Stefan Wolle gelingt es auf einzigartige Weise, Alltagsgeschichte und Herrschaftsgeschichte miteinander zu verweben, ohne dabei die DDR zu verklären oder zu dämonisieren. Aus einer reichen Fülle von Quellen, die von Literatur, DEFA-Filmen und Schlagertexten über Stasi-Akten bis zu Zeitzeugenerinnerungen reichen, lässt er die ganze Vielfalt und Widersprüchlichkeit der ostdeutschen Gesellschaft differenziert sichtbar werden. Nach seinem Erfolgstitel »Die heile Welt der Diktatur« über die Ära Honecker (1998) folgte 2011 »Aufbruch nach Utopia« über die 1960er Jahre, und nun wird mit dem Band »Der große Plan« über die Aufbauzeit in den fünfziger Jahren die Gesamtschau vollendet.
Stefan Wolle ist durch seine eigene Biografie bestens dafür geeignet, die Geschichte der DDR zu erzählen: Nah genug dran, um aus eigener Erfahrung zu berichten, aber distanziert genug, um sich die eine oder andere süffisante Spitze zu erlauben.
Wolles Stärke liegt darin, neben der großen Politik auch die Kleinigkeiten des Alltags nicht aus den Augen zu verlieren. Damit schafft er es, ein lebendiges Bild der DDR zu zeichnen und mir als Wessi, der immerhin sieben Jahre im Osten gewohnt hat, so manche Eigenart, die mir aufgefallen war, zu kontextualisieren. Eigentlich ein Muss für jeden, der sich einen ersten Überblick zur Geschichte der Gründungszeit der DDR verschaffen will, auch wenn wahrscheinlich die eine oder andere Anspielung für jemanden ganz ohne Berührungspunkte nicht ganz verständlich ist. Daher 4 von 5 Sternen.