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Tod eines Eisvogels

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Book by Peter Henning

Paperback

First published January 1, 2011

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Peter Henning

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Profile Image for Klaus Mattes.
841 reviews17 followers
March 13, 2025
Den Büchern von Peter Henning, in Hanau geborener, in Köln ansässiger Journalist und Rezensent bei renommierten Presseorganen, könnte man den Vorwurf machen, sie seien keine Literatur, sie würden diese eher simulieren.

Blickt man auf eine Kontrastfigur wie Peter Handke, sieht man dort einen in seine Mission als Weiser vernarrten Nachfahren von Stifter und Rilke, einen Künder des Geheiligten. Nicht so Peter Henning. Den könnte man sich bei allerlei anderem Gelderwerb auch vorstellen und er hat's auch schon getan. Er schrieb Nachworte für Verlage wie Manesse, er leitete das Literaturressort der „Weltwoche“. Er hat Germanistik studiert und gibt in Köln mittlerweile den Professor für kreatives Schreiben. Irgendwie charakteristisch für dieses seltsame Fach, dass Leute, bei denen das alte Wort „Der muss einfach schreiben, der kann gar nicht anders“ nicht zutrifft, eher das Wort: „Der hat sich gut angesehen, wie man es macht und jetzt macht er es auch.“ In späteren Jahren übernimmt er dann ein Literaturhaus oder die Belletristikabteilung eines internationalen Verlagstrusts, als Verleger i.A.. Kann sein, er schreibt Gedichte über Schmetterlinge. Denn siehe, der Eisvogel dieses Erzählbuchs ist kein Vogel, sondern ein Schmetterling.

Man hat nicht das Gefühl, den Henning quäle ein heimliches Anliegen oder dränge irgendwas ungeheuer zum Ausdruck. Man denkt eher an Filme, wenn eine Art Road Movie abläuft, die Flucht ans Meer. Rapsfelder und die weißen Wolken, eine sehr lange Brücke, bis man überhaupt kein Land mehr sieht. Geschickt eingesetzte Staffage. Nur in den bei Peter Henning immer wieder auftauchenden Erinnerungspassagen aus einer Kleinbügerkindheit in den westdeutschen sechziger und frühen siebziger Jahren spürt man Herz und Seele dieses Realisten, des Geschichtenkonstrukteurs.

Verschmierte Teller und Kaffeetassen im Ablauf, Krümel auf dem Tisch, vergilbte Zeitungsstöße neben dem Nordmende-Radio und die kleine Plastikwaage, darin Mutters diverse Brillenetuis und in ein Papiertaschentuch eingewickelte Goldzähne: tausendmal gesehene Stilleben, Koordinaten unserer Leben, die in trister Gleichförmigkeit dort verliefen und irgendwann versanden würden.


Ein Schuhmacher aus Offenbach oder Hanau, Hennings Heimat, ist auf der Flucht. Nicht weil die Wegwerfmode ihn arbeitslos gemacht hat, sondern weil er mit seiner Schwester durchgebrannt ist. Diese Schwester wäre eigentlich Patientin der Psychiatrie und er hat sie „befreit“, ohne sich darum zu kümmern, ob sie das überhaupt möchte.

Der weite Horizont der See verspricht Freiheit, außerdem geht die Fahrt zurück in die Kindheit. Hier haben sie ihre Ferien verbracht. Aber natürlich ist es eine Flucht in die Sackgasse. Sie können nicht mal sprechen miteinander. Außerdem bricht sie allmählich unter dem Ausbleiben der Medikamente zusammen, auf die sie eingestellt wurde. Der Bruder will es nicht wahrhaben. Früher war sie es, die ihm Halt gab. Zur Mutter kann er nicht mehr. Sie ist vergreist, im Altersheim, hat mit ihm gebrochen.

Gut, das bisher Gesagte deutet auf eine aufgearbeitete Lebensgeschichte hin. Aber im Buch ist es nur das Vorspiel zu einer Action, die abstrus verläuft. Da werden dann Hamster geworfen, wenn sich einer der Flucht in den Weg stellt. Gut, gäbe es bei Peter Handke nie. Also kein Nobelpreis.
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