Dieser Roman, vom Leser in einem Zug verschlungen, erzählt von der Liebe Sojas zu Harry, einem "Junkie". Dabei lernt Soja mit der Zeit durch Harry immer mehr zu verstehen, was es mit dem Begriff "Junkie" so auf sich hat: "Erst von dir erfuhr ich, was das bedeutet, nicht `Rauschgiftsüchtiger`, wie im Wörterbuch behauptet, sondern (menschlicher) Ausschuß, Schund, Müll, Abfall".
Katja Lange-Müller läßt Soja im Rückblick auf diese Liebe schauen und darüber berichten. Soja wir dazu angestoßen, weil sie im Nachlass von Harry ein kleines Heft mit undatierten Aufzeichnungen findet, die sie erkennen lassen: "Ach, Harry, wäre dieses Heft bei jemand anderem gelandet und der neugierig genug gewesen, es auch zu lesen, er hätte nicht einmal ahnen können, daß es mich in deinem Leben, das meines war und ist, jemals gab".
Müller-Lange läßt Soja trotz aller, auch bitterster, Erfahrung immer auf das liebevollste berichten, in dichter und in so einfacher und damit so authentischer Sprache, dass der Leser magisch hineingezogen wird in eine Geschichte voll tief empfundener Liebe.
Soja berichtet davon, wie sie sich kennengelernt haben, wie Harry das erste Mal einfach bei ihr übernachtet hat, von seiner, mal mehr mal weniger unter Kontrolle gehaltenen, Rauschgiftsucht, von seiner Karriere als Krimineller und Gefängnisinsasse, vor allem aber immer wieder von seiner Wortkargheit und Sprachlosigkeit all dem Guten gegenüber, dass ihm durch sie wiederfährt und seinem dunklen Geheimnis, dass Soja, als es dann doch öffentlich wird, in eine schwere, existenzielle Krise stürzt und ihrer Liebe zu Harry eine Wendung bringt. "Ich wollte bei dir bleiben, dir nahe, aber nicht ganz nahe sein. Die Angst vor und die Liebe zu dir attackierten einander pausenlos; mal gewann die eine Oberhand, dann wieder die andere, was mich alles in allem auf schwer beschreibbare Art lähmte, den Schmerz betäubte und mich diese Taubheit als schmerzlich empfinden ließ".
Wie in einem Film erlebt und durchlebt Soja so noch einmal die gemeinsame Zeit mit Harry, läßt sich selbst, und den Leser, vor allem und letzten Endes am intensivsten von den schönen, einfachen Augenblicken mit Harry berühren: "Wir liegen auf den Matratzen, Kopf an Kopf, bewegen uns kaum, atmen flach. Deine Augen sind geschlossen, meine schauen hoch zum offenen Fenster ... Wir haben einander und Zeit; nichts sonst, doch davon ganz viel, obwohl es scheint, als existiere sie gar nicht mehr".
"Böse Schafe" muß Frau, vor allen Dingen aber Mann lesen.