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Der Sieg des Kapitals: Wie der Reichtum in die Welt kam: Die Geschichte von Wachstum, Geld und Krisen

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Es mangelt nicht an Büchern, die die Wirtschaft erklären wollen. Aber offenbar verfehlen die allermeisten das Ziel, wirklich aufzuklären, denn die Ratlosigkeit wird ja nicht kleiner. Hier will Ulrike Herrmann Abhilfe schaffen. Sie liefert nicht nur eine ökonomische Analyse, sondern beschreibt, wie sich unser Wirtschaftssystem historisch entwickelt hat. Die anschaulichen Beispiele aus der Geschichte helfen nicht nur, aktuelle Probleme zu verstehen. Sie zeigen auch, dass viele Debatten, die heute als ganz neu gelten, uralt sind. Darüber hinaus arbeitet sie heraus: Wir leben nicht in einer Marktwirtschaft, sondern im Kapitalismus - was nicht das Gleiche ist. Dieser Kapitalismus ist zwar sehr dynamisch, aber ohne den Staat nicht lebensfähig. Solche Zusammenhänge werden jedoch von Wählern, Unternehmern und Politikern permanent missverstanden, was zu dramatischen Fehlentscheidungen führt, die uns alle betreffen. Deswegen gilt: Nur wer weiß, wie der "Sieg des Kapitals" verlaufen ist und verläuft, kann die Lügen der Lobbyisten entlarven.

288 pages, Kindle Edition

First published September 17, 2013

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Ulrike Herrmann

9 books39 followers

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Displaying 1 - 14 of 14 reviews
Profile Image for Sami Eerola.
953 reviews109 followers
August 19, 2020
Olen näköjään lukenut kaikki, mitä voi lukea taloustieteessä, kun tässä kirjassa ei ollut mitään kovin uutta kuin joitain yksityiskohtia ja perustelija argumenteille, joita olin kuullut.

Mutta maalikolle tämä on innostava ja helppolukuinen kirja, joka auttaa ymmärtää, miten reaalikapitalismi toimii ja miksi keynesiläisyys tai sosialidemokratia ovat ainoat oikeat tavat hallita kapitalismia.

Pandemian aikana, tämän kirjan opetukset ovat todella ajankohtaisia. Kun paska lentää tuulettimeen, kaikki ovat keynesiläisiä.
Profile Image for Vysloczil.
118 reviews75 followers
October 9, 2016
Gute Rekapitulation der Tatsache, dass sich unser derzeitiges Wirtschaftssystem endogen und schrittweise entwickelt hat und von keinem oktroyiert wurde. Ein sozio-kulturelles Phänomen also.
Danach wird es viel zu breit und analysiert mit vollkommen oberflächlichem Journalistenwissen vergangene und aktuelle Krisen. Interpretiert falsch. Die Conclusio ist wir brauchen eine "Postwachstumsökonomie" ohne beschreiben zu können was das sein soll, sich widersprechend. Im Text läuft sie vielen gängigen Irrtümern auf. Um eines zu nennen: Wachstum bedeutet wir beuten unseren Planet aus (Tatsächlich bedeutet Wachstum Produktivitätszuwachs aufgrund von technologischer Innovation und daher weniger Rohstoffausbeutung. Zusätzlich weniger Arbeit und mehr Freizeit). U.v.m


0815, oberflächlich, liest sich wie zusammengetragene Zeitungsartikel.
Profile Image for Miss Canthus.
224 reviews2 followers
July 1, 2018
Gut erklärt, viele interessante Aspekte der Wirtschaft, ide ich vorher nicht so auf dem Schrim hatte. Auch für Nicht-Wiwis gut zu lesen und zu verstehen
Profile Image for Georg.
46 reviews2 followers
June 23, 2024
Vor einigen Jahren habe ich “Hurra, wir dürfen zahlen”, das 2010 erschienene Buch von Ulrike Herrmann über den Selbstbetrug der Mittelschicht, mit großem Gewinn gelesen. Letztes Jahr machte mich nun der Titel ihres aktuellen Werks “Das Ende des Kapitalismus” (2022) so neugierig, dass ich mir quasi als Vorbereitung für das "Ende" zunächst ihr Buch “Der Sieg des Kapitals” von 2013 vorgeknöpft habe.

Erneut ist mein Fazit sehr positiv. Als geschichtlich interessierten Menschen kommt mir dabei entgegen, dass in etwas mehr als der Hälfte des Buches (im ersten und im letzten Abschnitt) eine knappe, aber dennoch detailreiche Übersicht über der Geschichte des Kapitalismus wiedergegeben wird. Frau Herrmann beginnt mit den spannenden Fragen, warum sich z. B. weder im römischen Reich (ich denke natürlich täglich an das römische Reich!) noch in China der Kapitalismus entwickelt hat, und warum es dann gerade in England in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts so weit war, dass der Industrie-Kapitalismus entstehen konnte. Genauso interessant stellt sie im letzten Abschnitt die großen Krisen des 20. und 21. Jahrhundert dar. Besonderer Augenmerk liegt bei ihr wohl immer auf der Weltwirtschaftskrise von 1929 und den damals verspätet, aber dann doch noch eingeschlagenen Wegen aus der Krise. Stichwort: John Maynard Keynes. Es ist - ein Kapitel weiter - faszinierend, wie das Buch (bzw. meine “vollständig aktualisierte” Taschenbuchausgabe aus dem Jahr 2016) von der Euro-Krise als noch aktueller Krise erzählt. Vermutlich entspricht dies sogar jetzt (2024) noch den Tatsachen, aber in den letzten Jahren sind so viele weitere Krisen über uns hereingebrochen, dass die Euro-Krise von 2011 scheinbar schon ein Fall fürs Geschichtsbuch ist.

In den beiden Kapiteln dazwischen räumt die Autorin mit vielen Vorurteilen und Fehleinschätzungen auf. Kapitalismus ist weder das Gleiche wie Marktwirtschaft, noch ist der Staat sein Feind. Für einen Wirtschafts-Laien wie mich hören sich ihr Ausführungen zu Zinsen (sollten nicht verteufelt werden), Schulden (müssen sein für das Wachstum, der Graeber verfehle den entscheidenden Punkt) und Inflation (gut und wichtig, wenn moderat) dann auch erst einmal sehr überzeugend an. In jedem Fall regt das Buch in diesem Abschnitt an, die von Politikerinnen und Politikern verwendeten Formulierungen konstruktiv zu hinterfragen. Einzig den Ausführungen von Frau Herrmann zur Globalisierung (ist keine neue Erscheinung) vermag sich mein Bauchgefühl nicht anzuschließen. Ja, es gibt globale Wirtschaftsbeziehungen schon seit langer Zeit, aber das sog. Global Village, die schnellen Transportwege, die durch das Internet mögliche Auslagerung fast jeder Tätigkeit an das andere Ende der Welt... das ist doch etwas grundsätzlich Neues.

Der Ausblick am Ende des Buches wirkt dann wie ein Vorwort zu einem Buch, das “Das Ende des Kapitalismus” heißen könnte. Frau Herrmann spricht den dem Kapitalismus immanenten Zwang zum Wachstum und die entgegenstehende Endlichkeit der Ressourcen an. Ach, es könnte so schön sein, wenn wir alle nur noch die Hälfte konsumieren und auch nur noch die Hälfte arbeiten würden. Insgesamt musste ich bei ihren (in diesem Buch nur grob skizzierten) Handlungsvorschlägen an das Buch “Die Baustellen der Nation” aus dem letzten Jahr denken, in dem sich ganz ähnliche Gedanken finden lassen. Der Investitionsstau muss endlich von einem aktiveren Staat angegangen werden, das ist bis heute ein Thema. Den Mindestlohn ist die Politik seit Erscheinen des Buches zwar angegangen, die “Schuldenbremse” aber (nur einmal am Rande im Buch erwähnt, da erst 2009 ins Grundgesetz aufgenommen), steht noch heute im Zentrum der Diskussion. Insgesamt gewinne ich den Eindruck, dass Christian Lindner dieses Buch nicht gemocht haben kann, er dürfte es eher hassen. Ich hingegen vergebe volle Punktzahl.
Profile Image for Martin.
59 reviews
December 7, 2025
Das Buch will eine Geschichte des Kapitalismus erzählen. Wie und warum er entstand und immer wieder in eine Krise gerät. Zudem will die Autorin (angeblich weit verbreitete) Missverständnisse und Unklarheiten bzgl. Kapitalismus ausräumen. Kapitalismus vs. Marktwirtschaft, Kapitalismus vs. Staat, Kapital vs. Geld, u.ä. Das Buch will, ich zitiere mal aus der Einleitung, "unterhaltsam und anschaulich erklären, wie der Kapitalismus funktioniert."

Das ist nun nicht wirklich originell. Es gibt wahrscheinlich hunderte Bücher mit gleicher Zielrichtung. Umfang und Schreibstil ermöglichen auch nicht großartig differenziert vorzugehen. Es wird eine Geschichte erzählt, die überzeugen soll. Für Gegenargumente zu einer These ist wenig Raum, für facettenreiche Darstellungen auch nicht.

Dabei findet vieles, was sie behauptet, sogar meine Zustimmung, aber das allein macht es ja noch nicht gut. Nehmen wir die Frage, warum die Industrialisierung in England begann und was die Ursachen hierfür waren. Ein wohl notwendiger Teil fast jeden Buches über die Geschichte des Kapitalismus. Was sie erzählt gibt teils den aktuellen Stand der Wissenschaft wieder, dann aber auch eklatant davon m.E. abweichend (sprich: falsch), wenn sie bspw. meint, für den Beginn der Industrialisierung sei fast kein Kapital nötig gewesen. Im Gegenteil, es war sehr viel Kapital nötig. Der von ihr erwähnte Bridgewater Canal, eine der ersten Kanäle Engands, wurde vom Duke of Bridgewater erbaut, einem der reichtsten Bürger seines Landes, der dafür sein riesiges Vermögen aufwandte und nur zum kleine Teil auf einen Kredit der Child's Bank zurückgriff. Ähnliches gilt für die Textilfabriken. Es ist allenfalls halbwahr, dass die Engländer durch Fleiß und Sparsamkeit zur Industrienation wurden. Richtig ist wiederum dargestellt, dass der Konkurrenzkampf gegenüber Indiens Textilindustrie wichtig war, den man durch maschinelle Produktion zu gewinnen hoffte.

So in diesem Stil geht es immer weiter. Interessantes wird mit Fraglichem gemischt. Manchmal werden offene Türen eingerannt. Oder wer glaubt denn heute noch, dass wir in einer freien Marktwirtschaft ohne Einfluss des Staates und ohne Dominanz der Großunternehmen leben? Wenn man bei Marktwirtschaft an die Wochenmärkte in den Innenstädten denkt, dann mag das Buch erhellend sein. Für die meisten wird es eher eine Bestätigung bekannten Wissens darstellen.

Der letzte der vier Teile, nach "Der Aufstieg des Kapitals", "Drei Irrtümer über das Kapital" und "Kapital versus Geld" ist den "Krisen des Kapitals" gewidmet, welche deskriptiv nachgezeichnet werden, deren Ursachenforschung aber etwas flach bleibt. Sie meint in etwa, Krisen seien systembedingt, sie gehören zum Kapitalismus dazu." was zum Abschluss führt, nämlich der Aussicht auf den Untergang des Kapitals.

Das überrascht, wo der Titel des Buches ja "Der Sieg des Kapitals" lautet.

Um es zusammenzufassen, es ist ein an das breite Publikum gerichtetes Sachbuch, kein wissenschaftliches Werk. Da wird dann schon eher mit groben Pinselstrichen eine halbwegs plausible, aber nicht Geschichte erzählt, die entgegen dem Titel aber wohl nicht ganz überraschend später in eine kaptialismuskritische Betrachtung einschwenkt. Kapitalismus kritisch zu betrachten ist gut, aber für mich bot es zu wenig Tiefe in der Auseinandersetzung mit dem Thema. Als Einführung in das Thema vielleicht geeignet, wenn man dann auch noch anderes zum Thema liest.

Rating: 2,5/5
Sprache gelesen: Deutsch
Gelesen im Jahr: 2025
Profile Image for Klaus Mattes.
718 reviews10 followers
January 16, 2025
Ein sehr gelungenes Buch mit einem in die Irre weisenden Titel. „Sieg des Kapitalismus“ klingt wie „Niederlage des Kommunismus“ oder wie „Spitzenanlagen mit Fonds“. Ulrike Herrmann sagt: Zu dem Terminus „Kapital/Kapitalismus“ haben die Deutschen kein entspanntes Verhältnis. In den USA gebraucht man „capitalism“. Wir in Deutschland hätte die Tatsachen gerne bemäntelt mit Wörtern wie „(die soziale) Marktwirtschaft“, der „Freie Markt“ oder „Liberalismus“.

„Warum die letzten 200 Jahre der Menschheit so reich waren wie nie zuvor. Und warum das nicht mehr lange so weitergeht“. So hätte die Frau ihr Buch nennen können, dann wäre klarer geworden, was drinsteht.

Ulrike Herrmann ist Wirtschaftskorrespondentin der Zeitung taz. Sie tritt beim ARD-Presseclub oder in Phoenix auf. Sie hat Wirtschaftsgeschichte und Philosophie in Berlin studiert, ihre journalistische Ausbildung von der Henri-Nannen-Schule erhalten. Aber zuerst mal hatte sie Bankkauffrau gelernt. Sie war auch mal die Pressesprecherin der Grünen Krista Sager, als sie Gleichstellungssenatorin in Hamburg war. Herrmann ist also „irgendwie links“, eine ausgemachte Gegnerin der (noch herrschenden) neoliberalen Ideologie von der Selbstheilung der Märkte. Kommunistin ist sie deswegen aber noch lange nicht, sondern sie schätzt die Annehmlichkeiten, die der Kapitalismus uns allen gebracht hat. Ohne Markt, Privateigentum, selbstsüchtiges Gewinnstreben ging's nicht. Ulrike Herrmann wartet nicht, bis die Natur des Menschen sich geändert hat.

„VWL für Dummis“ könnte man diese Einführung auch nennen. Im historischen Rückblick erzählt sie, warum es im Alten Rom siebenstöckige Mietskasernen, Tonwarenfabriken und den Zinseszins gegeben hat - und warum das trotzdem noch kein Kapitalismus war. Sie erklärt, warum das Prokopfeinkommen der Chinesen fast 1000 Jahre lang (450 v. Chr. bis 1300) besser war als das der Europäer (ihr einziges Diagramm); dennoch hatten sie nie AGs und erst recht keinen Derivatehandel. (Derivate sind von anderen Finanzpapieren sekundär abgeleitete Papiere, die man kaufen kann, ohne das primäre Papier überhaupt zu besitzen, kurz gesagt: die Scheine, mit denen an der Wall Street gewettet wird. Man kann als Gewinner aus dem Rennen gehen, wenn man zutreffend auf einen kommenden Verlust von jemand anderem gesetzt hatte.) China besaß am Ende des Mittelalters die mächtigste Flotte dieser Welt, dann entschied die politische Führung, sich nur noch nach innen zu entwickeln, den Handel mit den Ausländern abzubrechen, die Marine zu verschrotten. Im Florenz der Renaissance gab es bereits Banken, Börsen und Schuldscheine, doch Kapitalismus war das auch noch nicht, erklärt Ulrike Herrmann.

So wie sie ihn versteht, entsteht Kapitalismus etwa 1770 in den Textilindustrierevieren Nordwestenglands. Damals waren dort die sozialen Standards und das Lohnniveau der breiten Bevölkerung so hoch wie nirgendwo sonst in der Welt. Erst darum, weil die menschliche Arbeitskraft viel teurer war als je in China oder Rom, wurde lukrativ, sich von der Landbesitzer-Verwandtschaft Kapital zu leihen, um Gesellschaften zu gründen, die es sich leisten konnten, teure Maschinen entwickeln zu lassen, die ihrerseits menschliche Arbeitskraft unnötig machten. Zugleich wurden aber in den Fabriken auch noch hohe Löhne gezahlt, sodass die (meist textilen) Produkte gekauft werden konnten. Das Nachsehen hatte letztlich das Land, denn die Menschen strömten zur besser bezahlten Arbeit in die Städte. London wurde zur größten Stadt der Welt.

Hierin scheint schon der fatale Kettenbriefeffekt des Kapitalismus auf. Er muss ständig weiter wachsen, um seinen Geldgebern einerseits Zinsen auf ihr Kapital, den Arbeitern Lohn, den Kapitalisten im Endeffekt aber auch kräftigen Profit geben zu können.

Das meiste Geld entsteht nicht durch die Notenpresse des Staats, sondern immer, wenn Banken jemandem einen Kredit gewähren. Es ist Buchgeld, digitales Zifferngeld, Giralgeld. Es wird nicht durch Goldreserven zu etwas Wertvollem, sondern durch das Vertrauen aller in die - auch in Zukunft noch haltende - Kraft der jeweiligen Volkswirtschaft. Missverständnisse ließen Menschen oft zu den falschen Rezepten greifen: Wo es ums Kapital ging, meinten sie, es mit Geld zu tun zu haben. Wenn sie die Krise einer ganzen Volkswirtschaft bekämpfen mussten, glaubten sie, es wie eine schwäbische Hausfrau mit Ausgaben-Kürzen schaffen zu können. Sie verwechselten die Betriebswirtschaft der einzelnen Familie oder einer kleinen Firma mit der Volkswirtschaft einer großen Industrienation. Wem der Unterschied zwischen BWL und VWL vielleicht noch nie klar war, der sollte unbedingt dieses Buch lesen!

Es gibt drei Akteure des Kapitalismus. Keiner von diesen Drei tut irgendwas, ohne die anderen beiden in irgendeine Ecke zu treiben. Das sind Staat, Produzenten und Verbraucher, also Bürger. Streicht der Staat seine Ausgaben zusammen, muss mindestens einer der beiden anderen Spieler mehr ausgeben. Läuft nun aber das Schuldenzusammenstreichen des Staates übers Kürzen von Renten, Arbeitslosengeld und Beamtenbesoldung, kann die Verbraucherseite nicht mehr ausgeben als bisher. Wo nun aber die Produzenten merken, dass neuerdings weniger gekauft wird, schrecken sie davor zurück, weiter in die Produktion zu investieren. Statt in die Wirtschaft wollen die Vermögenden jetzt in Finanzpapiere investieren, vorzugsweise in Schuldenpapiere des Staats. Aber diese will der Staat ja gerade reduzieren! Also schickt man das Kapital lieber ins Casino des internationalen Finanzmarkts als in die Hardware unserer Zukunft. Bis zum kommenden Crash.

Nahezu nichts hat einen stabilen Wert, den es behalten könnte, wenn der Wert der Volkswirtschaft als Gesamtheit kriselt. Das Geld ist immer eine Schuldzusicherung: „Ich gebe dir einen Zettel, für den dir jemand anders eine Leistung in dem und dem Wertumfang schuldet.“ Es funktioniert, solange alle an das Schuldeinlösungsversprechen glauben. Jedes Geld kann seinen Wert verlieren. Auch Gold oder ein Meisterwerk der Kunst, falls man sich eines Tages kaum noch was zu essen kaufen kann. (Man produziert die Nahrung nicht mehr selbst, das gehört zur Arbeitsteilung des Kapitalismus.) Gold wird man weder essen noch trinken. Alle, auch die Superrechen, brauchen einen allgemeinen Wohlstand der Massen.

Die reine Logik würde also gebieten, dass sich der deutsche Staat stärker verschuldet, wenn private Haushalte und Unternehmen sparen. Doch stattdessen wurde sogar eine „Schuldenbremse“ ins Grundgesetz geschrieben, damit der Staat bloß keine Kredite aufnimmt. In Deutschland spart also jeder: die Bürger, die Firmen und demnächst der Staat. Die Deutschen erinnern an ein Volk von Eichhörnchen, die sich alle einen riesigen Vorrat an Extranüssen anlegen, aber keine essen wollen.

Wer sagt, dass nur die Banken sich ihr Geld erfinden können? Auch die Staatsbank könnte es. Der Staat würde Beamte, Rentner und Kinder zahlen und zugleich mit dem von ihm „geschöpften“ Geld Stromleitungen, Bahnstrecken, Schulen bauen/sanieren. (Oder auch das Militär aufrüsten.) Das wäre, wie aber doch der gesamte Kapitalismus, eine Wette auf eine gute Zukunft. Nur falls in dieser Zukunft ein Zustand erreicht würde, bei dem alle glauben, es funktioniert nicht mehr, früher ging es uns viel besser, würde das Geld sich als Betrug herausstellen und die Währung zusammenbrechen. Andernfalls würde der erreichte Fortschritt die aufgenommenen Schulden von gestern „einspielen“.

Die internationalen Finanzmärkte hält Ulrike für hoch problematisch. Ob ich einen Stuhl gebaut habe oder nicht, stellt einen Leistungszuwachs in der realen Welt dar. Wenn ich aber zwei Milliarden oder eher zwei Billionen in Software global verschiebe, ist real nichts entstanden, das Risiko eines Zusammenbruchs aber gestiegen.

Ein ausgezeichnetes Buch, sauber strukturiert, verständlich geschrieben, voller Anstöße, selbst weiter zu denken, sich kundiger zu machen. Klartext gegen die Stimmungsmache in Parlamenten und auf vielen Medienkanälen.
Profile Image for Kattermerrang.
197 reviews3 followers
October 13, 2019
Dieses ist das erste Buch über die Wirtschaft, dass ich gelesen habe. Das Thema kam mir sonst trocken vor, aber dieses Buch wurde mir von meinem Vater empfohlen, der von einem Seminar der Autorin beeindruckt war.

Auch ich war von diesem Buch beeindruckt. Ich fand ihn überhaupt nicht langweilig und habe jetzt gefühlt ein viel besseres Verständnis von wie unsere Art von Kapitalismus funktioniert und wo die Probleme sind.

Folgendes habe ich entdeckt:
* Wie der Kapitalismus damals in England entstanden ist und welche Bedingungen man dafür braucht (z.B. höhere Löhne und technologische Fortschritt)
* Ein echten 'Marktwirtschaft' gibt es nicht weil unter anderem die Regierung immer einspringen muss um die Lage zu stabilisieren
* Warum Kredit aufnehmen eigentlich nichts schlechtes ist - nur das ungeregelte Spekulieren
* Warum höhere Löhne und mehr Steuer für Reiche die Wirtschaft unterstützt und wie selbst die reiche Leute davon profitieren
* Was eine Privatperson selbst profitiert (z.B. sparen) ist für die Gesamtwirtschaft schädlich

Herrmann zeigt wie gefährlich es ist, wenn Regierungen auf Sparhaushalt bestehen auf so eine selbstverständliche Art und Weise, dass ich mich wundere warum es immer wieder vorkommt. Ich denke, wenn die Leute an der Macht Herrmanns Buch lesen werden, könnten viele Katastrophen vermieden werden.
Profile Image for 翰林院编修.
671 reviews4 followers
Want to read
December 22, 2021
资本的胜利:财富如何进入世界:增长、货币和危机的历史
台:资本的世界史
This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for Duy.
144 reviews15 followers
March 16, 2016
Đây là một cuốn sách khá dễ đọc cho những người không chuyên về kinh tế học, giúp người đọc hiểu được phần nào sự phát triển của chủ nghĩa tư bản, các đặc trưng của nó (không phải là một nền kinh tế thị trường tự do vì rất cần nhà nước can thiệp, thường khủng hoảng theo chu kỳ...) và tại sao giới ngân hàng lại giàu và quá mạnh như vậy. Tác giả đồng thời cũng đưa ra những cách thức đơn giản để cứu nguy cho khu vực Eurozone và giúp người dân chuẩn bị cho tương lai, trong một thế giới không tăng trưởng, vì chủ nghĩa tư bản không thể tăng trưởng vô hạn trong một thế giới hữu hạn.

Một cuốn sách có nội dung rất lớn nhưng không dày lắm, nên tác giả cũng chỉ phân tích ở mức vừa phải chứ không đi quá sâu. Một số chương rất ngắn. Tuy nhiên, điều đó khiến người đọc dễ quyết định đọc hơn là một cuốn sách quá dày với nhiều kiến thức chuyên sâu. Dù sao thì đây cũng là một cuốn sách cho đại chúng.
148 reviews7 followers
April 18, 2016
A great book on the origins of Capitalism and one that demolishes the lies about "free markets." Sorry, no such thing. Capitalism has always been dependent upon governments to prop it up.

Profile Image for Otto.
750 reviews50 followers
July 4, 2015
ein hervorragendes buch zur erklärung der derzeitigen wirtschaftssituation. unbedingt zu empfehlen.
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