Was für ein kurzes, kleines Büchlein.
Wenn man es aufschlägt, wird es noch kleiner: Da ist wirklich nicht viel Text auf einer Seite. Zudem gehört zu den 5 auf der Rückseite versprochenen Essays auch die Nachbemerkung von gerade mal 5 Seiten. Alles in allem also eine Angelegenheit für einen freien Nachmittag.
Es handelt sich um 5 Essays, die Reich-Ranicki zwischen 1972 und 1997 zu verschiedenen Anlässen über Heine verfasst hat. Die Essays sind, in dieser Weise zusammengestellt, repetitiv. Darauf weist der Autor im Nachwort auch hin. So werden zum Beispiel einige Zitate, die R.-R. „besonders lieb und wichtig sind“ (114) wiederholt.
Für R.-R. ist Heine nicht ohne sein Judentum denkbar. Dies ist auch das Hauptthema aller Essays. Reich-Ranicki schildert, wie groß der Einfluss des Judenhasses auf Heines Psyche war und wie sich die Angst vor Ausgrenzung in vielen seiner Werke niederschlug, wenn auch nicht immer offensichtlich. Heines Judentum, so R.-R., hatte auch Einfluss auf die vielschichtige, vielstimmige Heine-Rezeption der letzten 200, vor allem aber der letzten 70 Jahre. Für R.-R. ist aber nicht das allein ein Grund, so viel über Heine nachzudenken. Vielmehr hält er ihn für einen der größten deutschen Dichter überhaupt, weil er es schaffte, Geist in die Poesie zu bringen und weil er sich traute, eine verständliche Sprache zu benutzen und Humor zu zeigen.
R.-R. zeigt, wie er Heine gelesen hat. Obwohl hier nur Bruchstücke angesprochen werden, macht der kleine Band Lust, mehr Heine zu lesen. Wer hier detaillierte Angaben zu Werk und Leben Heines erwartet, sollte einen voluminöseren Band suchen. Wer hingegen über einige Schlüsselthemen in Heines Werk lesen will, und das in Reich-Ranickis zugänglicher Sprache (eine Eigenschaft, die er mit Heine teilt), sollte hier reinschauen.