Dies ist eine sehr lange Rezension geworden. Aber es war mir ein Bedürfnis.
Ich schätze Egon Friedell sonst schon, wenn ich von ihm sonst auch wenig kenne, und will sein Erbe mit meiner kleinen und subjektiven Rezension nicht schmälern, aber so habe ich es nun mal empfunden. Wer nur mein Fazit lesen will, kann einfach ganz nach unten zum letzten Absatz scrollen.
Manchmal durchstöbert man die kostenlosen Angeboten von Ebooks und stößt so auf Klassiker die man entweder immer mal oder auch mal wieder lesen wollte. Mittlerweile kann einen das sogar bei deutschsprachigen Büchern passieren.
Bei diesem Buch liegt der Fall ein wenig anders. Einmal habe ich gar nicht bewusst gewusst das Friedell phantastische Erzählungen (er selbst hätte vielleicht eher von pseudowissenschaftliche gesprochen) verfasst hatte, aber zweitens hatte ich die Geschichte schon einmal gelesen. Nein nicht ganz als 13 Jähriger hatte ich die Geschichte so langweilig gefunden (oder langweilig erzählt gefunden), das ich das Buch wieder zurückgegeben hatte, ohne es zu Ende zu lesen.
Allerdings hatte das Buch in meiner Erinnerung einen anderen Titel gehabt (und Wikipedia hat mich in meiner Erinnerung bestärkt, denn frühere Ausgaben hießen tatsächlich „Die Reise der Zeitmaschine“!). Ich hatte Damals nicht nur den Film im Fernsehen gesehen, sondern auch den Wells'schen Roman gelesen. Den Roman hatte ich auch nicht so dolle gefunden, da Wells auch hier sich in eine Menge Wissenschaftblabla verworren hatte. Der Mann wollte ja immer gern eher als Science Fact Autor gelten. Das zeigt sich auch an seinem Ärger über METROPOLIS, wo er Buch und Film lächerlich fand und somit das Gegenbuch und auch gleich den Film dazu lieferte: (Of The Shapes Of) THINGS TO COME.
Wie auch immer viel mir in der Bücherei eben „Die Reise der Zeitmaschine“ in die Hände. Das es nicht Wells geschrieben hatte, daran konnte ich mich noch erinnern. Worum es dann ging, nicht mehr. Ich glaube ich hatte auch nicht weit gelesen.
Friedell setzt damit ein, das er, als Erzähler, wirklich glaubt, das es den Zeitreisenden gibt und schreibt Wells an, wie es denn nun mit ihm weitergegangen sei. Wells antwortet nicht, aber eine seiner Assistentin (oder so), um es kurz zu machen, das das ihm einen feuchten Dreck angeht. Für diese zwei Briefe hat dann Friedell schon einmal rund 10 Seiten verbraten. Dann schreibt er an den Verlag und findet einen der vier Kompane, denen der Namenlose Zeitreisende seine Geschichte erzählt hat. Der erklärt sich nun bereit ihm die Geschichte was danach geschah zu erzählen. Und somit uns.
Jetzt geht es aber noch nicht gleich los. Ersteinmal schiebt Friedell ein ganzes Kapitel ein in dem er pseudowissenschaftlich zu erklären versucht, warum Zeitreisen selbstverständlich möglich wären! (Wir hören Homer Simpson: „Laaangweiliiig!“)
Nun geht es aber los.. und wieder doch nicht. Denn am Ende des wells'schen Romans macht sich der Zeitreisende auf den „Weg“ in die Vergangenheit. Bei Friedell klappt das erst einmal nicht. Nichts scheint die Maschine dazu zu bewegen sich in die Vergangenheit zu begeben. Dann kommt den namenlosen Zeitreisenden die Idee, das er vielleicht nur ein wenig Anschwung bräuchte! Also fluchs zwei Tage in die Zukunft gereist und sich den Schwung für die Vergangenheit holen zu können. Aus einen banalen Grund (er hatte vergessen zu Duschen! WTF?!?) verlässt er die Zeitmaschine und das Turmzimmer und geht in seine Arbeitszimmer. Dort trifft er, schwupps, auf seine zukünftige Frau, die immerhin gerade in sein vermeintlich verlassenes Haus eingedrungen ist, nur um ein Bild von ihr selbst auf seinen Schreibtisch zu stellen. Natürlich darf sie sich die Maschine angucken und ein bisschen dubiosen Zeug babbeln. Das reicht dann Friedell auch schon an Romanze und lässt den Zeitreisenden weiter in die Zukunft reisen, denn, ach, der Schwung für die Vergangenheit reicht noch nicht. Für die „Romanze“ hat sich Friedell immer hin 2 ½ Seiten geopfert.
Der Zeitreisende landet im Jahr 1995 (!). Am Boden ist nichts mehr zu sehen. Kein London, keine Vegetation, einfach nichts. In unmittelbarer Nähe trifft er aber jemanden der ihm aufklärt das London jetzt oben sei. London schwebt am Himmel! Okay.. Außerdem gibt es keine Natur mehr. Alles wird jetzt von einem Konzern hergestellt. Alles! Geschlafen wird auch nicht mehr. Mann arbeitet am Tag 22 Stunden, dann hat man 2 Stunden Freizeit und dann wird man von etwas das Ultraviolet heißt wieder „aufgeladen“ und man geht wieder arbeiten. Die Arbeit ist aber furchtbar langweilig, denn man hat praktisch nichts zu tun, weil der Konzern ja alles künstlich herstellt. (Widerspruch? Ach-i-wo!). Außerdem ist dieser Jemand gar nicht da, sonder woanders und ist nur eine Projektion (quasi ein Hologramm).
Jetzt will der Zeitreisende endlich in die Vergangenheit reisen. Er will ja gar nicht so weit zurück. Er will ja nur nach 1840 um ein paar Reden von einem Gelehrten zu hören (echt jetzt!) Alles andere wäre, naja, zu gefährlich!! Er reist also zurück. Kommt aber nur bis 1957, dann gibt es Turbolenzen. Ihm fällt da dagegen nicht besseres ein zu tun als wieder in die Zukunft zu reisen. Ach... Nun landet er im Jahr 2138. Es gibt gar kein London mehr. Nur so Wildnis. Kennt man ja schon aus den ersten Roman. Der Zeitreisende, der unterdessen von Friedell einen Namen bekommen hat, aber eigentlich ist sein Name so was von unwichtig, das die Nennung keine Erhellung der Geschichte an irgendeinen Zeitpunkt gebracht hätte, trifft so gleich auf zwei Ägypter! Aber natürlich ist er nicht in Ägypten. Sondern im 22ten Jahrhundert in Britannien. Die Beiden sind extra aus Ägypten gekommen um ihn zu treffen. Sie behandeln ihn nicht wie einen Trottel aus der Vergangenheit oder eine Wilden, der er in ihren Augen sein müsste, sondern wie einen, ja, Heiligen. Warum das so ist oder warum sie extra gekommen sind um ihn genau in den kurzen Augenblick seines Verweilen in jener Zeit zu treffen, erfährt man.. NICHT. Stattdessen geben ihn die Beiden irgendwelche Wischiwaschi-Erklärungen. Z.B. das die Turbulenz von Mondbewohnern verursacht wurde, deren drei Dimensionen unsere 4. Dimension (Zeitreisen) beinhaltet und er nur eine Zeitbahn gekreuzt hatte. Er müsse nur schneller reisen dann klappt das auch mit den Soloniten (Mondbewohner). War ja klar! Jetzt wo man gedacht hatte, das die Zwei so ein paar abgedrehte Sektentypen sind, die den Zeitreisenden für einen Messias halten und ihn jetzt hops nehmen würden, steigt der Zeitreisende einfach auf seine Zeitmaschine, sagt „muss weg“ zu den Beiden und ist wieder auf den Weg.
Diesmal wirklich in die Vergangenheit. Jetzt ist er richtig sauer. 1840 reicht ihm nicht mehr. Er will zum Beginn der Zeit zurückreisen, ach was, am besten gleich vor den Beginn der Zeit. Hach! Jetzt wird geklotzt und nicht gekleckert! Aber so weit kommt er gar nicht. Als er den Zeitpunkt der Fertigstellung seiner Maschine überschreitet, verschwindet diese, weil sie, nach friedell'scher Logik, noch gar nicht existiert, und der Zeitreisende strandet 6 Wochen vor der Fertigstellung der Maschine in der Vergangenheit. An sich ja nicht schlimm, denkt man. Auch ist die Idee, das die Zeitmaschine nur in der Vergangenheit vor ihrer Fertigstellung existieren kann ja nicht schlecht. Stellt sich die spannende Frage was mit den Zeitreisenden passiert wäre wenn er über seine eigene Geburt gereist wäre? Egal! Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten, denkt man sich, entweder der Zeitreisende sieht sich selbst zu wie er die Zeitmaschine selbst baut (was aber nicht geht, denn irgendwann vorher wurde erklärt, das auch pseudowissenschaftlichen Gründen man nur einmal existieren kann. Egal ob Zukunft oder Vergangeheit... Warum eigentlich? Das macht doch erst das spaßige an Zeitreisen aus.) oder er muss die Maschine nochmals bauen. Leider nimmt Friedell keinen der beiden Wege, sondern spinnt sich was noch seltsameres zusammen. Der Zeitreisende ist in der Zeit gefangen und existiert nur an jenen 6. Dezember an den er gelandet ist. Okay, kennt man von Star Trek. Temporale Phasenfeedbackschleife, oder so. So sitzt der Zeitreisende also 6 Wochen in seinem Wohnzimmer, säuft Portwein und ließt Bücher. In den Zimmer bleibt es Nacht, ausserhalb stürmisch und der 6. Dezember. Dann nach 6 Wochen geht er in Turmzimmer, weil da ein Ticken einer Uhr zu hören war, und dort ist es heller Tag, Februar und , huch, die fertige Zeitmaschine ist da! Ja, aber, hallo! War doch einfach. Was für ein genialer Twist! Dort in dem Zeimmer ist die Zeit weitergelaufen! Ja, logo. Keine Erklärung warum unten im Haus die Zeit nicht weiterlief oder wer nun unterdessen die Zeitmaschine gebaut hat. Nicht einmal eine pseudowissenschaftliche Erklärung. Ist eben so! Basta. Denkt sich auch der Zeitreisende, schwingt sich auf den Maschine und kehrt in seine Gegenwart zurück um alles seinen braven Berichterstatter zu erzählen.
Und ist dann der Zeitreisende wieder auf Reise gegangen? Ja, aber auf Hochzeitsreise, wie kurz im Nachwort erwähnt wird. (Natürlich kurz. Vielleicht hatte Friedell mit der Figur der zukünftigen Ehefrau ja noch storymäßig was vor und hatte dann doch keine Lust mehr gehabt. Vielleicht hat er die Story auch nie richtig zu ende geschrieben, sie ist ja erst nach seinem Tod veröffentlicht worden? Wer weiß..)
Eine verwurstete und verworrene Geschichte. Ein blasser Versuch eine Fortsetzung zu schreiben (kennt man ja von Jules Verne mit DIE EISSPINX als Fortsetzung zu A.E.Poes Arther Gordon Pym). Teilweise zu mindestens amüsant und man ließt die Erzählung in 2 Stunden weg. Aber man muss es nun wirklich nicht gelesen haben. Meine kleine Zusammenfassung reicht vielleicht.
Ich bin mir nur nicht sicher ob die Erzählung etwas mit dem WDR-Hörspiel gleichen Namens aus den 80zigern zu tun hat. Wer was weiß kann es mir vielleicht in die Kommentare schreiben.