„Queer“ steht für Lebenswirklichkeiten, die patriarchale und heteronormative Muster unterlaufen. An deren Durchsetzung war und ist das Christentum in großem Maß beteiligt. Gott queer zu denken, schließt darum die radikale Dekonstruktion überkommener religiöser Bilder ein – und eröffnet gerade damit ungeahnte Zugänge zu einem Gott, der*die sich als immer schon anders erweist als von uns gedacht.
Das Buch führt in queer-theologische Diskurse ein, die sich bislang vor allem im angelsächsischen Sprachraum entwickelt haben. Dabei zeigt sich, dass „queer“ mehr ist als ein Modewort. „Queer“ ist zum Leitbegriff eines kritischen Empowerments geworden, das helfen kann, zu neuen Dimensionen der Gottesrede vorzustoßen.
Christliche Vorstellungen von Geschlechtlichkeit und Sexualität gingen lange von einer klaren Unterscheidung von weiblich und männlich aus und behaupteten diese Norm als innere Ordnung eines göttlichen Schöpferwillens. Heute widersprechen queerfeministische Bewegungen dieser Idee und fordern Rechte und Akzeptanz für homosexuelle, transgeschlechtliche und andere von der binären Geschlechternorm abweichend lebende Menschen ein. Auf diese Herausforderung hat die Theologie reagiert und inzwischen eine beachtliche Tradition von queeren theologischen Ansätzen und Arbeiten hervorgebracht. Einen leicht zugänglichen und trotzdem differenzierten Überblick dazu gibt dieses kleine Bändchen des altkatholischen Theologieprofessors Andreas Krebs von der Universität Bonn. Er zeichnet die wesentlichen theologischen Fragestellungen nach und stellt die wichtigsten Argumente vor, dazu gibt er zahlreiche weiterführende Lektüretipps. Unverzichtbar für alle, die sich in das Thema einlesen wollen. (erschienen in Publik Forum, 7.7.2023)