Auf Grund der wirklich guten Kritiken, die ich bislang zu dem Buch ,,Die Favoritin des Königs", eine Romanbiographie über die Madame de Pompadour von Claudia Ziegler gehört und gelesen habe, habe ich mir das Buch mit großer Vorfreude und auch großen Erwartungen im vergangenen Monat geschnappt und gelesen. Der Anfang war sehr vielversprechend. Jeanne, unsere spätere Madame de Pompadour trifft im Wald auf eine Zigeunerin, die ihr eine Prophezeiung bzgl. ihrer Zukunft als mächtige Frau macht. Da ich Prophezeiungen liebe und es unendlich spannend finde, diese Prophezeiungen immer weiter verfolgen zu können, ob sie auch in Erfüllung gehen bzw. auch auf weitere Treffen mit der Zigeunerin gehofft habe, war das ein Einstieg nach Maß für mich in dieses Buch. Leider hat das Buch in meinen Augen ziemlich nachgelassen und meine Erwartungen nicht wirklich erfüllen können.
Die Geschichte bzw. auch die Gestaltung der Geschichte hatte für mich grandiose Highlights aber leider auch böse Durststrecken und alles in allem holperte es mir ein wenig zu sehr durch die Geschichte. Der Anfang von Jeannes Leben war mir viel zu kurz und knapp gehalten. Auf wenigen Seiten wurde sie vom Kind zur verheirateten Frau und erlitt auch schon die erste Fehlgeburt. Das ging mir ein wenig schnell, zudem hätten mir Jahreszahlen über den Kapitel besser gefallen, ich steh einfach drauf ;-). Grundsätzlich ist mir schon auch klar, dass das Hauptaugenmerk des Romans auf ihrem Leben an der Seite von Louis XV liegen sollte, dennoch war mir die Zeit, bis es dazu kommt einfach zu schnell abgehandelt. Gerade die Anfangszeit zwischen Jeanne und Louis XV fand ich aber wieder wunderbar. Jeannes erster Ball am Hofe von Versailles hätte eine Szene aus meiner Lieblingsmärchen-Verfilmung sein können. Das war wunderbar intensiv und genauso wie ich mir königliche Bälle vorstelle. Ebenso wunderbar war die dazugehörende Szene auf dem ,,Balkon" des Festsaals, als Richelieu und die Comtesse de Branca auf die nächste Geliebte des Königs wetten. Das hatte etwas von ,,Gefährliche Liebschaften" und Richelieu sieht eindeutig wie John Malkovich aus :-) Wenn es in dem Stil weitergegangen wäre, dann hätte ich glaube ich nur noch gejubelt. Nur leider kommt dann über eine lange Durststrecke eigentlich nichts Neues mehr. Jeanne wird Louis' Maitresse en titre und hat als Bürgerliche gegen die Anfeindungen des Hofes zu kämpfen oder verschwindet mit Louis im Bett. Nicht, dass der Roman jetzt ausgeprägte Sex-Szenen hätte, das hätte mich nicht gestört, aber es passiert mir einfach zu wenig. Ich war dann schon wirklich über jede einzelne Intrige eines Richelieus oder eines Maurepas froh, weil alles andere echt ermüdend wirkte auf mich. Vor allem die Machenschaften eines Richelieus haben mich mit der Zeit immer mehr grinsen lassen, weil er für mich vom absoluten Unsympathling und Widerling zur interessantesten Figur im Roman und damit zum Liebling für mich geworden ist...wobei ich viele seiner Machenschaften und auch sonst viele seiner Eigenschaften nicht mochte und unsympathisch fand. Aber er hat einfach ein wenig Salz und Pfeffer in die Buchsuppe gebracht. Wirklich ein Charakter, über den ich gerne mehr erfahren würde, wie gesagt, immer noch unsympathisch, aber einfach spannend.
Im Gegensatz zu Richelieu fand ich die beiden Hauptfiguren Jeanne (Madame de Pompadour) und vor allem König Louis XV ziemlich blass, zwar sympathisch aber ein wenig langweilig, auch wenn ich ihn anfangs, wie er sich inkognito unter das Volk mischt schon sehr gelungen fand. Gerade bei ihm hätte ich mehr Willkürlichkeit in seinen Launen erwartet, er war mir fast zu gut. Dass es Jeanne in ihrer Anfangszeit nicht leicht gehabt hat, gerade von ihrem ,,Onkel" zum Spielball gemacht wurde und dass sie kaum geduldet wurde ob ihrer Herrkunft, lässt bei mir zwar ein großes Mitleid mit ihr aufkommen, und sie ist für mich auch wesentlich lebendiger als Louis, dennoch reicht es mir für eine Hauptperson nicht aus. Nichtsdestotrotz finde ich ihr Leben am Hofe, ihre Liebe zu bzw. auch ihre Macht über Louis, ihr Engagement für die Künste und Künstler dennoch super interessant. Allerdings fand ich sie als Nebenfigur in Peter Pranges ,,Die Philosophin" wesentlich spannender als hier in diesem Roman als Hauptfigur. Nichtsdestotrotz fand ich es schön zu beobachten, wie die Liebe zwischen den beiden wächst und es nicht eine rein sexuelle Geschichte ist, sondern Jeanne für Louis wirklich ,,die Richtige" gewesen sein scheint.
Wirklich gut gefallen hat mir in dem Buch dann allerdings wieder der Umgang der Autorin mit dem historischen Hintergrund/ Sitten und Bräuchen. Frankreich ist so ein faszinierendes Land, so unheimlich vielseitig mit hohen Bergen, Mittelmeer, Atlantik, wunderbare Städte (ich liebe Paris!!!) und die Geschichte ist einfach ungeheuer spannend. Soweit ich das beurteilen kann, hat Claudia Ziegler wirklich sehr genau und akribisch recherchiert. Allerdings hätte sie fast noch mehr daraus machen können. Das Leben am Hofe ist wunderbar dargestellt, Louis der wo anders schläft als er morgens offiziell geweckt wird, die ganzen Kleinigkeiten und ,,Großigkeiten", die Jeanne mit ihrem Eintritt an den Hof lernen muss, da zeigt Claudia Ziegler wirklich was sie kann und was sie weiß. Allerdings hätte die innenpolitische und auch die außenpolitische Situation klarer und intensiver rüberkommen können für mich. Jeanne war in meinen Augen eigentlich nah genug an allem dran, gerade auch als Louis Beraterin in so vielen Dingen, dass das alles klarer hätte sein können. Und es war doch nun wirklich eine spannende Zeit in Frankreich in der zweiten Hälfte des 18 Jahrhunderts!!!
Alles in allem war es in meinen Augen zwar kein schlechtes Buch, aber es hat mich jetzt leider auch nicht vom Hocker gerissen. Dafür plätschert es für mich leider oft viel zu sehr vor sich hin und ,,Plätscher-Bücher" nerven mich einfach mit der Zeit. Ich war dann schon fast ein wenig froh, als es rum war.
3,5 Sterbe