Im Nachwort erfährt man warum dieses Buch so ist wie es ist. Offenbar ist das hier eine Omnibusversion von einem Feature das über Jahre hinweg in der PR-Drittauflage erschienen ist. Deswegen wahrscheinlich die zahlreichen Wiederholungen, sogar mehrmals im selben Kapitel. Wenn zwischen den damals veröffentlichten Segmenten mehrere Wochen lagen, dann war es notwendig das Feld nochmal neu aufzurollen damit der Kontext klar war. Klar ist allerdings nicht warum all diese Wiederholungen für diese Buchfassung nicht bereinigt wurden, erst recht wenn diese ab circa der zweiten Hälfte geradezu inflationär zunehmen. Allerdings sind die nur ein Teil des Problems, denn im Prinzip hätte das ganze Buch komplett von Grund auf überarbeitet und die Beiträge neu geordnet werden müssen. Statt Ereignisse und Entwicklungen in eigens dafür erstellten Kapitel abzuhandeln, klammert sich das Buch an eine chronologische in Jahren eingeteilte Herangehensweise. Zu Beginn, solange die Geschichte der Serie noch "klein" und übersichtlich ist, stört das noch nicht. Aber je mehr Autoren hinzukommen, ausgetauscht werden, Spin-Offs kommen und gehen, Übersetzungsdeals geschlossen werden und platzen - umso mehr gerät alles aus dem Ruder. Hinzu kommen noch diverse Blicke über den Tellerrand hinaus. Prinzipiell finde ich den nicht verkehrt, denn "Perry Rhodan" geschah (und geschieht) nicht in einem Vakuum. Nach wie vor ist die Serie ein Teil der Heftromanszene und ein Kind der Autoren die sich über Jahrzehnte hinweg in ihr bewegten. Aber dank dem verworrenen Kuddelmuddel erschließen sich Zusammenhänge und Wechselwirkungen nur bedingt. Verbindungen werden nicht richtig hergestellt, Ereignisse wirken wie auf isolierte Erzählinseln abgestellt. Unterbrochen werden diese von ausufernden Inhaltswiedergaben jeglicher Storyline die seinerzeit nicht nur in der Hauptserie, sondern auch in den sämtlichen Spin-Offs gelaufen ist, egal wie obskur und kurzlebig sie teils waren. Gelinde gesagt, nicht jede wirkt relevant genug um hier ihren Platz zu finden.
Dann wiederum bleibt das Buch an anderen Stellen oberflächlich und ungenau, ganz besonders wenn es um die Spannungen zwischen den Autoren geht. Auffällig wird das unter anderem wenn es um den Ausstieg von Kurt Brand geht. Es wird kurz angedeutet dass dieser alles andere als freundschaftlich war, aber konkret wird Nagula dabei nicht. Ich weiß nicht ob es daran liegt dass er, selbst für einen Zeitraum zum Team gehörend, zu Nahe an der "Quelle" sitzt und nicht als Nestbeschmutzer gelten wollte oder ob dies einfach nur Informationen sind die über die Zeit verloren gegangen sind. Erläuterungen hätten mich jedenfalls weniger irritiert zurückgelassen.
Außerdem ist es auffällig wie der Autor auf dem rechten Auge blind zu sein scheint. Die Faschismusvorwürfe denen sich die Serie in der Umbruchzeit der späten 60er/frühen 70er ausgesetzt sah, werden beiläufig als "haltlos" zur Seite gewischt, während die Hefte zu jener Zeit in der Tat ein paar politische Merkwürdigkeiten zu bieten hatten. Dass eben diese so pikant waren weil im selben Verlag die dubiose Serie "Der Landser" erschien, darauf geht Nagula nicht ein. Ihre Existenz wird sogar kein einziges Mal erwähnt. Dafür werden unkritisch der Kopp und der HJB-Verlag erwähnt die hier und da parallel in den Nebenstraßen von PR immer wieder mal auftauchen. Das finde ich, gelinde gesagt, etwas merkwürdig.
Und nun? Basierend auf diesem Band werde ich in die folgenden Bücher wohl nicht hineinsehen. Möglich dass ich hier zu viel erwartet hatte. Ein etwas "akademischeres", ernsteres Buch mit kritischem, aber interessierten, Blick wäre möglich gewesen. Die "Chronik" ist es jedenfalls nicht.