Ich möchte der gütigen Vorsehung danken, dass ich "nur" die gekürzte Hörbuchfassung gekauft habe, aber dann fällt mir ein, dass der Dank recht eigentlich Audible geschuldet ist, da keine ungekürzte Fassung angeboten wird. Schließlich verschiebt sich die Perspektive ein letztes Mal und angedenk der sieben Stunden Laufzeit überlege ich, Audible zu verklagen oder alternativ zumindest mein Abo zu kündigen.
DER GEIST ist mein erstes Buch von Laymon und das zweite Desaster nach McFadyens BLUTLINIE. Wieder wollte ich ganz arglos etwas Unterhaltsames, das ich beim Walken hören kann, und wieder habe ich mich von vielen positiven Bewertungen verleiten lassen.
Die Handlung? Also, da ist eine 30-jährige verwitwete Doktorin, die was auch immer an der Uni unterrichtet; offenbar früh dran mit allem, die Gute, ansonsten aber nicht reifer als ihre Studenten; eben jene Studenten, die ich eher als Schüler einer 7. oder 8. Klassenstufe verortet hätte, unreif, infantil und notgeil. Wer EIS AM STIL (egal welchen Teil) für einen unterhaltsamen Film hielt, möge sich am GEIST versuchen.
Unter den Schülern gibt es neben einem übelkeitserregenden Maulhelden den jungfräulichen Nerd, der etwas pseudosensibler als seine Mitschüler, Verzeihung, Mitstudenten ist. Er ist wohl die Identifikationsfigur für all die 14- bis 15-jährige Leser des Buches, an die Laymon sich eigentlich richtet, die aber Mami und Papi nicht zeigen dürfen, was sie da lesen. Und es gibt das Mädchen, dass alle Spielarten des sexuellen Mißbrauchs über Jahre erduldet hat, aber immer noch guter Dinge und einem one-night-stand nicht abgeneigt ist.
Besagte studentische Gruppe bekommt nun vom Geist Butler via ouija board einen Schatz in Aussicht gestellt und macht sich prompt auf die Suche danach, wenig später gefolgt von der besorgten Dozentin und ihrem Schwager, welchen sie nach erstmaligem Sex sofort zu heiraten beschließt.
Ach Leute, es reicht, keine weiteren Details.
Dauernd streicht hier ein Wind durch die Shorts der Mädels und Jungs (lachen sie nicht, so will es der Autor), und eine Passage ohne Sex oder Anzüglichkeiten ist Mangelware. Hier bleibt nur Fremdscham und tiefstes Bedauern.
DER GEIST ist ideal für Leser, die es lieben, wenn das gesamte Personal des Romans unmotiviert und sinnfrei agiert und gefühlsmäßig und intellektuell auf dem Stand von 15-Jährigen ist; außerdem sollte man auf unglaublich schlechte Dialoge stehen und gerne Strichlisten führen. Solch eine Liste könnte wie folgt aussehen:
Erwähnung von
- Busen / Schenkel: XXXXX, III
- Erigierter Penis: XX, IIII
- allgemeine sexuelle Erregung: XXXXXXXX, IIII
- Sex: XXX, II
- Geist: II
(irgendwann habe ich keine Striche mehr gemacht).
Kein Wort mehr, der ganze unsägliche Text ist eine sie-wissen-schon-Vorlage für dauererregte Teenager und stellt den Rezensenten nur vor ein einziges Problem: warum kann ich nicht 0 Sterne vergeben?