant Dalmatia, das von Mijas Patentante Zora geführt wird – ein Ort, an dem Mija als Kind Zuflucht suchte und der ihr jetzt als Ankerpunkt dient, um ihre Vergangenheit zu begreifen. Das Buch beleuchtet die Lebensgeschichten ihrer Eltern und Großeltern und stellt die Frage, was es bedeutet, eine Heimat zu haben oder zu suchen, während sich das eigene Leben und die Welt rundherum ständig verändern. 🌍
Jagoda Marinićs Schreibstil ist poetisch und tiefgründig. Sie versteht es, durch subtile, oft philosophische Dialoge und Momentaufnahmen das innere Leben ihrer Figuren darzustellen. Die Autorin setzt auf assoziative Erzählstränge, die uns nicht immer mit klaren Handlungsabläufen versorgen, sondern eher mit einer dichten Atmosphäre, die zum Nachdenken anregt. Besonders in den Dialogen spürt man die Komplexität der Themen, die in diesen Gesprächen verhandelt werden, wie Identität, Verlust und die Wunden der Vergangenheit. Es gab dadurch auch Momente, in denen ich mich in der Fülle der Gedanken und Reflexionen verloren habe, und die Lust am Weiterlesen ewas verloren habe. ✍️
Der Erzählstrang wechselt zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit, wobei die Vergangenheit einen größeren Raum einnimmt. Die Themen, die im Buch behandelt werden – Krieg, Migration, die Suche nach der eigenen Identität – sind von hoher Relevanz, aber die unkonventionelle Erzählweise lässt den Plot manchmal etwas in den Hintergrund treten. 🕰️
"Restaurant Dalmatia" hat mich zum Nachdenken über meine Herkunft und die Herausforderungen von uns Migrant:innen angeregt. Die Gespräche und Erinnerungen der Figuren verdeutlichen, wie stark die eigene Identität von der Geschichte, den Umständen und den Erfahrungen der Eltern und Großeltern geprägt wird. Dennoch fühlte ich mich manchmal durch die vielen Dialoge und die philosophischen Exkurse etwas entfremdet. Ich hätte mir an einigen Stellen mehr greifbare Handlungen gewünscht, die die tiefgründigen Themen auf eine andere Weise aufgreifen. Trotz dieser Längen fand ich den Roman insgesamt eindrucksvoll und wertvoll. 💭
Fazit: Wer sich für Themen wie Migration, Identität und die Geschichte von Gastarbeiter:innen interessiert, langsame, philosophische Erzählweisen schätzt und sich auf komplexe Dialoge einlassen möchte, der das Buch mögen. ⭐️⭐️⭐️💫
Ich danke s.fischer für das Zusenden des Rezensionsexemplars! 💖