Normalerweise lese ich keine – nennen wir es typische Frauenromane – doch nach „Ein wenig Leben“ wusste ich nicht recht, was ich jetzt lesen soll und wollte mit etwas seichtem wieder einsteigen. Lässt man sich auf diesen sarkastischen und ironischen Roman von Kerstin Gier ein, erwartet einen eine witzige und chaotische Geschichte. Kritikpunkt: Das Thema Selbstmord wird nicht wirklich ernst behandelt, worüber sich bestimmt streiten lässt. Ich habe den Selbstmord-versuch aber nicht als das Hauptthema des Buches betrachtet und daher finde ich diesen Punkt nicht so tragisch. Das Buch wird aus Gerris Sicht erzählt und einige Gedanken und Anmerkungen der Protagonisten, die sie aber meistens nicht ausspricht, haben mich zum Schmunzeln gebracht.
Beispiel: »Gib mir bitte mal die kleine Wunderschüssel aus dem Schrank, Lu... Ti...Ri«, sagte meine Mutter. Vom Mittagessen waren eine Kartoffel, eine hauchdünne Scheibe Braten und ein Esslöffel Rotkohl übrig geblieben, zu schade zum Wegwerfen, wie meine Mutter fand. […]
Ich heiße natürlich nicht Lutiri. Ich habe noch drei ältere Schwestern, und meine Mutter hatte schon immer ein Problem, unsere Namen auf Anhieb richtig zuzuordnen. Wir heißen Tine, Lulu, Rika und Gerri, aber meine Mutter nannte uns eben Lutiri, Geluti, Riluge und so weiter […]
»Das ist nicht die Wunderschüssel, das ist Flexi-Twin«, sagte meine Mutter. […] Das ist Prima Klima Frische Kick eins Komma sechs«, sagte meine Mutter und sah mich genervt an. »Viel zu groß. Jetzt stell dich doch nicht dümmer an, als du bist. « Und die nächste bitte. Meine Mutter seufzte. »Das ist Clarissa, aber die tut es auch, gib schon her. « Es war schon komisch, dass meine Mutter ihre Kinder nicht beim richtigen Namen nennen konnte, aber bei Tupperschüsseln so überhaupt kein Problem damit hatte.
Natürlich bringen auch die Abschiedsbriefe, die man immer am Ende der Kapitel zu lesen bekommt, einen bissigen Humor in das Buch. Der Schreibstil ist sehr flüssig und mir hat das Buch recht gut gefallen. Der Handlungsverlauf ist zwar etwas unrealistisch, aber es ist dennoch unterhaltsam. Keines der besten Bücher, die ich gelesen habe, aber auch sicher nicht das allerschlechteste.