Bert Kesperg kann nicht mehr laufen, jedenfalls nicht ohne Gehhilfe, seine Hände zittern, der ehemalige Englisch- und Sportlehrer verfällt mitunter in eine minutenlange Starre. Nach der Scheidung von seiner Frau lebt er in einem Seniorenwohnheim. Er liebt seine Pflegerin, die schöne und ihm ungewöhnlich zugewandte Pauline. Am gleichen Tag, an dem sie ihm eröffnen muß, daß ihr gekündigt wurde, erhält Bert überraschend Besuch von seinem Sohn Gert. Im Dämmer seines Zimmers glaubt er einen Moment lang, es sei der Tod, der ihn holen kommt. Bert hat nie viel von seinem Sohn gehalten. Und Gert scheint dieses Bild mit jedem Wort, jedem Schritt zu bestätigen. Der ehemals bekannte Fernseh-Moderator steckt nach einem Übergriff auf seine Assistentin und nach einem schweren Autounfall, bei dem seine junge Geliebte ums Leben kam, in einer tiefen Krise. Doch als die beiden das Altersheim verlassen und in Berts Auto zu dem Hof fahren, auf dem sie früher gelebt haben, wendet sich das Blatt. Jenseits ihres lebenslangen Machtkampfes entwickelt sich eine prekäre Nähe, und es ist Gert, der den Entschluß, den sie beide stillschweigend gefaßt haben, zielstrebig umsetzt ...
Thomas Lang erhielt für einen Auszug aus diesem Roman den Ingeborg-Bachmann-Preis 2005. Er erzählt aus wechselnder Perspektive und mit einer perfekten Choreographie, präzis und packend, von einem geradezu archaischen Vater-Sohn-Konflikt, der eine überraschende Lösung erfährt. Dabei gelingen ihm gleichzeitig bewegende und nicht selten von absurder Komik aufgeladene Bilder, die einen tief berühren und lange nachwirken.
Thomas Lang, geboren 1956 in Stuttgart als braver Leute Sohn, begann ab seinem sechsten Lebensjahr als Autodidakt mit dem Lesen und Schreiben. Da eine 14-jährige Schullaufbahn (mit dem ungebrochenen Rekord für „nicht versetzt“ an höheren Schulen in Baden-Württemberg) keinen nennenswerten Zugewinn an Kenntnissen und Fähigkeiten erbrachte, traf er nach glanzvoll verkrachter Fachhochschulreife 1976 die folgenschwere Entscheidung, entgegen jeglichen weisen Ratschluss seines armen, alten, kranken Mütterleins, die Laufbahn als professioneller Schreiber einzuschlagen. Das funktioniert seitdem in mehreren Schritten: Vom Volontär einer lokalen Tageszeitung zum Lokalchef, zum leitenden Redakteur einer Automobilfachzeitschrift, zum Pressesprecher eines japanischen Autoherstellers bis 1995 zum selbstständigen Autor und freischaffenden Redakteur.