"Ich bin ein ganz gewöhnlicher Jude, der mit seinem Projekt, ein ganz gewöhnlicher Deutscher zu werden, kläglich gescheitert ist."Die Einladung, vor einer Schulklasse über sein Judentum zu sprechen, wird für den Journalisten Emanuel Goldfarb zum Anlass, eine Bilanz seines Lebens zu ziehen.»Ein ganz gewöhnlicher Jude« wurde unter der Regie von Oliver Hirschbiegel (»Der Untergang«) verfilmt. Im Film spielt Ben Becker die Rolle des Emanuel Goldfarb.
Lewinsky studierte Germanistik und Theaterwissenschaft in Zürich und Berlin (ohne Abschluss). Danach arbeitete er als Regieassistent bei Fritz Kortner und anschliessend als Dramaturg und Regisseur an verschiedenen Bühnen sowie als Redakteur und Ressortleiter der Sendung Wort-Unterhaltung des Schweizer Fernsehens. 1984 veröffentlichte er zusammen mit Doris Morf sein erstes Buch Hitler auf dem Rütli. Es folgten weitere Bücher und Produktionen beim Schweizer Fernsehen, ARD und ZDF. In der Schweizer Öffentlichkeit wurde Lewinsky Mitte der 90er Jahre als Autor der Sitcom Fascht e Familie bekannt; später folgte Fertig Lustig. 2001 erhielt er den Schillerpreis der Zürcher Kantonalbank für seinen Roman Johannistag. Weitere Anerkennung als Schriftsteller erwarb er sich 2006 mit der jüdischen Familiensaga Melnitz. Lewinsky hat zudem über 700 Liedtexte für verschiedene Komponisten geschrieben, unter anderem für Maja Brunner, die mit dem Lied Das chunnt eus spanisch vor 1987 den Grand Prix der Volksmusik gewinnen konnte. 2011 wurde er mit seinem Roman Gerron für den Schweizer Buchpreis nominiert. Lewinsky wohnt in Zürich und im französischen Vereux.
„Wo doch das Problem schon darin liegt, dass man es überhaupt erklären muss. Immer und immer und immer wieder, den andern und sich selber.“
Wie lebt man als Jude in einem überwiegend säkularen Land, das zugleich voller historischer Lasten gegenüber dem Judentum steckt? Diese Frage ist ja für sich schon spannend. Wie sehr wird man – ob man will oder nicht – in Zuschreibungen verstrickt, wird man zur Projektionsfläche für Geschichte, Religion oder Politik, sobald man sich als Jude zu erkennen gibt?
Gerade in der aktuellen Lage – dem Krieg im Nahen Osten, der Angriff der Hamas, der Reaktion Israels und dem fortwährenden Antisemitismus insbesondere in Deutschland wirkt vieles erschreckend aktuell. Eine Stelle, die mir vor diesem Hintergrund vor allem im Kopf geblieben ist: „Woher nehmen die Leute, woher nehmen vor allem die Deutschen das Recht, von Israel ein höheres moralisches Bewusstsein zu verlangen als von jedem anderen Staat im Krieg?“
Also, mulmige Gefühle inklusive. „Aber ich kann auch nicht immer einen Bogen um das Thema machen. Das verkrümmt auf die Dauer den Rücken.“
Lewinskys Text ist gelungener, kurzer, intimer, humorvoller, zerrissener Versuch, mit diesen Erwartungen und Zuschreibungen umzugehen.
Pointiert und wichtig; dieser kurze beinah-Monolog hat mich Lewinsky gegenüber wieder positiver gestimmt, nachdem ich von seinem neuesten Roman ("Der Wille des Volkes", erschienen bei Nagel & Kimche) eher enttäuscht war. Gerade auf seine Glossen bin ich durch "Ein ganz gwöhnlicher Jude" neugierig geworden.
This almost one-man play is a fairly interesting exploration of the contradiction of being a Jew in post-war Germany. Not an original theme, and given its brevity not especially profound, this play is very straight-forward about the contradictory nature of the protagonist's life. While specifically with reference to Germany and its "special" role in Jewish history, much of what the main character says is true of Jews beyond Germany as well.
Hörspiel kann man es ja fast nicht nennen, diesen einzigartigen Monolog. Ben Becker ist einfach fabelhaft in der Rolle des Emmanuel Goldfarb, und ich werde mir dies sicherlich noch ein paar weitere Male im Auto anhören - die scharfen, bissigen Beobachtungen über das gestörte Verhältnis der Deutschen zu Juden sind wirklich bestens dargestellt. Ich habe vorher noch nie etwas von Charles Lewinsky gelesen, aber nun werde ich mir direkt Karten zu seiner Lesung von Gerron Ende September besorgen.