Gleich vorweg - wer einen Action-Thriller erwartet, wird hier bitter enttäuscht. Action gibt es trotz des Themas wenig, dafür aber interessante und trotzdem spannende Handlung, einen Hauptcharakter, der einem ans Herz wächst und dezente Gesellschaftskritik.
Der Versuch des amerikanischen Militärs, den quasi unbesiegbaren Supersoldaten zu erschaffen, läuft fehl und alles, was bei dem Milliarden-Projekt herauskommt, sind eine Hand voll Cyborgs, die das Experiment im Gegensatz zu einigen anderen zwar überlebt haben, jedoch durch Fehlfunktionen des Systems für ihr Leben gezeichnet sind und daher in Frührente geschickt wurden. Einer von diesen Männern ist der Protagonist dieses Buches, Duane Fitzgerald, der die Erlaubnis bekommen hat, seinen Ruhestand in Irland zu verbringen. Dort lebt er in aller Abgeschiedenheit mit wenig Kontakt zu seinen Mitmenschen, um sein Geheimnis zu wahren. Das funktioniert über 10 Jahre ganz gut, bis ein Fremder in seiner Wahlheimat Dingle auftaucht, der mehr über ihn zu wissen scheint als gut für ihn ist.
Das Buch schlägt einen sehr ruhigen Ton an und auch wenn es durchaus spannende Elemente gibt (Mord, Geheimdienst etc.), liegt der Schwerpunkt doch eher beim menschlichen Drama. "Der Letzte seiner Art" war mein erstes Buch von Eschbach und der flüssige Schreibstil hat mir sehr zugesagt. Durch die Verwendung der Ich-Perspektive kann sich der Leser gut in die Gedankenwelt von Duane hineinversetzen; durch die immer wieder auftauchende Rückblenden erfährt man nach und nach immer mehr über die Vergangenheit des Protagonisten und seiner ehemaligen Kameraden. Die Rückblenden nehmen der Geschichte aber keineswegs das Tempo oder stören gar den Lesefluss - im Gegenteil, für mich waren sie mit das Beste am gesamten Buch. Alles rund um das Projekt "Steel Men" fand ich unheimlich interessant.
Jedes Kapitel beginnt mit einem Zitat des Philosophen Seneca, dessen Werke Duane berühren und auch Trost spenden. Ein wenig ist das Ende auch an Senecas Leben angelehnt. Man muss jedoch nichts über Senecas Leben oder Werke wissen, um die Parallelen zu verstehen, diese werden erklärt, ohne dass es langweilig wird. Vor der Lektüre dieses Romans habe ich praktisch nichts über Seneca gewusst, zwar war mir der Name durchaus ein Begriff, viel mehr als dass er ein römischer Philosoph war, wusste ich jedoch nicht. "Der letzte seiner Art" hat mich nun dazu inspiriert, mich mit seinen Werken zu beschäftigen.
Eine kleine, zarte Romanze gibt es auch, allerdings darf man hier nicht zu viel erwarten. Mehr hätte jedoch auch nicht in die Geschichte gepasst, so dass mir die Art und Weise, wie das Thema behandelt wird, doch sehr zusagt. Das Thema gerät nie zu sehr in den Vordergrund.
Bei all dem Lob gibt es auch ein paar Kritikpunkte:
- Es gibt ein paar Logiklücken - schon allein, dass Duane, einem wandelnden Staatsgeheimnis, erlaubt wird, sich in einem europäischen Land, fernab von dem direkten Einflussbereich von Uncle Sam, niederzulassen, ist doch eher unwahrscheinlich. Auch ein paar andere Kleinigkeiten, die ich wegen der Spoilergefahr nicht nennen möchte, haben ein bisschen gestört. Nichts davon ist jedoch so schlimm, dass es das Lesevergnügen wirklich trübt, dem aufmerksamen Leser fällt es jedoch trotzdem auf.
- Ein paar Punkte bleiben unerklärt und auch das Ende ist halb offen. Mich persönlich stört das nicht, im echten Leben bekommt man auch nicht auf alle Fragen Antworten, wenn man jedoch gerne sämtliche Rätsel einer Geschichte gelöst haben möchte, sollte man vor dem Lesen bedenken, dass das Buch das nicht bietet.
- Das Ende. Nein, es stört mich nicht, dass es zum Teil offen bleibt, aber es gibt doch einen Aspekt, der mich gestört hat. Ich werde ihn nicht nennen, weil ich nichts verraten möchte, aber ich wollte doch erwähnt haben, dass das Ende mich nicht vollständig befriedigt hat.
Trotz dieser Punkte hatte ich mit "Der Letzte seiner Art" viel Spaß und obwohl ich eigentlich wenig Zeit zum Lesen hatte, ist es mir immer wieder schwer gefallen, das Buch bzw. meinen Kindle aus der Hand zu legen. Daher gute 4 Sterne.