Was macht ein waschechter Berliner bei den Bajuwaren?
Als die kleine Familie Wiechmann den Umzug in den Süden wagt, ahnt sie noch nicht, dass die Reise von Berlin nach München weit mehr bedeutet als eine neue Wohnung in irgendeiner deutschen Stadt. Denn auf dem Planet Bayern geht es ganz anders zu als im übrigen Deutschland.
Zunächst einmal heißt es, eine bezahlbare Wohnstätte zu ergattern. Unmöglich? Nicht, wenn man einen Spezl hat, der einen Spezl hat, der wiederum einen kennt, der … So geht das Networking auf gut bayerisch, und wer das mit mediterranen Verhältnissen vergleicht, hat nicht ganz Unrecht. Überhaupt fühlt sich vor allem Ehefrau Maria ihrer italienischen Heimat nicht nur geographisch und klimatisch näher. Dumm nur, dass die Menschen in Bayern weder deutsch noch italienisch sprechen, sondern ein rätselhaftes Idiom. Nach und nach lernen die Neu-Bayern die Sitten und Gebräuche der Einheimischen kennen und bald begreifen sie, dass Multikulti in Bayern nur eins bedeutet: Man integriert sich nicht, man wird integriert. Und als schließlich das zweite Kind geboren wird, nun ein echtes Münchner Kindl, sind die Wiechmanns Bayern-Fans geworden.
KURZBESCHREIBUNG Beruflich zieht der Autor Daniel mit seiner Familie von Berlin nach München, welches im schönen Bayern liegt. Der Heimat von Lederbuxn, Dirndl, Bier und einem netten Dialekt. Familie Wiechmann muss nicht nur feststellen, dass es hier vollkommen anders zugeht als im Norden Deutschlands, sondern auch, dass die bayerische Kultur mit all ihren Facetten, weit mehr zu bieten hat als "Weißwürscht", Berge und 'die Wiesn'. Nicht zuletzt wird das Abenteuer "Planet Bayern" von Daniels Arbeitskollegen Max verdeutlicht, der ist waschechter Bayer und hat 'aus Prinzip' immer einen lockeren Spruch auf Lager.
MEINE MEINUNG Keine Frage ist es wert, wieso ich als Franke/Bayer dieses Buch lesen wollte. Eigene Kultur, die von einem Besucher "von oben" beschrieben und letztlich bewertet wird. Auch schlägt der Autor eine relative zynische Erzählweise ein und man bemerkt seine Skepsis gegenüber der bayerischen Kultur. Er hat jedoch den schmalen Grad zwischen "arrogander Depp" und "is hald a Unwissender" tadellos gemeistert und mit Humor, ereignisreichen Geschichten und viel Beobachtungsgabe das Beste aus unserem schönen Bundesland rausgeholt bzw. "wos hald in 240 Seidn bassd". Nicht alles was Daniel Wiechmann in „Schleich di!“ erzählt, entspricht 100% der Realität, er garantiert jedoch stets einen wahren Kern, der in den beachteten Klischees Bestätigung findet und jeden bayerischen Leser des Buches zufrieden nicken lässt.
Ein absolutes „Schmankerl“ sind die ‚wortwörtlichen‘ Reden mit all den charmanten Facetten des oberbayerischen Dialekts. Nicht selten musste ich lauthals lachen oder ganz begeistert meinen Freundinnen, die teilweise ebenfalls nicht hier leben, Ausschnitte abfotografieren und zeigen.
"Ja mei, i hätt jetzt net g'dacht, dass du so oan Hosenbiesler bist." "Ich bin kein Hosenbiesler", erklärte ich empört. "Na, dann bist halt a Breznsalzer, wenn dir des liaba is." - Seite 78 -
Im Laufe der Geschichte merkt man dem Autor an, wie sein vorhandener Zynismus der stetig wachsenden Zufriedenheit und Freude weicht, letztendlich verdrängt wird und er mit dem Herzen in München ankommt. 'Aus Prinzip' würde Arbeitskollege Max wohl sagen: "Wer da net a mal lacht, der is a Hosenbiesler und a Breznsalzer".