Japan - kaum ein Land wirkt so exotisch und doch vertraut: Wir denken an ultraschnelle Züge, die vor majestätischer Fuji-Kulisse durch das Land rasen, an Tempel, Pagoden und modernste Technik. Oft wurde es als das völlig andere Land beschrieben, so fern von Europa und so fremd für Europäer; und dennoch ist Japan tief in unseren Alltag eingedrungen - sei es mit Elektronikgeräten, Autos oder dem weltweit gefragten Sushi. Die Tsunami-Katastrophe vom März 2011 hat wiederum verstörende Bilder zu uns gebracht. Christian Tagsold zeigt ein Land, das vielschichtig und uns oft näher ist, als sich ahnen lässt. Er erzählt von der alternden Gesellschaft, dem langen Schatten des Zweiten Weltkriegs und dem oft nicht einfachen Leben nach dem großen Wirtschaftscrash vor zwei Jahrzehnten; von einem Land, das mehr ist als die stereotype Gegenüberstellung von Tradition und Moderne.
Ich wollte eigentlich einen Reiseführer über das Land lesen, aber in der Bibliothek fiel mir dann dieses Buch in die Hände und ich war sehr begeistert. Als Akademikerin hätte ich mir ein paar Quellenangaben gewünscht zu Zahlen oder ähnlichem, aber sonst gibt es an der Lektüre nicht auszusetzten. Die Mischung zwischen persönlicher Erfahrung, Fakten und Thesen ist gut zu lesen und es wird nie langweilig. Am Ende war ich auch gar nicht so enttäuscht, dass das Buch gänzlich ohne Bilder auskommt :)
Mein Freund hat das Buch vor ein paar Jahren geschenkt bekommen, weil er seit Jahren mit Japan sympathisiert und wir beide gerne einmal dorthin reisen möchten. Dieses Buch gibt einen guten Einblick in die dortige Gesellschaft, Politik und Kultur ohne dabei auf ernst zu nehmende Kritik zu verzichten. Ein sehr interessanter Blick in dieses für uns oftmals so "exotische" Land im Osten.
Gute Einführung, wovon ich einiges vor Ort sogar beobachten konnte. Reflektiert und informativ. Liest sich gut, aber eher funktional als schön geschrieben.