Andreas Altmann verlässt im Sommer 2003 seine Wohnung in Paris. Im Gepäck 2,77 Euro, ein paar Salamischeiben, zwei Dutzend Zigarillos, Schlafsack, Kompass und ein Taschenmesser. Sein Ziel ist Berlin, sein fester Wille, den Zeitgenossen, die er auf seiner Fußreise trifft, ein paar Storys und ein wenig Geld zu entlocken. Wird er gastfreundlich bewirtet, bestens, hat er nichts zu essen, muss er hungern, wird er zum Übernachten in ein Haus eingeladen, warum nicht. Meist schläft er aber unter freiem Himmel oder sucht in großen Städten nach Notunterkünften. Altmann ist in erster Linie ein Geschichtensammler, der Menschen zum Reden bringt, der hinsieht und zuhören kann.
Altmann war Dressman, Schauspieler am Residenztheater München und am Schauspielhaus Wien, Jura- und Psychologiestudent, Gärtner, Taxifahrer, Privatchauffeur, Spüler, Kellner, Anlageberater, Straßenarbeiter. Er lebt heute als Auslandsreporter und Reiseschriftsteller in Paris. Unter anderem ist er ohne Geld von Berlin nach Paris gelaufen (34 Tage, 33 Nächte), durch Indien (Notbremse nicht zu früh ziehen) und durch Südostasien (Der Preis der Leichtigkeit) gereist. Zudem hat er Storys aus der weiten wilden Welt unter dem Titel Getrieben vorgelegt. Er war unterwegs in Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien und Chile (Reise durch einen einsamen Kontinent).
Weder ich noch meine Kollegin (wir lesen unsere Bücher gegenseitig) könnten sich vorstellen mit Altmann einen Kaffee trinken zu gehen, zumindest mit dem Mann, den er im Buch beschrieben hat, aber das Buch ist trotzdem, oder gerade darum, der Hammer. Sehr spannende Einblicke in das Leben eines Obdachlosen, der er in dieser Zeit fraglos war, auch wenn seine Mission eine andere war.
DNF. Nach 40 Seiten Gemopper darüber, dass die Spießer im französischen Hinterland ihm keinen Euro geben wollen, damit er sich seinen Kaffee kaufen kann, ist mir der Geduldsfaden gerissen. Das Projekt klang viel versprechend und interessant, leider wurde mir der Autor mit jeder Seite unsympathischer. Die Essensausgabe für Bedürftige wird belogen, weil man als Nichtbedürftiger dort ja nichts bekommen würde. Die Bedienung im Café wird als Kuh bezeichnet, weil sie selber keine Entscheidung trifft. Alle anderen sind wahlweise Spießer oder Zombies oder schon tot. Zum Glück für den reisenden Radfahrer fällt dem Autor zu spät ein, dass dieser ja das perfekte ‚Schnorr-Opfer‘ gewesen wäre.