Dies war jetzt mein dritter Barbara Cartland Roman und er hat mir wieder sehr gut gefallen. Ich muss aber gleich dazu sagen, dass sicher die wenigsten diese Meinung teilen werden. Der Roman ist nämlich in mehr als einer Hinsicht aus der Zeit gefallen. Er ist politisch problematisch, da nicht nur über 'Zigneuner' gesprochen wird, sondern man ihnen auch alles Böse unterstellt. Aber genauso wird über Theaterleute gelästert und geurteilt, was die damalige Zeit und das Denken spiegelt
Der Liebesroman an sich, hat mich jedoch bestens amüsiert in seiner übertriebenen Kitschigkeit, liest es sich heute mehr wie eine Satire auf das Genre.
Themen: Ich mochte es, dass es viel um den Aberglauben der Leute geht. So gibt es einen Hexenwald, wo die verstorbene Hexe wohl noch immer des Nachts mit dem Teufel tanzt und die Hauptperson der Geschichte Hermia glaubt auch noch immer ein wenig an die schützende Kraft von Elfen und Feen. Die Medizin die Hermias Mutter herstellt, sind für die Dorfbewohner Zaubertränke und ihre Mutter wird als weiße Hexe gehandelt. Das hat den Roman für mich zu etwas Besonderem gemacht. Und nein, es ist kein Fantasyroman. Einzige Magie die tatsächlich bestätig in diesem Roman existiert ist, wie könnte es auch anders sein - Die Magie der Liebe. Die kann Wunder vollbringen und einen sogar das Unmögliche schaffen lassen.
Protagonistin: Hermia ist ein vom Herzen liebes Mädchen, das sich nicht wohlfühlt beim Lügen und sich selbst zurücknimmt, wenn sie merkt, dass sie jemanden (wenn auch zu Recht) verurteilt. Zudem ist sie natürlich ein bildschönes Ding und erinnert allgemein an die alten Disneyprinzessinnen. Nur für die Liebe wird sie mutig und dies ist tatsächlich einer der Romane, in denen die schwache Heldin den tapferen Helden retten muss, was ich mochte.
Love Interest: Der Marquis von Derville wird als echter Teufel gehandelt, der junge Frauen gar nicht beachtet, zynisch und vom Leben gelangweilt ist. Natürlich ist er auch noch reich und gutaussehend.
Sonstige Charaktere: Hermia hat noch einen Bruder, der sehr darunter leidet, dass seine Eltern nicht das Geld haben ihn auszustaffieren. Die Eltern von Hermia, die nicht mehr als eine Stunde voneinader getrennt sein wollen und dann gibt es noch die ehrgeizige Cousine Marilyn, die es natürlich auf den Marquis abgesehen hat und ihn mit List und Tücke einfangen will.
Setting: Ihr habt das Regency England und da besonders das Leben auf dem Dorf, auf dem die Arbeit momentan knapp wird und die Menschen noch immer an allerlei Zauberei glauben. Natürlich gibt es auch einen Ausflug nach London.
Historisch korrekt: Ich weiß es nicht, aber es ist zumindest besser als so manch anders, das ich gelesen habe. Wahrscheinlich auch, weil die Frauen sich in diesen Büchern noch ganz bewusst sind wo sie in der Gesellschaft stehen, statt wie moderne Regency-Schriftsteller diese Rolle zu hinterfragen. Das einzige, was sie sich wirklich rausnehmen ist es, aus Liebe heiraten zu wollen.
Humor & Spaß? Ich hatte reichlich Spaß, weil einfach es übertrieben kitischig geschrieben ist! Bei der Hochzeit hören sie die Engel singen und die Liebe ist eine Wundermacht, mit der mal gerade alles erklärt wird, was so eigentlich nicht erklärbar ist, aber in die Story gehört, damit es weitergehen kann. Wie gesagt, für mich sind die Bücher eher Satiren auf das Genre und anders kann/will ich sie auch nicht lesen.
Liebe? Habe ich die Liebesgeschichte verstanden? Hmmm... Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Anziehungskraft der Beiden wirklich nachvollziehen kann, aber ich wollte trotzdem das sie zusammenkommen, also hat es zumindest für mich funktioniert.
Action & Spannung? Man sollte sich nicht täuschen, hier kommt milde Spannung auf, denn dem Marquis trachtet man nach dem Leben. Aber es kommt nicht zu brutalen Szenen, die Leser verschrecken könnte.
Trigger Warnung? Nicht von meiner Seite.