Ich finde dieses Buch auch lesenswert. Es werden viele Dinge ausgesprochen, die Kindern durch den Kopf gehen, für das sie aber kein Ventil haben oder das sie nicht einordnen können. Wie die rasende Wut, die Su andauernd hinunterschlucken muss. Die ist von Anfang an sichtbar. Und sie lässt Su Dinge tun, die sie selber nicht versteht, wie die Teerose der Großmutter zum Welken bringen, obwohl sie im Moment gerade nichts gegen die Großmutter hat. Das Buch war eine Schullektüre und ich muß mich wundern, dass wir damals alle über den Suizidversuch hinweggelesen hatten. Zumindest hat es keiner angesprochen. Das ist zwar nur eine kurze Episode. Es sollte allerdings klar sein, dass es in dem Buch nicht nur witzig zugeht. Es gibt viele Zwischentöne, wo ich dachte: Das ist eigentlich traurig. Wie die Großtante mit ihren Sprichwörtern und Floskeln. Eine komische Figur, irgendwo zum Lachen. Aber ich fand sie auch bedauernswert, wie sie ihren Selbstwert in übertriebener Hausarbeit sucht. Es gibt zudem ganz ausgesprochen dramatische Szenen wie den Zusammenbruch der Mutter. Jedoch gelingt es durch die einfache Sprache und die Reaktion der beteiligten Figuren, Abstand davon zu halten. Ich finde es sehr nützlich, dass man als Leser*in Einblick in Sus Gefühle und Gedanken bekommt. So kann Su ein Modell sein, wie man mit Gefühlen umgeht. Die Figur Su mochte ich. Sie ist auf eine stille Art frech und rebellisch, beispielsweise wie sie durchs Fenster steigt und dann erklärt, sie tue das vermutlich, weil es die Leute stört. Su weiss aber auch zu Handeln. Sie traut sich was, wie eben die Verkupplungsversuche anzuleiern. Die Handlung hat viele verschiedene Szenen und Bestandteile. Diese spulen sich der Reihe nach ab, so dass man leicht mitkommt. Trotzdem ist die Handlung abwechslungsreich, interessant und überraschend, jedoch auch kohärent. Das Buch kam 1978 heraus und es kann in manchen Teilen als Zeitzeuge der Emanzipation dienen. So ist es Sus Mutter, obwohl sie berufstätig ist, nicht erlaubt, Geld auszugeben. Vater zahlt und gibt der Mutter Haushaltsgeld. Nicht gefallen hat mir das ein oder andere Klischee. Ich bewerte das Buch mit 4 Sternen.