Bringt den Pepe bloß zurück!
Als Julius Caesar die Iberer bezwungen hat, merkt er zu seinem Leidwesen, daß auch hier ein kleines Dorf existiert, dessen Bewohner nicht zur Kapitulation bereit sind. Durch einen glücklichen Zufall bekommt er aber Pepe, den kleinen Sohn des Häuptlings, in seine Hände – oder vielmehr in die seiner Legionäre, deren Finger denn auch weidlich von Pepe gebissen werden – und hat somit eine Geisel, mit der er sich des Stillhaltens des aufsässigen Dorfes versichern kann. Natürlich soll Pepe nicht in der Nähe seines Vaters bleiben, und somit beschließt Caesar, ihn fortschaffen zu lassen. Allerdings nicht etwa nach Rom, um ihn zu romanisieren, sondern ausgerechnet ins Lager Babaorum in der Nähe unseres gallischen Dorfes. Warum? Ganz einfach: Damit Pepe dort über kurz oder lang in die Arme von Asterix und Obelix laufen und die eigentliche Handlung beginnen kann, was erzählerisch nicht wirklich plausibel ist. Da Pepe ein sehr, sehr anstrengendes Kind ist, kommen auch die Gallier kurzerhand auf die Idee, ihn wieder zu seinem Vater zurückzubringen, doch der römische Offizier Bockschus, der mit der Aufgabe betraut war, Pepe außer Landes zu schaffen, kann das natürlich nicht zulassen und versucht nun, den kleinen Häuptlingssohn wieder in seine Gewalt zu bekommen.
Zugegeben, Asterix in Spanien ist das Album, das den Fischhändler Verleihnix und seine Frau Jellowsubmarine einführt und ihn gleich in eine amüsante Nebenhandlung um „geliehene Fische“ verstrickt, die in einer Massenprügelei unter den Galliern – meines Wissens taucht auch eine solche hier zum ersten Male auf – mündet. Und gerade die Dauerfehde zwischen Verleihnix und dem Schmied Automatix wird sich ja in kommenden Bänden zu einer Art Dauerbrenner entwickeln und nicht wenig zum Charme der Serie beitragen. Doch alles in allem kann dieses Abenteuer doch nicht ganz mithalten im Vergleich zu anderen Asterix-Geschichten, und dies liegt in meinen Augen vor allem an der Figur des Pepe, der einfach ein verwöhnter, frecher und – angesichts seiner durch ständiges Luftanhalten vorgenommenen Erpressungsversuche – im wahrsten Sinne des Wortes aufgeblasener Rotzlöffel ist. Schon als Kind mochte ich den kleinen Pepe nicht, was mir Asterix in Spanien damals gründlich verlitt. Allerdings braucht es die Hälfte des Albums, bevor die Gallier auf die Idee kommen, den kleinen Pepe dann „aus moralischen Gründen“ wieder zurück zu seinem Vater zu schaffen, und somit bleibt für das eigentliche namensgebende Abenteuer dann wenig Zeit. Allerdings gelingt es Uderzo und Goscinny hier doch noch, mit den teils anachronistischen unterhaltsamen Stereotypen aufzuwarten, die wir von einem Abenteuer unseres Helden Asterix in einem anderen Land einfach erwarten: Wir sehen gallische und gotische Touristen zu Hunderten nach Spanien mit ihren „Wohnwagen“ nach Spanien pilgern, es wird bei Zigeunern Flamenco getanzt, was besonders Obelix fasziniert, in allen Städten gibt es die gleichen feierlichen Prozessionen, Straßenbau und Pannenservice lassen zu wünschen übrig, und natürlich gibt es auch einen – vielleicht den ersten überhaupt – Stierkampf. In diesem Zusammenhang steht übrigens auch mein Lieblingspanel, auf Seite 32, wo Asterix und seine Gefährten niemand anderem als den Vorgängern von Don Quijote und Sancho Pansa über den Weg laufen. Als Sancho auf Asterix‘ Frage nach dem Weg ein paar Windmühlen erwähnt, stürmt der Ritter von der traurigen Gestalt denn auch gleich los, und Sancho muß ihm nolens, volens folgen.
Es ist also nicht so, daß dieses Album gar nichts zu bieten hätte, aber gemessen an anderen Abenteuern aus der Feder von Uderzo und Goscinny ist es eben nicht so gut gelungen.