Preußen, 1544: Unter Herzog Albrecht erlebt das Land eine große Blütezeit. Alles scheint möglich. So will auch die junge Dora ihr Talent leben und als Baumeisterin in die Fußstapfen des weniger begabten Vaters treten. Der aber verheiratet sie aus Geldnot mit dem fast dreißig Jahre älteren Urban. Wider Erwarten wird die Ehe glücklich, und Urban ermutigt Dora sogar, als Baumeisterin zu arbeiten. Ausgerechnet den jungen Nürnberger Baukünstler Veit aber stellt er ihr als Unterstützung zur Seite. Bald schon hegen die beiden verbotene Gefühle füreinander. Als Urban bei einem schrecklichen Unfall stirbt, gerät Veit sofort unter Verdacht, seine Hand im Spiel gehabt zu haben. Zwei Jahre später deckt Dora die wahren Hintergründe von Urbans Tod auf und begibt sich auf eine gefährliche Reise nach Krakau, um den Geliebten vor dem Galgen zu retten...
Heidi Rehn wurde 1966 in Koblenz/ Rhein geboren und wuchs in einer Kleinstadt am Mittelrhein auf. Zum Studium der Germanistik, Geschichte, BWL und Kommunikationswissenschaften kam sie nach München. Nach dem Magisterexamen war sie zunächst als Dozentin an der Ludwig-Maximilians-Universität München tätig, anschließend war sie PR-Beraterin in einer Agentur. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet sie als freie Journalistin und Autorin. Zusammen mit ihrer Familie lebt sie mitten in München. 2014 erhielt sie den "Goldenen Homer" für den besten historischen Beziehungs- und Gesellschaftsroman.
Eigentlich lebt die junge, talentierte Dora ein gutes Leben, bis ihr Vater sie eines Tages jedoch vermählt. Was zuerst wie der schlimmste Alptraum zu sein scheint, nimmt bald eine wunderbare Wendung, denn Urban ist gar nicht so schlimm, wie Dora dachte. Er unterstützt sie sogar tatkräftig auf ihrem Weg zu einer erfolgreichen Baumeisterin. Alles scheint perfekt, doch eines Nachts träumt Dora von einem unbekannten Mann. Zuerst denkt sie, dass es Urban in jungen Jahren ist, versucht es sich einzureden. Urban ist doch ihre große Liebe. - Oder etwa nicht? Wie es der Zufall so will, trifft Dora Tage später auf Veit Singeknecht und vermag ihren Augen nicht zu trauen. Vor ihr steht doch tatsächlich der unbekannte Mann aus ihren Träumen. Dora fühlt sich unweigerlich zu ihm hingezogen, ebenso wie er sich zu ihr. Doch ihre zarte Liebe darf nicht sein, denn Dora ist schließlich schon verlobt. Als Urban eines Tages auf grauvolle Weise zu Tode kommt, wird Veit des Mordes bezichtigt. Er flieht. Dora ist von seiner Unschuld überzeugt und macht sich schließlich auf die Suche nach Veit. Das sind jedoch nicht alle ihre Probleme, denn zu allem Überfluss ist ihre Base auch schlecht auf sie zu sprechen und macht ihr das Leben zur Hölle. Außerdem hat Doras Bruder eine junge Frau geheiratet, die zwielichtige Absichten in Königsberg hat....
Meine Meinung:
Danke an Lovelybooks und die Autorin, die mir das Lesen des Buches ermöglicht haben. Ein herzlichen Dank!
Wie ihr schon dem ersten Satz entnehmen konntet, ist bzw. war das mein erster historischer Roman, weshalb ich sehr gespannt gewesen bin, wie er denn wird!
Der Schreibstil der Autorin war einfach wunderbar! Während des Lesens habe ich mich wie im Preußen des 16. Jahrhunderts gefühlt, hatte die Gerüche, die Gefühle der Figuren, einfach alles inne.
Kommen wir zu den Charakteren. Beginnen wir mal mit Dora. Sie ist eine der Hauptfiguren. Schon im Prolog, also auf den ersten ∼25 Seiten, erfährt man, dass sehr aufbrausend sein kann. Sie ist keine der Frauen im 16. Jahrhundert, die sich einfach so von ihren Vätern, Brüdern und/oder Männern herumkommandieren lassen. Sie hat ihre eigenen Träume und versucht diese durchzusetzen, auch wenn viele dagegen sind und ihre Lage eigentlich völlig aussichtslos scheint. Was mich schockiert hat (damals aber sehr normal war) war, als ihr Vater ihr einfach gesagt hat, dass ein Mann um ihre Hand angehalten hat und dieser, so würde ich schätzen, um die 40 Jahre alt ist, obwohl sie gerade erst zarte 16 ist! Urban ist der Mann Doras. Am Anfang dachte ich: Die arme Dora. Wird mit einem Mann zwangsverheiratet, den sie noch nicht Mals liebt. Im Nachhinein war es dann doch nicht so schlimm, denn Urban hat Dora bei all ihren Vorhaben unterstützt, hat sie aufrichtig geliebt und war immer wieder bereit ihr zu vergeben. Als er schließlich starb, war das sehr schlimm für mich, denn ich hatte ihn so in mein Herz geschlossen und auf einmal soll er tot sein?! Ich hatte diesen schrecklichen Fakt aus meinem Kopf verbannt.... Veit Singeknecht ist ein junger Baumeister aus Nürnberg. Seine Arbeit wird sowohl am Königsberger Hof, wie auch beim Stöckel'schen Haubau sehr geschätzt, denn er hilft Dora und Urban beim Bau ihres Hauses, welches dann leider auf tragische Weise zusammenbricht und so einige Menschen unter sich begräbt. Darunter auch den Hausherren selbst. Veit flieht aus der Stadt und wird des Mordes bezichtigt. Dora aber ist der Unschuld des jungen Mannes überzeugt.... Gret Selege ist die Frau von Doras Bruder Jörg. Er hat sie aus Nürnberg mitgebracht, wo die beiden auch schon geheiratet haben. Gret ist eine sehr undurchschaubare Person. Ich habe unendlich lange gebraucht, bis ich sie durchschaut hatte. Sonst ist sie eigentlich ganz nett und hilfsbereit. Zudem ist sie eine begnadete Bierbrauerin! Mathilda Huttenbeck ist die Base 3. Grades von Dora. Sie ist eine Art Haushälterin für Urbans und Doras Haushalt. Wie man schon dem Inhalt entnehmen konnte, sind Dora und Mathilda nicht gut aufeinander zu sprechen, was vielleicht an derer beiden Sturköpfigkeit liegen könnte. Nichtsdestotrotz habe ich Mathilda an einigen Stellen sehr bewundert. - Warum, erfahrt ihr, wenn ihr das Buch lest ☺
Was ich grundsätzlich sagen kann ist, dass Die Liebe der Baumeisterin auf keinen Fall mein letzter historischer Roman bleiben wird und auch bestimmt nicht der letzte von Autorin Heidi Rehn! Anfangs war ich ja noch skeptisch, ob mir diese Art Roman den gefallen würde; alle meine Zweifel wurden jedoch aus dem Weg geräumt!
Zitate:
»"Eigentlich wollte ich es euch erst am Sonntag nach der Messe verkünden, aber jetzt ist wohl ein weitaus besserer Moment. Kammerrat Urban Stöckel hat um Doras Hand angehalten." "Was?" Entsetzt riss Dora sich los. "Sie ist erst vor wenigen Wochen sechzehn geworden!", warf Jörg ein und befreite sich ebenfalls aus der Umarmung.« Seite 25
»Renata [.....] hatte ihr vor vielen Jahren eine getrocknete Dolde geschenkt und ihr von dem Brauch erzählt, mittels Schafgarbe die wahre Liebe zu finden. Wer einen Stengel davon vom Grab eines Jünglings pflücke und sich unter das Kopfkissen lege, träume eines Nacht von seinem Liebsten. [.....] Das war er! Sie fasste sich an den Hals, schnappte nach Luft, konnte den Blick nicht von dem Unbekannten abwenden. Auch er starrte sie unverhohlen an. Kein Zweifel, vor ihr stand der Mann aus dem Schafgarbentraum.« Seite 36 & 68
»Manchmal, so tröstete sie sich, musste man das Leben einfach nehmen, wie es kam. Irgendwann würde sich zeigen, warum sich das eine so und das andere anders gefügt hatte. Ein tieferer Sinn steckte schließlich in allem.« Seite 390
Cover:
Auf dem Cover ist eine 'halbe' Frau mit einem Eimer zu sehen. Sie könnte Dora darstellen, aber das ist nur eine Vermutung. Zudem ist der Grundriss eines Gebäudes zu erkennen, was ich gut finde, da es in Verbindung mit der Handlung steht!
Fazit:
Ich hatte ja ein völlig falsches Bild von historischen Romanen! Immerzu dachte ich, sie wären langweilig, dieses aber Buch hat mir das Gegenteil bewiesen. Mit viel Gefühl schreibt Frau Rehn über das Leben in damaligen Zeiten und manchmal hatte ich wirklich das Gefühl die Sonne auf meiner Haut oder den Gestank in meiner Nase zu spüren!
Ein wunderbarer Schreibstil, mit dem ich mich oft sogar selbst wie ins 16. Jahrhundert zurückversetzt fühlte, eine mitreißende Handlung und tolle Charaktere, die immer für eine Überraschung zu haben sind, machen das Buch zu dem was es ist. Zudem bewundere ich die Autorin dafür, dass sie so gründlich recherchiert hat. Wohlverdiente 5 von 5 Herzen für Die Liebe der Baumeisterin!!
Dora soll sich eigentlich der Braukunst widmen, so wie es in der Familie Tradition ist. Doch möchte sie eher Baumeisterin werden und Gebäude entwerfen. Ihr Vater ist damit jedoch nicht einverstanden und verheiratet sie in jungen Jahren mit dem Kammerrat Urban Stöckel, der fast 30 Jahre älter ist als sie. Trotz des großen Altersunterschieds ist die Ehe glücklich, den Urban unterstützt Dora in jeglicher Hinsicht und ermuntert sie sogar, das gemeinsame Haus zu entwerfen und den Bau zu leiten. Ihr zur Seite stellt er den Baumeister Veit Singeknecht. Dora und Veit merken jedoch bald, dass sie mehr füreiander empfinden und Dora ist hin- und hergerissen ob der verbotenen Gefühle für Veit und ihrer Liebe zu Urban. Kurze Zeit drauf stirbt Urban bei einem schrecklichen Unfall auf der Baustelle und Veit wird beschuldigt, daran Schuld getragen zu haben. Er flieht aus der Stadt. Zwei Jahre später erhält Dora Beweise für die Unschuld Veits und reist nach Krakau, um Veit von seiner Schuld zu befreien. Doch dort angekommen, gerät sie in Verdacht, Urban ermordet zu haben.
Heidi Rehn steht für historische Romane mit Tiefgang. Ich hatte nun wieder das Glück, das Buch zusammen mit der Autorin in einer Leserunde zu lesen und sage auch hier nochmals herzlichen Dank für Zeit und die sehr interessanten Antworten auf unsere Fragen. Ich finde es immer wieder schön, das Buch zusammen mit den Autoren lesen zu dürfen. So bekommt man einige Hintergrundinformationen, die man sonst nicht erwartet hätte. Falls Ihr die Möglichkeit mal habt, nutzt sie.
Heidi ist eine sehr sympathische Frau, die mit Witz und Charme die staubige Geschichte zu einem Abenteuer macht. So auch in dem mir vorliegenden Buch Die Liebe der Baumeisterin.
Auch wenn mich einige Längen im Buch gestört haben, war es doch spannend zu lesen und auch der gewohnt flüssige Schreibstil tut seiniges dazu. Dora, der Hauptcharakter im Buch, ist eine sympathische junge Frau, die ihren Weg finden muss und leider einige Steine darin vorfindet. Doch nutzt sie diese, um sich einen neuen Weg zu bauen.
Es gab einige Figuren, denen ich zu Anfang unrecht getan habe, die sich im Laufe der Zeit entwickelt und sich so einen würdigen Platz verdient haben, um der Geschichte gerecht zu werden. Andere Figuren konnte ich von Anfang an nichts abgewinnen und dies hat sich auch bis Ende so gehalten.
Im 16. Jahrhundert war schon einiges moderner, trotzdem hatten Frauen es schwer, sich durchzusetzen. Doch mit den richtigen Männern an ihrer Seite haben es auch viele schaffen können.
Meine Lieblingsfigur in der Story war Mathilda. Sie ist der Hausdrachen. Allerdings hat sie einige positive Ansätze und so hatte die Autorin bei ihr auch einigen Spielraum. Sie hat eine sehr interessante Entwicklung durchgemacht.
Veit allerdings hat sich keinen Platz in meinem Herzen verdient. Er war mir sehr unsympathisch, was aber allein meine Meinung widerspiegelt. Heidi hat uns ein Bild gezeigt, wie sie sich „ihren“ Veit vorstellt. Er ist eben nicht so ganz mein Typ: Portrait of a man.
Trotz meiner kleinen Kritikpunkte hatte ich Spaß beim Lesen. Ich war gerne mit Dora unterwegs und habe auch einiges gelernt, gerade was die Baukunst im 16. Jahrhundert anging. Dies ist für mich immer wieder interessant zu lesen, da ich mir auch gerne alte, architektonisch interessante Gebäude ansehe. Ich glaube, wenn ich früher gelebt hätte, wäre ich auch etwas aufmüpfig gewesen und hätte mir einen „Männerberuf“ ausgesucht.
Fazit: Geschichte interessant verpackt mit liebenswerten Charakteren und einer Hauptfigur, die für die Liebe sogar den Tod in Kauf nimmt.
Ganz interessant zu lesen, wie sich damals Frauen in Männerberufen schwer getan haben. Liebe und Diebe und Intrigen geben hier ein spannendes Zusammenspiel auch wenn es sich manchmal etwas in die Länge zieht. Die Liebe der... Bücher mit dem Titel oder auch Die Hebamme, Wanderhure oder was es da sonst noch so gibt, sind eigentlich nicht mein Beuteschema, der Ausflug in diese Genre war ganz nett muss aber nicht sein.