"In sturmzerzauster Welt", in der kargen Abgeschiedenheit eines Pfarrhauses in der Moorlandschaft von Yorkshire, wachsen drei der heute noch bekanntesten Schriftstellerinnen des 19. Jahrhunderts auf. Charlotte, Emily und Anne Brontë und ihr Bruder Branwell werden nach dem frühen Tod der Mutter vom Vater, einem Landpfarrer, und ihrer unverheirateten Tante großgezogen. Schon als Kinder machen sie ihre ersten begeisterten Schreibversuche, entwickeln gemeinsam phantastische Reiche oder halten ihren Alltag schriftlich fest.
Während Branwell sich als junger Erwachsener hauptsächlich durch einen liederlichen Lebenswandel hervortut, mit ähnlich veranlagten Freunden trinkt und Schulden macht, versuchen alle drei Schwestern sich mit mäßigem Erfolg als Gouvernanten oder Lehrerinnen, doch ihre Leidenschaft gilt immer noch der Schriftstellerei.
Charlotte, die Älteste, ergreift die Initiative und sucht einen Verleger, der die Werke der Schwestern unter männlichen Pseudonymen herauszubringen bereit ist. Der Rest ist Geschichte - insbesondere Charlottes Meisterwerk "Jane Eyre" und Emilys verstörende "Sturmhöhe" gehören sicherlich zu den meistgelesenen Klassikern aus jener Zeit.
In diesem Buch stehen verschiedene ältere biographisch-literaturwissenschaftliche Dokumente, die Muriel Spark über die Brontës verfasst hat, neben einem sehr umfangreichen Abschnitt mit Originalbriefen aus der Feder der vier Geschwister. Diese lesen sich heute noch erstaunlich frisch und unverstaubt, wenn man die zeittypischen Manierismen beiseite lässt, und zeigen, dass es sich bei den Brontës mitnichten um verschüchterte graue Stubenhockermäuse handelte, auch wenn sie sicherlich alle eher dem introvertierten Spektrum zuzurechnen waren.
Muriel Spark lässt die Briefe unkommentiert für sich stehen, greift aber in ihren eigenen Texten einige Aspekte heraus, und versucht, unter den vielen im Laufe der Jahre gewachsenen Mythen die "echten" Brontës herauszuschälen, mit einem besonderen Augenmerk auf Emily, die im Gegensatz zu Charlotte relativ wenige Briefe oder andere Selbstzeugnisse hinterlassen hat.
Einzig die Analysen zu Emilys Gedichten und die abgedruckten Gedichte selbst konnten mich nicht so sehr begeistern, was aber sicher daran liegt, dass mir die Übersetzung der Gedichte nicht gefallen hat, nicht nur, weil die Reime im Deutschen komplett baden gegangen sind, sondern auch, weil die Verse schwerfällig und langatmig wirken, die (wie ich hinterher festgestellt habe) im Original trotz der häufig düsteren Sujets elegant und leichtfüßig klingen.
Eine sehr empfehlenswerte Lektüre für alle, die sich für englische Klassiker und insbesondere diese geheimnisumwitterten, begabten und alle leider tragisch früh verstorbenen Schwestern interessieren, und eine schöne Abwechslung zu konventionellen Biographien.