Wozu sind vermeintlich anständige Männer nicht alles in der Lage, wenn sich die Gelegenheit oder Notwendigkeit ergibt? Diese Frage stellten sich gleich mehrere Autoren Anfang der Siebziger und schrieben Bestseller, die dann auch mit Stars wie Burt Reynolds oder Peter Fonda verfilmt wurden. »Flussfahrt« von James Dickie (1971) und »Jagdzeit« von David Osborne (1974) haben es auf die Leinwand geschafft, Fan-Club von Irving Wallace nicht. Ein Grund könnte die große Anzahl von Sex- oder Vergewaltigungsszenen sein, aus filmtechnischer Sicht hat der Plot einen weiteren Haken: es gibt weder Flucht noch Verfolgung. Allenfalls einen unvermeidlichen Showdown, aber der Weg dahin ist zu umständlich geraten, von daher nur drei Sterne.
Der Roman gliedert sich in drei Teile, der erste beginnt mit der Vorstellung der vier Männer, die das Sex-Symbol kidnappen wollen und endet mit dem Erfolg der Aktion, die neue Fragen aufwirft.
Im zweiten Drittel sehen sich die unterschiedlichen Charaktere mit einer Frau konfrontiert, die nur optisch ihren Erwartungen entspricht, aber keinem der PR-Klischees, die alle vier, insbesondere der Schriftsteller Adam Malone, der sich den Plan ausgedacht hat, für bare Münze genommen haben. Der Fokus ändert ich im zweiten Teil: Sharon, die im ersten Drittel mehr oder weniger das Objekt war, tritt als Persönlichkeit ins Rampenlicht und gewinnt die Sympathien des Lesers, denn sie muss für jeden der vier die passende Rolle spielen und gleichzeitig einen Weg finden, um der Außenwelt mitzuteilen, dass sie noch am Leben ist, wenn sie denn am Leben bleiben will. Denn der Psychopath Scoggins, von dessen wahrer Identität die anderen drei nichts wissen, hat beim Massaker von Mi-lai fünf Kinder ermordet, damit es keine Zeugen gibt. Der einzige Ausweg sind neue, noch stärkere Reize: Eine Lösegeldforderung, die dem Romantiker Malone nie in den Sinn gekommen wäre. Aber diese Idee trifft bei zwei der anderen unterprivilegierten, die sie schon bis zum Überdruss gevögelt haben auf dankbaren Boden. Geld ist nun mal das größte Aphrodisiakum.
Im dritten Teil begeht Wallace dann den Fehler des allwissenden Autors und lässt die Polizei brav sämtlichen Spuren nachgehen, die Sharon gelegt hat, vernachlässigt dabei die Konflikte unter den vier Männern, deren Charaktere und Motive die Leser im ersten Teil so schätzen gelernt haben: Den unterbezahlten Mechaniker Shiveley, der seinen Chef nicht um eine Lohnerhöhung angehen kann, weil eine Oberschichtsschnalle sich über seine Annäheurngsversuche beschwert hat. Die ehemalige Football-Kanone Yost, die vor 14 Jahren eines der leicht zu habenden Mädels geheiratet hat, aber nun als Versicherungsvertreter ein von Schulden geplagtes Niemand ist, dessen ehemalige Verdienste die attraktive Tochter eines Klienten nicht interessieren. Vierter und zögerlichster Mann im Bunde ist der 52jährige Buchhalter Leo Brunner, den die Mädels eines Klienten so wenig ernst nehmen, dass sie sich in seiner Gegenwart einfach ausziehen. Der gesundheitsbewusste Mann einer kränklichen Frau ist der Ehekrüppel im Bund der ungleichen vier von denen nur einer die Erfüllung des schnell entwerteten Lebenstraums überleben wird.
Fazit: ein solide erzähltes Buch mit interessanten Typen, für Charakterentwicklung und den konstanten Wechsel der Problemstellung in den ersten beiden Dritteln könnte man vielleicht vier Sterne geben, aber im letzten Drittel lässt das Buch Federn. Wie auch das Spätwerk über Eva Braun als Drahtzieherin des Vierten Reiches.