Nachdem ich letztes Jahr absolut geflasht war von Krakauers „In eisigen Höhen“, nahm ich mir zum einen vor, mehr von Krakauer zu lesen, zum anderen, insgesamt mehr über das Bergsteigen zu lesen.
Dieses Buch hier verbindet beide Vornehmungen: Auf den Gipfeln der Welt ist eine Sammlung von Krakauers Zeitschriftenartikeln, verfasst über einen langen Zeitraum hinweg in diversen Outdoor- und Klettermagazinen.
Insgesamt war „Auf den Gipfeln der Welt“ bei Weitem nicht so spannend wie „In eisigen Höhen“, aber das ist – denke ich – verständlich, schließlich kann Krakauer nicht ständig Todeskämpfe am Everest erleben. Allerdings war ich davon ausgegangen, dass es in dem Buch mehr um allgemeine Bergabenteuer oder Erstbesteigungen geht, nicht so viel um Krakauers eigene Klettererfahrungen. Grundsätzlich spricht das Buch eher ein Fachpublikum an und ist wahrscheinlich für Leser*innen, die selbst klettern, spannender als es jetzt für mich war.
Nicht so gut hat mir gefallen, dass Eigennamen von Bergen oder Spitznamen ins Deutsche übersetzt wurden. Macht man heutzutage ja nicht mehr so, aber meine Ausgabe ist auch ziemlich alt. Da aber die meisten Artikel über Ereignisse aus den 60er bis 80er Jahren sind, hat es mir insgesamt an Aktualität gefehlt, manche Fakten waren auch einfach überholt. Das ist natürlich klar, wenn das Buch schon über 20 Jahre auf dem Buckel hat, aber dadurch ist es eben auch keine Pflichtlektüre mehr.
Am besten gefallen hat mir das Kapitel „Ein schlechter Sommer am K2“. Einerseits, weil das der spannendste Artikel der Sammlung war, andererseits, weil Krakauer hier einmal ziemlich Klartext geredet hat, was Missstände in der Klettercommunity betrifft. Dabei kommt auch Everybody’s Darling und Talkshow-Dauergast Reinhold Messner nicht ganz ungestraft davon. Messner hatte damals betont, dass Klettern vor allem dann authentisch ist, wenn man mit möglichst wenigen Menschen, möglichst simpler Ausrüstung, ohne Sauerstoffzufuhr und in möglichst kurzer Zeit auf Berge steigt. In den 80er Jahren war das, was Urgestein Messner sagte, in der Kletterwelt Gesetz. Und so kostete dieser Ansatz des Bergsteigens in den Folgejahren vielen ambitionierten Bergsteigern, die Messners Grundsätzen gerecht werden wollten, das Leben. Natürlich kann man diese Unglücksfälle nicht Messner direkt anlasten, aber einen bitteren Beigeschmack hinterlässt es trotzdem.
Außerdem fand ich in diesem Artikel interessant, wie Krakauer verschiedene moralische Ansätze beim Bergsteigen vergleicht. Früher galt: Wir sind ein Team am Berg. Niemand wird zurückgelassen. Ende des 20. Jahrhunderts wurde daraus ein „wir sind ein Team, aber wenn es hart auf hart kommt, muss jeder selbst schauen, wo er bleibt“. Beide Ansätze haben ihre Berechtigung, Krakauer nimmt auch keine direkte Wertung vor, aber der Wandel des Zusammengehörigkeitsgefühls von Expeditionen war interessant nachzulesen.
Für ein Fachpublikum spannendes, für den allgemeinen Leser eher mäßig spannendes Sachbuch. Kann man mal lesen, muss man aber nicht.
2,75 🌟