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Das Hohe Haus. Ein Jahr im Parlament

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Ein Jahr lang sitzt Roger Willemsen im Deutschen Bundestag – nicht als Abgeordneter, sondern als ganz normaler Zuhörer auf der Besuchertribüne im Berliner Reichstag. Es ist ein Versuch, wie er noch nicht unternommen wurde: Das gesamte Jahr 2013 verfolgt er in jeder einzelnen Sitzungswoche, kein Thema ist ihm zu abgelegen, keine Stunde zu spät. Er spricht nicht mit Politikern oder Journalisten, sondern macht sich sein Bild aus eigener Anschauung und 50000 Seiten Parlamentsprotokoll. Als leidenschaftlicher Zeitgenosse und »mündiger Bürger« mit offenem Blick erlebt er nicht nur die großen Debatten, sondern auch Situationen, die nicht von Kameras erfasst wurden und jedem Klischee widersprechen: effektive Arbeit, geheime Tränen und echte Dramen. Der Bundestag, das Herz unserer Demokratie, funktioniert – aber anders als gedacht.
»Man denkt, alle Welt schaut auf dieses Haus. Und dann findet man so viel Unbeobachtetes.« Roger Willemsen

400 pages, Hardcover

First published January 1, 2014

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About the author

Roger Willemsen

89 books66 followers
Roger Willemsen was a German author, journalist, TV presenter, and public intellectual.

He studied German philology (Germanistik), philosophy and history of art in Bonn, Munich and Vienna and was awarded a scholarship by the Evangelisches Studienwerk. He did his postgraduate studies on Robert Musil and received his PhD.

Willemsen started his TV career in 1991 as head interviewer at "0137", a daily talkshow and signature programme at newly founded German pay-TV Premiere. He performed about 1.000 interviews, including some with imprisoned members of the Red Army Faction, a fugitive bank robber, a leftover cosmonaut in space station MIR and a cannibal. He also interviewed Audrey Hepburn, Jesse Jackson, Yasser Arafat, Lech Wałęsa, Dame Edna Everage and Madonna. Driven by Willemsen, the show won numerous prestigious awards. Willemsen was praised for his intellect, charm and wit. 1994 Willemsen got his own show "Willemsens Woche" on public broadcaster ZDF. In 2006 he ended his career in mass-TV.

In 1999, he interviewed one of the most famous German musicians, Herbert Grönemeyer, for Stern magazine after Grönemeyer's wife Anna had died of cancer. Willemsen wrote newspaper columns in Zeit Magazin and Die Woche. He authored about 50 books, many of them inspired by travelling such as "Die Enden der Welt" (The Ends of the Earth). His last bestseller, published in 2014, is "Das Hohe Haus: Ein Jahr im Parlament", reflecting on a year sitting in meetings of the German parliament Bundestag.

He died of cancer on 7 February 2016, aged 60.

(Source: Wikipedia)

Picture credits:
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic license by blu-news.org (Roger Willemsen) [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons. See Wikimedia page here.

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1 star
7 (1%)
Displaying 1 - 30 of 32 reviews
Profile Image for Meike.
Author 1 book4,981 followers
May 28, 2019
Die Stärke von "Das Hohe Haus" ist gleichzeitig seine Schwäche: Willemsen saß ein ganzes Jahr lang auf der Tribüne des Deutschen Bundestages, hat sich die Debatten angehört und aus den Inhalten dieses Buch gezaubert. Damit lenkt er den Blick radikal auf jenes Gremium, in welchem debattiert und abgestimmt wird, er diskutiert reflexhafte Klatsch- und Buh-Dynamiken der Fraktionen, gibt Inhalts- und Haltungsnoten an höchst unterschiedlich begabte Abgeordnete und meditiert über Sinn und Unsinn formalisierter Debattenkultur, welche sowohl in ein Feuerwerk aus der Floskelkanone als auch in bewegende und durchdachte Meinungsäußerungen münden kann.

Was Willemsens Konzept jedoch bewusst ausklammert - und jetzt kommen wir zu den Schwächen - ist die politische Hinterbühne sowie das, was der Politikwissenschaftler die demokratische Legitimationskette nennt. Die meisten Themen des Bundestages werden von Experten in den Ausschüssen ausführlich recherchiert und diskutiert, bevor es ins Parlament geht. Darauf weist Willemsen zwar hin, aber nur aufs Parlament zu schauen und den Prozess in den Ausschüssen außen vor zu lassen führt zu einem verzerrten Bild der Debattenkultur des Bundestages (auch wenn Willemsen bewusst nur die große, öffentliche Bühne zeigen wollte).

Was mich fast schon ein bisschen geärgert hat war allerdings der zweite Punkt, die Legitimationskette: "Die Politiker", das sind wir. Jeder kann sich politisch engagieren, kann sich einbringen und aufstellen lassen. Die da im Bundestags sitzen, die haben wir gewählt - und auch die Nichtwähler haben dazu beigetragen, dass genau diese Leute im Parlament sitzen, indem sie nicht für jemand anderes gestimmt haben. Willemsen weiß das natürlich, aber dieser Zusammenhang kommt mir ein bisschen zu wenig raus, was sich dann auch in - Entschuldigung - idiotischen Bemerkungen einiger Leser à la "schlimm, die da oben", widerspiegelt. Klar läuft da viel schief, aber dafür tragen wir alle Mitverantwortung, und wenn man etwas verbessern will, dann geht das nicht, indem man auf der Couch sitzen bleibt und auf "die Politiker" schimpft (auch nicht, wenn man dabei ein Buch des klugen Roger Willemsen in der Hand hält).

Alles in allem sicher ein interessantes Buch, wenn auch mit einigen Schwächen.
Profile Image for Paula.
453 reviews10 followers
March 6, 2016
"Ein ganzes Jahr lang verfolgt Roger Willemsen von der Zuschauertribüne aus die Sitzungen des Deutschen Bundestages."

Man ahnt, selbst ohne viel von deutscher Tagespolitik zu wissen, dass nun keine Lobgesang auf die von uns gewählten Abgeordneten folgt. Was aber folgt, ist ein "messerscharfer Blick hinter die Kulissen" (DER SPIEGEL).

Mich hat das Buch sehr gut unterhalten und so ganz nebenbei, aber sicherlich nicht unbeabsichtigt, war es auch sehr informativ. Wieso Denis Scheck das Buch als "langweilig" in die Tonne kloppt, sagt mehr über Denis Scheck aus als über Willemsens Buch.

Ich habe die Taschenbuchausgabe gelesen, die am Ende noch ein sehr interessantes Nachwort des Autors enthält.

Willemsen schreibt sehr unterhaltsam und informativ, ohne je ins Anspruchslose zu verfallen. Er zeigt Zusammenhänge auf und nimmt dem sog. "Hohen Haus" jede potentielle Magie. Die zynische Haltung von Abgeordneten gegenüber Armut, Kriegen und z.B. den NSU-Morden bleibt immer erschreckend. Was auch bleibt ist der Eindruck, dass nur wenige Abgeordnete nicht an dem Schmierentheater "Parlamentssitzung" teilnehmen. Und auch wenn Demokratie transparent sein sollte (mal zu den geheimnisvollen TTIP-Sitzungen wink), auf mich machen im Nachgang Parlamentssitzungen einen überflüssigen Eindruck. Erschreckend ist das Verhalten fast aller Beteiligten, kaum einer kommt gut weg. Und wenn eine Parteil wie die FDP bei der #EheFürAlle gegen die eigene Linie abstimmt, wenn eine Frauenministerin gegen Frauen abstimmt...dann kann man Politikverdrossenheit schon verstehen.

Das einzige was mich so ein bisschen gewurmt hat, ist das auch ein Feminist wie Roger Willemsen sich der Bedienung von Klischees nicht erwehren kann. Die Kleidung der weiblichen Abgeordneten wird immer ausführlicher beschrieben als die der männlichen Abgeordneten, die Überraschung ist immer groß, wenn weibliche Abgeordnete eine gute Rede halten, wenn sie vollumfänglich informiert vor das Parlament treten und eine sachliche Diskussion führen. Die weiblichen Abgeordneten keifen oft, während die männlichen Abgeordneten lediglich poltern.

Als Fazit bleibt für mich: Abgeordnete der Opposition sind die Vorläufer von Internettrollen. Da soll man ja auch auf keinen Fall antworten :)
Profile Image for _Leselust_.
295 reviews38 followers
August 22, 2020
Ein sehr informatives, kluges Buch mit messerscharfen Beobachtungen. Willemsen sitzt im Bundestag und lauscht den Reden der Politiker*innen –ein ganzes Jahr lang, jeden Sitzungstag. Und er analysiert und bewertet das Gesagte, gibt Hintergrundinformationen. Teilweise hat es mich zum Schmunzeln gebracht, sehr viel öfter war meine Reaktion aber heftiges Kopfschütteln und Fassungslosigkeit. Die Lektüre war für mich lehrreich und –für dieses Thema– auch ziemlich unterhaltsam. Wer mehr darüber erfahren möchte, wie der Alltag im Parlament aussieht und einen Blick "hinter die Kulissen" werfen möchte, dem sei dieses Buch empfohlen.
49 reviews1 follower
April 12, 2014
W. hat irgendwie nicht ganz verstanden, wie der Bundestag arbeitet ( oder will es ausblenden), so dass sich seine Kritik manchmal wie die altbekannte Kritik an der Schwatzbude Parlamentarismus liest -- dennoch ist es gut, dass hier jemand parlamentarische Rhetorik ernst nimmt. Die Protagonisten tun es leider zu selten. Aber das ist ein Sympton, nicht Krankheit selbst wie W. mitunter Glauben macht.

Na ja, letztlich zuviel Willemsen, zu wenig Funktion des Hohen Hauses. Zu selbstverliebt. Schade.
Profile Image for Twinslovebooks2.
215 reviews1 follower
April 13, 2020
Der Schreibstil und Wortschatz von Roger Willemsen ist einfach toll!


Es hinterlässt viele Eindrücke. Aber am Meisten habe ich das Gefühl, dass die Abgeordneten im Parlament einfach irgnorant, unhöflich und respektlos sind. Wie oft wird hier dargestellt, dass Reden gehalten werden und keiner zuhört, sich währenddessen unterhalten und gelacht wird. Wo bleibt da das Engagment und die Leidenschaft in der Politik?

Natürlich bin ich mir dessen bewusst, dass das Buch subjektiv ist und immer nur einen kleinen Teil der Realität abzeichnet. Irgendwie hatte ich das Bild von "es passiert etwas Unerwartetes, etwas von "jemand von ganz unten hat es in die große Politik geschafft und erzielt eine große Veränderung", das ist hier fehl am Platz. Tatsächlich werden politische Entscheidungen anscheinend sehr nüchtern und teils sogar desinteressiert getroffen.
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135 reviews1 follower
September 27, 2022
Die Mitglieder des Deutschen Bundestags haben keine geringere Aufgabe als die Interessen anderer Personen wie mir, bestmöglich zu vertreten. Doch was machen sie eigentlich den ganzen Tag? Abgesehen von vereinzelten Ausschnitten aus Bundestagsdebatten war dies für eine neue Welt. Die wenigsten Personen werden sich wohl ganztägige Übertragungen dieser Debatten anschauen. Umso gespannter war ich auf Roger Willemsens Erfahrungen, der 1 Jahr lang alle Sitzungen des Deutschen Bundestags besucht hat. Durch den Rauswurf der FDP aus dem Parlament und die Bildung einer großen Koalition aus 3 Parteien, die sich zuvor von einander abgrenzt haben, bekam dieses Jahr eine besondere Wendung. Insbesondere war es hierbei bemerkenswert zu sehen, wie heutzutage hochrangige Politiker und Bundesminister als Hinterbänkler ihre ersten Reden hielten. Diese Erkenntnisgewinne können jedoch nicht die größte Schwäche des Buches kompensieren, die Langeweile, die während des Lesens schnell entsteht. Bereits auf den ersten Seiten wiederholt sich Willemsens Kritik an den nicht aussagekräftigen Debatten. Nichts anderes ist jedoch von einem Parlament zu erwarten, in dem der Großteil der inhaltlichen Diskussionen in den Ausschüssen geschieht.
Profile Image for Jennifer Köster.
16 reviews
March 7, 2021
Erst dachte ich es wird ein sehr langweiliges Unterfangen dieses Buch zu lesen. Allerdings war es sehr erfrischend und leicht verständlich, obgleich nicht weniger schockierend dahingehend das Politik doch einfach viel Realitätsfernes Gerede ist. Was mir fehlt ist, dass die Hintergrundarbeit im Parlament, überhaupt nicht beleuchtet wird. Es geht rein um die Sitzungen nicht um die Arbeit in den Ausschüssen. Trotzdem würde ich dieses Buch jedem weiterempfehlen, ob es dann zu noch mehr Politikverdrossenheit führt kann ich nicht beeinflussen.
Profile Image for Julia.
270 reviews54 followers
September 29, 2018
Roger Willemsen analysiert und reflektiert in Das Hohe Haus das politische Tagesgeschehen des Jahres 2013. Statt sich lediglich großer Themen zu widmen, besucht Willemsen wöchentlich Sitzungen und gibt so ein Gesamtbild dessen, was sich in der Hauptstadt abspielt. Er liefert ein detailgetreues Bild, ordnet es teilweise in einen Kontext ein und bewertet es aus seiner persönlichen Perspektive, auf die er sich bewusst beschränkt hat. Nichtsdestotrotz ein informatives Sachbuch, das auch vier Jahre später nicht an Aktualität eingebüßt hat.
Profile Image for Laura Gebhardt.
80 reviews
August 7, 2024
es ist einfacher die geschäftsordnung des bundestages zu verteidigen als die menschenrechte
58 reviews
August 12, 2025
Ich kam nicht rein. Auch wenn er alle fünf Seiten einen guten Gedanken schreibt, reicht es nicht, um die Debatten aus den 2010ern zu folgen. Es darf gerne im Ferienhaus bleiben. Nach 60 Seiten abgebrochen.
Profile Image for Hal.
368 reviews
April 9, 2017
Ein gutes Buch, wenn auch zu lang. Willemsen besucht ein Jahr lang den Bundestag und gibt seine Eindrücke Tag für Tag wieder. Die Neujahrsansprache der Kanzlerin ist dabei eine schöne öffnende wie schließende Klammer. Daß das Jahr 2013 ist, gibt dem Bericht zusätzlich Struktur -- die Bundestagswahl im September bildet den Höhepunkt oder zumindest das Ziel der vorangegangenen, vom Wahlkampf geprägten Debatten, und die Koalitionsgespräche und Regierungsbildung (die fast bis zur Weihnachtspause bzw. bis zur neuerlichen Neujahrsansprache andauern) sind der Epilog.

Willemsen beobachtet und kritisiert festgefahrene Strukturen und Rituale im Parlament, und scheint dann selbst im Lauf des Buchs in selbige zu verfallen: Seine Beobachtungen und Vergleiche wiederholen sich:

- Die Worthülsen der Redner
- Der fehlende Bezug zur gelebten Wirklichkeit der Wähler bzw. der Bevölkerung (für die er oft beispielhaft die Besucher auf der Tribüne stehen läßt)
- Die mangelnde Diskussionskultur
- Die strenge (wörtliche) Parteilichkeit der Parlamentarier (geklatscht wird nur bei Beiträgen aus der eigenen Fraktion bzw. Koalition, hereingerufen nur bei Rednern des gegnerischen politischen Lagers)
- Die seltenen Ausnahmen von inspirierter oder fachkundiger Rede, die aber wirkungslos verpuffen
- Die noch selteneren Fälle von echtem überparteilichem Austausch und inhaltlicher Diskussion
- Das zur Schau getragene Desinteresse der Mitglieder für alle Beiträge außer denen ihrer Fraktion
- Wie lapidar und beiläufig auch kritische Themen (etwa Rüstung oder NSA-Affäre) behandelt werden.
- Die Absehbarkeit der Ausgänge der Abstimmungen.

Vielleicht wären weniger Besuche im Bundestag hier mehr gewesen (mind. einmal im Monat statt mind. einmal in der Woche?), oder eine stärkere Auswahl und Aggregation des Erlebten. Auch eine Anreicherung mit anderen Perspektiven wäre interessant gewesen, etwa eine Konfrontation eines MdB mit seinen (Willemsens) Eindrücken, oder ein Gastbesuch in einem anderen Parlament im In- oder Ausland, oder eine vergleichende Sichtung der Protokolle lange zurückliegender Sitzungen vor 20, 30 oder 40 Jahren. Willemsen reißt zumindest die zeitlich/historische Perspektive mehrmals kurz an, beläßt es aber bei rhetorischen Fragen der Art "ist das die freie parlamentarische Rede, für deren Einführung noch vor einigen hundert Jahren leidenschaftlich gekämpft wurde?". Was genau sich seitdem geändert hat, zum Schlechten wie auch zum Guten, darauf geht er nicht ein, und es bleibt ein oberflächlicher Eindruck von "früher war alles besser".

Schließlich hätte ich mir auch ganz platt Bilder gewünscht. Wie Merkel, Schäuble oder Steinbrück aussehen weiß ich natürlich, bei Claudia Roth oder Norbert Lammert wird es schon schwierig, und Dieter Wiefelspütz oder Wilhelm Priesmeier sind einfach nur noch Namen. Kein Wunder, bei 630 Abgeordneten! Selbst wenn er nur ein paar Dutzend namentlich nennt, und je ein paar Worte zu Aussehen oder Gestik verliert, bleibt auf den knapp 400 Seiten doch kein Raum für eine sinnvolle Charakterisierung. Fotos hätten geholfen.

Willemsen hat sich bewußt auf seine persönliche Perspektive beschränkt, das sagt er im Nachwort. Schade, ich denke es macht das Buch eintöniger. Dennoch ist es sehr lesenswert, wie ein Tagebuch macht es in seiner Unmittelbarkeit einen starken Eindruck.
Profile Image for Michael.
573 reviews20 followers
September 3, 2014
Der zynische Schwachsinn, den besonders Politiker von CDU, CSU und FDP im Parlament von sich geben, ist erschreckend.
Am Beispiel von Peter Ramsauer: "Ich sage das ausdrücklich, weil ich diese Diskriminierung von Eigentum nicht mehr hören kann. [...] Denn nur wer Eigentum hat, kann Solidarität üben."

Roger Willemsen fasst es schön zusammen:
"Nicht die Stammtischrhetorik ist es, die die Idee des Hohen Hauses blamiert, es ist vielmehr die Nichtanerkennung der Verluste, die Verachtung der Empathischen und Engagierten, die aus einem solchen Redner den legitimen Repräsentanten eines blasierten Zynismus macht, der noch den Mitarbeitern von Hilfsorganisationen vorwirft, dass sich die Not, die sie sehen, in ihren Zügen wiederfindet. Solche Verachtung mag ihm zwar den Beifall der CDU/CSU und der FDP einbringen, eigentlich aber verrät er die hehre Idee des Parlaments, das in diesem Augenblick dem Hohn über den Widerstand und das bürgerschaftliche Engagement applaudiert.
[...]
Seiner Funktion nach darf der Abgeordnete kein Zyniker sein, schließt doch Zynismus die Zustimmung zur Zerstörung ein und enthält so eine Absage an den Humanismus, dem sich das Parlament verdankt und den es immer wieder auf den neuesten Stand bringen sollte."
Profile Image for Philipp.
703 reviews225 followers
February 18, 2016
At its best when German empty political language is taken and face value and analyzed at the level of Orwell analyzing English, at its worst when it's like reading Sokal's Fashionable Nonsense - you know it's nonsense, so you'd rather not read more of it.
Profile Image for Jens Kreet.
Author 3 books18 followers
July 16, 2020
Ich denke, durch die Lektüre dieses Werkes lernt man mehr über Politik als durch so manch andere Publikation in den Medien, sei es die Tageszeitung, die Tagesschau oder sonstige tagesaktuelle Veröffentlichungen.

Willemsen reduziert die Wahrnehmung von Politik bewusst auf das Plenum des Parlaments, die Schaubühne, die von vielen Politikern belächelt wird, weil einerseits im Plenum die Themen erst debattiert werden, wenn die Entscheidungen schon gefallen sind und das Volk andererseits die ganzheitliche Information meist über das Fernsehen oder Nachrichtenmedien konsumiert.

Gerade deswegen ist dieses Buch so wertvoll. Wir erleben die Plenumsdebatten und sonst nichts. Und ich finde, auch sie hinterlassen einen guten Eindruck. Ich glaube, dass Menschen, die dieses Buch lesen würden, in stärkerem Maße über politische Entscheidungen Bescheid wissen als diejenigen, die sich von Fernsehbildern und Nachrichtenkommentaren blenden lassen.

Mir hat es jedenfalls gefallen, ich fand es kurzweilig und fühle mich in meinem politischen Urteil bestätigt.
Profile Image for Lippes.
182 reviews5 followers
May 27, 2021
Was für eine wunderbare Idee ein ganzes Jahr lang die Debatten im Bundestag zu verfolgen und zu erleben wie Politik funktioniert oder nicht funktioniert. Die Macht und die Ohnmacht des Parlaments zu erleben und das in dem spannenden Jahr 2013, das nach den Bundestagswahlen ja einige Umwälzungen mit sich brachte.
Willemsen hat genau beobachtet und kluge Zusammenhänge aufgezeigt, er hat einen Blick ins Schaufenster und doch auch hinter die Kulisse geworfen und auch Perspektiven von Angestellten und Saaldienern mit einbezogen. Und doch - für mich schliesst sich das Buch seiner eigenen Kritik ein wenig an. Wenn er den Bundestag als zu elitär und dem Volk enthoben beschreibt, dabei aber eine Sprache nutzt, die man auch nur mit einem hohen Bildungsgrad durchdringen kann, dann bleibt die Kritik und Wirkkraft des Buches für mich zu klein. Hier wäre mit einer "schöneren" Sprache mehr möglich gewesen, mehr zu erreichen gewesen.
Profile Image for Fredward.
2 reviews
June 13, 2022
Analytisch scharf, pointiert und lustig. Roger Willemsen legt den Finger in die Wunde parlamentarischer Demokratien: braucht es die parlamentarische Rede zur Meinungsbildung im politischen Richtungsstreit? Oder ist sie nur ein Werkzeug parteipolitischer Strategie - wenn nicht gar eine Farce? Denn im gut besuchten Bundestag, so Willemsen, sind es meist die Besucher, die sich am wenigsten von den Reden, der Polemik und den allgemeinen Phrasen der Politiker angesprochen fühlen.

Vielleicht ist das Hohe Haus wie Willemsen es wahrnimmt, verdreht vom präsidialen Politikstil Merkel. Vielleicht überschätzt er ganz grundsätzlich die Rolle der parlamentarischen Rede im Meinungsbildungsprozess. Und vielleicht beschreibt er bewusst einige der ihm interessanteren Reden und vernachlässigt andere. So oder so werfen 400 Seiten Kommentar zum Bundestag Fragen auf, derer sich Parteienpolitik nicht entziehen sollte.
Profile Image for Marco.
278 reviews7 followers
March 5, 2021
Roger Willemsen saß ein Jahr auf der Tribüne im Bundestag und hat die Debatten beobachtet.
Seine Beobachtungen hat er in diesem Buch aufgeschrieben.

Willemsens Blick ist subjektiv. Er macht unterschwellig deutlich, was er von den jeweiligen Parteien und Rendern hält.
Während des Jahres im Parlament bekommt er unterschiedlichste Eindrücke.
Im Bundestag wird gestritten, gepöbelt, geweint und auch geschlafen.
Seine Beobachtungen sind gewohnt eloquent voller Witz formuliert.
Seine Sprache ist manchmal zu blumig oder voller Metaphern und wirkt mitunter gestelzt.
Dennoch macht er tiefgehende Beobachtungen über den Status unserer Demokratie.
Gerade wenn die Debatten emotional werden ist das Buch am stärksten.

Willemsen gelingt es, trotz kleiner Schwächen den Bundestag spannend und mitreissend darzustellen.
Profile Image for Jessica.
265 reviews2 followers
January 8, 2022
Ich schaue gerne die best-of Videos vom Deutschen Bundestag an und kannte deshalb ein paar Szenen, die beschrieben wurden bereits. Die Beschreibungen und Vergleiche empfand ich als sehr passend und eine Prise Humor hat auch nicht gefehlt.

Nach einer Weile des Hörens kam das Gefühl der Hilflosigkeit und Ohnmacht des Öfteren auf. Wenn Minister*innen und Abgeordnete sich bei ihren Reden nicht gegenseitig zuhören - obwohl diese ja genau deshalb vorgetragen werden, um gehört zu werden - welchen Sinn hat das alles dann? Jede*r beharrt auf festgefahrene Meinungen, es wird sich gegenseitig angeschrien, manche spielen gedankenverloren am Handy, andere (unter anderem auch die Bundeskanzlerin persönlich) plaudern miteinander oder schreiben Weihnachtskarten. Da Frage ich mich: Welchen Sinn haben die Debatten im Parlament?
This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for Mausi⚖️.
226 reviews2 followers
December 26, 2025
3,5

Obwohl das Buch mittlerweile schon älter ist, hat es in seiner Kernaussage nichts an Aktualität verloren.

Rein stilistisch ist das Buch äußerst intelligent und auch humorvoll geschrieben.

Der Autor hat sehr interessante und genaue Beobachtungen angestellt, die sowohl die Politiker als auch das Bundestagsgebäude an sich betreffen.

Dadurch, dass hier ein Jahr politischer Debatten abgebildet wird, bleiben bestimmte Wiederholungen nicht aus, was aber den Gehalt des Buches nicht mindert.

Insgesamt ein sehr lesenswertes Buch mit zahlreichen Denkanstößen.
Profile Image for Alex Pieger.
13 reviews4 followers
July 4, 2019
Wortgewaltig und pointiert beschreibt Willemsen seine Beobachtungen aus dem Herzen unserer Demokratie und größten aller Errungenschaften als Gesellschaft. Nicht als Chronist, wohl aber mit einer idealisierten Erwartungshaltung, die von den realen Abgeordneten freilich nicht erfüllt werden kann.
Ein schönes Buch.
Profile Image for Bruno Laschet.
693 reviews22 followers
March 16, 2018
Sehr informatives Buch über den deutschen Bundestag. Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man es zeitweise sogar lustig nennen. Habe jedenfalls genug Zwischenrufe für die nächsten langweiligen Sitzungen in der Firma gelernt.
Profile Image for Druckund Prestige.
28 reviews
August 1, 2024
Gute Idee: ein Jahr im Parlament. wird irgendwann bisschen absehbar, kommt nicht über einen bestimmten Punkt hinaus. Musste mich immer wieder fragen, wie würde das aussehen, schriebe Willemsen dieses Buch nochmal - nach dem Einzug der afd in den Bundestag …
Profile Image for Hannah.
108 reviews
April 14, 2019
Was ein Buch! Es hat mich wirklich nach Berlin mitgenommen, mich informiert und unterhalten. Solange kein Sachbuch erwartet wird und mein Gegenüber politikinteressiert ist, würde ich es empfehlen.
Profile Image for Tim Nowotny.
1,287 reviews24 followers
June 19, 2014
Classical 2.5
I read this in short order and long sessions. This way I could feel better like the author during his ordeal. This was not that much a book for me as an experience.
It is very germanisticly written and you really get a glance at politics as business as usual. But it is a tough read because of these upsides. You can feel the boredom and the tactics, you can feel the actors and the cynicism. I am happy that I read it but would not recommend it to everyone.
267 reviews8 followers
December 30, 2014
Most highly recommended! To understand politics, our current state of democracy, parliamentarism, and also Germany and German culture. The author observes very clearly and carefully. I also often had to laugh. Enjoyable and very thought provoking read!
Profile Image for Gwendolinepeepingtom.
149 reviews4 followers
October 21, 2014
Im österreichischen Parlament wäre es nicht anders. Ein Blick mit Intelligenz und Engagement auf weniger intelligentes und schon gar nicht engagiertes.
143 reviews2 followers
March 16, 2016
Beautifully written but damning account of a year watching the debates in the German Bundestag. The arrogance and lack of respect of some politicians is disgraceful.
Profile Image for arcticlight.
85 reviews7 followers
July 30, 2016
Kritisch und nachdenklich, aber auch unterhaltsam mit einer Prise Humor. Abgeschmeckt wird diese Mixtur mit Roger Willemsems eigenem, pointiert hintergründigen Schreibstil. Er fehlt.
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