Ein Glück, dass sich nach bald schon wieder einem Jahrhundert ein neuer Autor dieser faszinierenden Persönlichkeit angenommen hat.
Das einzige, was sich dieser Schreiber im Vergleich mit seinen Vorgängern vorwerfen lassen muss, ist, dass er ein wenig trockener schreibt. Was für eine Biografie allerdings kein Genickbruch ist. Zumal ich, wie in den anderen Reviews schon angedeutet, mich bei den Vorgängern durchaus oft gewundert hat, was der ein oder andere Paragraph überhaupt in einer Biografie verloren hat.
Trotzdem hätte ich auch gerne eine Papierausgabe der Parkinson-Bio im Regal stehen, unter anderem anderen, weil der Ton, in dem der Text verfasst ist, sich so köstlich liest. Das macht keine gute Biografie, aber ein gutes Buch. Zum anderen, weil bei Parkinson ein paar besonders schöne komplett (oder fast komplett) abgedruckt sind, die Taylor leider nur in Auszügen zitiert (leider auch den wunderschönen Brief, den Pellew als letzten gesucht an Spencer schickt, um nicht von seiner „dear Indy“ getrennt zu werden).
Ich vermisse auch ein paar andere Kleinigkeiten oder Ereignisse, besonders auffällig das erste Absetzen von royalistischen Truppen in Quiberon um 1795, die Taylor zumindest in soweit hätte erwähnen können, um Parkinson entweder zu verifizieren oder Pellews Teilnahme an der Unternehmung als Quatsch abzutun.
Herr Taylor setzt des Weiteren bei seinen Lesern etwas mehr Kontextwissen voraus als seine Vorgänger, vor allem, was wichtige Seeschlachten der Zeit angeht. Auch bei denen z. B. Hintergründen und Nachwehen der fehlgeschlagenen Invasion von Irland wurde im Vorgänger wesentlich mehr Raum gegeben, sowie den Kampagnen des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges bei denen Pellew zugegen war. Andererseits, heutzutage wird kaum jemand Interesse an einer Biografie über Pellew haben, dem Schlagwörter wie Trafalgar, Copenhagen und die Schlacht von Abukir nichts sagen. Taylor konzentriert sich tatsächlich nur auf sein Biografieobjekt, was allerdings definitiv nicht verkehrt ist.
Dafür geht Taylor bei einigen anderen sehr erfreulichen Dingen ins Detail, wie etwa Pellews Fürsorge für seine jungen Untergebenen. Wie Taylor selbst bemerkt, erkennt der Forester-Fan darin eindeutig die beeindruckende Vaterfigur, die sich der Autor für seinen fiktionalen Marinehelden ausgesucht hatte.
Dennoch kommt mir die Biografie einfach nicht lang genug vor. Hier und da mehr Details, noch eine kurze Anekdote mehr, ein weiterer Brief, oder einfach nur die zitierten Briefe vollständiger, dann würde ich von einer perfekten Biografie schreiben. So fand ich sie einfach nur sehr gut, aber nicht erschöpfend. Die nächste, bitte!