Der Lar ist eine Erzählung von Wilhelm Raabe, die vom November 1887 bis zum Oktober 1888 entstand und 1889 bei Westermann in Braunschweig erschien. Der Text war bereits in „Westermanns Monatsheften“ vorabgedruckt worden.
Der bettelarme Dr. Kohl junior findet mit der jungen Rosine die richtige Ehefrau, wird Familienvater und gelangt mit Unterstützung des findigen Freundes Bogislaus doch noch zu Wohlstand.
Die Nachgeborenen schätzen an manchen Nebenwerken des Meisters die Beschäftigung mit Tabuthemen seiner Epoche, bzw. die Bewertung von Außenseitern gegen den Strich der Zeitgenossen. Positiv dargestellte Zigeuner in Die Kinder von Finkenrode, umgekippte Gewässer als Preis der Industrialisierung Pfisters Mühle oder eben Homosexualität in Der Lar. Die Kapitel mit dem vom Kunstmaler zum Leichenphotographen gewandelten Blech und seiner Puppe Kohl sind noch das Beste an dieser verqueren Humoreske. Insgesamt schreibt Raabe hier weit unter seinen Möglichkeiten und geht auch allzu haushälterisch mit seinem Personal um. Kohls Eltern sterben auf den ersten Seiten, den Rest der Erzählung bestreiten der Waise und sein bester Freund, die kaltherzige Jugendliebe und der verschrobene Pate mit seinem ausgestopften Urahn des Menschengeschlechts. Da es nur eine Grete im gesamten Buch gibt, ist es klar, dass es nur die passenden Umstände braucht, um den Lokalreporter mit der Klavierlehrerin zu vereinen. Die Plotsubstanz ist minimal, Raabes Erzählkunst viel zu überfrachtet für diese Winzigkeit, Humoresken sind definitiv nicht sein Genre, dieses mal gingen mir seine geschwätzigen Orginale nur auf den Wecker, je länger, desto mehr. Wer Sonderpreise für Minderheitenthemen vergeben will, mag das gerne tun, die literarische Qualität lohnt den Leseaufwand jedenfalls nicht. Der Eintrag auf Wikipedia fasst alles nur lobenswerte gut zusammen und liefert eine ausführliche Nacherzählung.