Eine einzigartige Röntgenaufnahme des politischen Betriebs in Deutschland Politiker sind Stars. Sie werden erkannt, umringt, bevorzugt behandelt und auch lange nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt nicht vergessen. Und doch ist unser Wissen um das Leben, die Kultur an der politischen Spitze mehr von Mythen und Ahnungen durchzogen denn aus Anschauung informiert. Der renommierte Journalist und Publizist Nils Minkmar begleitet fast ein Jahr lang einen Protagonisten der hohen Politik, Peer Steinbrück, durch den Wahlkampf und hat exklusiven Zugang zu wichtigen Terminen und Besprechungen. So gelingt ihm eine unvergleichliche Innenansicht des politischen Systems in Deutschland. Darüber hinaus schildert Nils Minkmar eindrucksvoll die Dynamik der Medien, den Betrieb der sozialen Netzwerke, die Reaktionen des Publikums und den größeren historischen Kontext des Wahlkampfs im wirtschaftlich stärksten Land Europas.
Dieses Buch schildert den Wahlkampf des SPD-Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 2013, Peer Steinbrück, aus der Sicht eines unbeteiligten Beobachters. Es beginnt mit den abschließenden Vorbereitungen der Kampagne und endet am Wahlabend.
Minkmar beschränkt sich nicht aufs Beobachten. Streckenweise wird er zum politischen Kommentator, der mit der Partei und ihrem Spitzenpersonal hart ins Gericht geht. Dies ist aber nichts Neues im Umgang mit der ältesten deutschen Partei. Zur Person Steinbrück wahrt er aber eine Distanz, die Respekt und Anerkennung durchscheinen lässt.
Man nimmt dem Verfasser sein Staunen ab, wenn er konkrete Ereignisse während der Kampagne beschreibt und wie wenig sie in der öffentlichen Wahrnehmung verfangen. Bekanntlich konnte die SPD mit Steinbrück die Wahl nicht für sich entscheiden. Gleichzeitig hält Minkmar der deutschen Öffentlichkeit damit den Spiegel vor, z.B. wie wenig Inhalte die Wahlentscheidung beeinflussen, obwohl diese in Umfragen immer wieder als wichtig bezeichnet werden. Oder die Überschätzung von Fernsehduellen. Oder dass auch das Timing den Wahlausgang beeinflusst, denn die längste Phase des Wahlkampfes fand in den Sommerferien statt.
Minkmar vertieft die Suche nach Gründen für das Scheitern der Kampagne nicht, verortet sie u.a. aber in der Person Peer Steinbrück als solcher in der Anfangsphase des Wahlkampfes. Es sind noch ein paar Ansätze mit Hinweisen auf Steinbrücks Biografie, die in Bezug zum verstorbenen Sozialdemokraten Peter Glotz gebracht werden, vorhanden. Der Autor stellt dadurch bemerkenswerte Fragen an die Parteien und die Wähler/-innen. Er, ganz Journalist, bildet ab und kommentiert. Die ausführlichen Erklärungen liefern andere.
Abschließend mutmaßt Herr Minkmar, dass Steinbrück der ideale Kandidat einer untergegangenen politischen Epoche Deutschlands gewesen wäre: der Bonner Republik der Achtzigerjahre des 20. Jahrhunderts. Für die Kampagne 2012/2013 wirkte Steinbrück nach anscheinend eigener Einschätzung des Autors wie aus der Zeit gefallen, nämlich wie ein Zirkusartist im Vergleich zu digitalen Animationen der Gegenwart. Um es mit eigenen Worten anders auszudrücken: Peer Steinbrück war der "Last Man On Earth", wie ihn der Künstler Loudon Wainwright III in seinem gleichnamigen Lied beschreibt.
Nils Minkmar bietet in seinem Buch "Der Zirkus" viel Material, darüber nachzudenken was es dieser Tage heisst in Deutschland Wahlkampf zu machen. Leseempfehlung!
Gutes Buch, das einen Blick hinter die Kulissen des Bundestagswahlkampfs von Peer Steinbrück gibt. Darüber hinaus enthalten die Kapitel 7 & 8 eine – aus meiner Sicht – sehr gute und immer noch aktuelle Beschreibung zur gesamtgesellschaftlichen Situation in Deutschland. Allein deswegen schon empfehlenswert!
ich fand das buch sehr grossartig. es geht zwar zum grossen teil gar nicht um steinbrück, sondern vor allem um minkmars gedanken zur deutschen politik, SPD und eben auch den wahlampf von steinbrück, aber all das las sich sehr fluffig und klug.
Teilweise ganz unterhaltsam. Auf Dauer aber zuviel Meinung und zuwenig echte Schilderung des Wahlkampfs. Da hätte ein längerer Zeitungsartikel ausgereicht.
Eigentlich gut zu lesen, aber die Hybris tropft zwischen den Buchdeckeln durch. Minkmar findet sich ziemlich toll und das nervt immer stärker, je länger das Buch dauert.