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In außerordentlichen Zeiten: Politische Essays

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Gustav Seibt erweitert seit vielen Jahren in brillant formulierten Essays für die «Süddeutsche Zeitung» den Horizont seiner Leserinnen und Leser, indem er das Besondere des Augenblicks in die größeren Zusammenhänge einordnet und die historischen Tiefendimensionen hinzufügt. Wer seine luziden Texte liest, der entkommt der temporalen Platzangst der Zeitgenossenschaft zumindest für die Dauer der Lektüre durch das befreiende Gefühl, die «Lage» besser verstanden zu haben. «In außerordentlichen Zeiten» vereinigt die besten Texte Seibts zu einer Vermessung der Gegenwart – vom Umgang mit Flüchtlingen bis zum prekären Verhältnis zu Russland.Gustav Seibt gehört zu den angesehensten deutschen Publizisten. Der vielfach für seine Arbeiten ausgezeichnete Historiker und Journalist ist bekannt für seine unbeirrbar humanistisch-liberale Grundhaltung, die weitgespannten historischen Kenntnisse und vor allem für seine stets klug durchdachten Argumentationen. In der «Blindheit des Moments», in der wir alle gefangen sind, gelingt es Seibt immer wieder, über die tagespolitische Stellungnahme hinaus das Grundsätzliche einer Situation aufzuzeigen und durch historische Betrachtungen oder Vergleiche ein besseres Verständnis dessen zu ermöglichen, was gerade geschieht oder auf dem Spiel steht. Dieser Band gibt die Gelegenheit, sich in makelloser Prosa über die Grundfragen unseres Zeitalters – Flüchtlinge, Islam und Islamismus, die Fliehkräfte der EU oder das prekäre Verhältnis zu Russland – zu informieren.

324 pages, Kindle Edition

Published August 24, 2023

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Gustav Seibt

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Profile Image for Klaus .
5 reviews
March 28, 2024
Es handelt sich hier um eine Sammlung außerordentlich kluger, manchmal erschreckend hellsichtiger politischer Essays, die zwischen 2005 und 2023 in der Süddeutschen Zeitung erschienen sind. So schreibt Seibt im Jahr 2016, wie Fritz Stern vor einem neuen Zeitalter der Angst warnte, das er „im Aufstieg einer verjüngten, geradezu erfrischten Rechten“ und „in der rasanten Drift zu autoritären Regimen“ erkannte. Er verweist mit Stern auf die Kulturpanik der deutschen Rechten schon im Kaiserreich vor 1914 mit einem Syndrom aus Massenverachtung und Demokratiefurcht, Dekadenzhysterie und Rassenhass. Diese Geisteshaltung bestimmte ein „Klima eines Irrationalismus, der später als „konservative Revolution“ verharmlost wurde und heute gern wieder zitiert wird.“

Interessant auch ein Zitat Helmut Schmidts aus dem Jahr 1977 zum Umgang mit Terrorismus: „Die Mörder wollen ein Gefühl der Ohnmacht erzeugen. Sie wollen die Organe des Grundgesetzes verleiten, sich von freiheitlichen und rechtsstaatlichen Grundsätzen abzukehren. Sie hoffen, dass ihre Gewalt eine bloß emotional gesteuerte, undifferenzierte und unkontrollierte Gegengewalt hervorbringt, damit sie unser Land als faschistische Diktatur denunzieren können. Diese Erwartungen werden sich nicht erfüllen. Der Rechtsstaat bleibt unverwundbar, solange er in uns lebt.“ Schmidt regierte damals, wie Seibt erkennt, ein hysterisches, stark polarisiertes Land, ließ sich aber nicht verrückt machen.

Seibt zur Politik der letzten parlamentarischen Regierung der Weimarer Republik: "Schwach war diese Koalition, weil alle Partner zugleich drinnen und draußen sein wollten. Sie versuchten, die Vorteile des Regierens mit denen des Opponierens zu verbinden." Geschrieben am 22.11.2017 im Essay über parlamentarische Verantwortlichkeit .

Souverän ist bei Seibt der Umgang mit Geschichte. Er sieht sich selbst als Journalist und Historiker und orientiert sich dabei an denjenigen, „die versuchen, das Eigentümliche des Moments durch ein Netz von Vergleichen zu identifizieren.“ Das ist Seibt hervorragend gelungen. Die Essays bieten Orientierung bei fast allen aktuellen politischen Fragen, die Anordnung in thematische Sachgruppen anstelle einer rein chronologischen Reihenfolge hilft dabei auch. Dass die Essays hervorragend geschrieben sind, versteht sich bei Gustav Seibt von selbst.
Profile Image for Norman Weiss.
Author 19 books72 followers
March 31, 2024
Diese Sammlung umfasst Texte, die zwischen 2005 und 2023 in der Süddeutschen Zeitung erschienen sind, und hier vom Autor Seibt thematisch gruppiert worden sind. Dies zeigt in der Zusammenschau Konstanten und Wiederholungen, sowohl von Bezugspunkten als auch von Argumentationsfiguren. Dies ist der einzige, und insgesamt doch eher gering zu veranschlagen Nachteil des Bandes.
Da es sich nicht um eine aus einem Guss geschriebene Stellungnahme zu politischen, historischen und literarischen Fragen handelt, ist dies verzeihlich.
Die Essays sind eingängig geschrieben, klug und gewandt formuliert, sowie inhaltlich in den allermeisten Fällen zutreffend und überzeugend. Meinungsabweichungen gibt es in Detailfragen natürlich immer, etwa zur „planmäßigen Herbeiführung“ des deutsch-französischen Krieges 1870 durch Bismarck.
Das meiste, das Seibt in diesen Essays formuliert hat, hat bis heute Gültigkeit, jedenfalls seine Überzeugungskraft bewahrt und ist dabei bedenkenswert geblieben.

4,5 Sterne
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