Das »Heilige Land« – in Wirklichkeit ist es ein verdammtes Land, verdammt zum Unfrieden, zu Gewalt und Hoffnungslosigkeit. Aber, fragt Andreas Altmann, vielleicht ist es gerade deshalb verdammt, weil es Juden, Christen und Muslimen heilig sein muss? Der Reporter spricht mit den Vertretern aller drei Religionen, versucht zu verstehen, was sie bewegt und woher der Hass kommt, der die Palästinenser so oft zu Opfern der israelischen Politik macht. Und manchmal zu Tätern. Er bereist die Städte und Dörfer mit offenen Augen, rabiat neugierig, immer auf der Suche nach den besonderen Geschichten. Die ihm und uns den Schlüssel in die Hand geben zum Verständnis Palästinas. Zumindest eine Ahnung davon. Und das gelingt ihm in spektakulären Bildern, Erlebnissen und Begegnungen, oft voller Brutalität, oft voller Poesie. Seine klaren und harten Beobachtungen, vor allem seine Schlussfolgerungen werden vielfach Widerspruch hervorrufen, weil der Autor sich von keiner vorgefassten Meinung, Ideologie – und schon gar nicht von einer Religion – den Blick verstellen lässt. Seit drei Generationen ist Palästina eine offene Wunde in der Weltpolitik. Auch die große Reportage von Andreas Altmann wird sie nicht schließen. Natürlich nicht. Aber den Menschen nahekommen, ihr Leben im Schatten der unheilvollen Geschichte und der dunklen Zukunft zu verstehen, das gelingt ihm meisterhaft.
Altmann war Dressman, Schauspieler am Residenztheater München und am Schauspielhaus Wien, Jura- und Psychologiestudent, Gärtner, Taxifahrer, Privatchauffeur, Spüler, Kellner, Anlageberater, Straßenarbeiter. Er lebt heute als Auslandsreporter und Reiseschriftsteller in Paris. Unter anderem ist er ohne Geld von Berlin nach Paris gelaufen (34 Tage, 33 Nächte), durch Indien (Notbremse nicht zu früh ziehen) und durch Südostasien (Der Preis der Leichtigkeit) gereist. Zudem hat er Storys aus der weiten wilden Welt unter dem Titel Getrieben vorgelegt. Er war unterwegs in Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien und Chile (Reise durch einen einsamen Kontinent).
Altmann schreibt gnadenlos über die drei abrahamitischen Religionen, da wird kein Haar an - in seinen Augen - sinnloser Frömmigkeit und freudloser Weltfremdheit gelassen. Dies betrifft vor allem den konservatinen jüdischen Glauben, da die zionistische Ideologie in besonders erbitterter und aggressiver Form im Palästinakonflikt auftritt. Dies mag gewisse Leser (verständlicherweise) stören, mich erfreute jedoch Altmanns Frische, seine Offenheit. Dieses Buch taugt somit bestens als Reportage oder als Reisetagebuch über das zerrüttete Land Palästina, einschliesslich persönlicher Religionskritik und politischer Replik des Autors auf die derzeitigen Verhältnisse vor Ort.
Altmann bereist sämtliche Städte von Ramallah bis Hebron und begegnet vielen Locals, welche selbstverständlich ausführlich rezitiert werden. Zum Zuge kommen jedoch auch israelische Soldaten, Fromme, Fanatiker. Somit bietet das Werk einen kurzen Rundumschlag, für mich in dieser Form absolut gelungen. Sehr lesenswert, darf aber auch kritisch betrachtet werden.
Meiner Meinung nach eines der besten Bücher, über die man sich dem Nahost-Konflikt nähern kann. Wie so oft erfolgt die Annäherung bei Altmann über den einzelnen Menschen und den Dialog mit ihm. Trotzdem hat der Autor auch seine Hausaufgaben gemacht und weiß über die geschichtlichen Zusammenhänge in dieser leider wenig friedvollen Region. Schwierigkeiten mit dem Werk dürften allerdings Religiöse und Gottgläubige haben. Denn immer wieder verzweifelt Altmann (zurecht) daran, warum Menschen nicht einfach humanistisch und mit Nächstenliebe agieren können, sondern sich im Namen eines Gottes Land und Leben streitig machen.
Auch glühende Israel-Freunde dürften sich schwertun mit dem Buch, benennt Altmann doch die "Siedlungspolitik" klar als das, was Sie ist: Landklau, der in völligem Widerspruch zu internationalem Recht steht. Aber auch in Richtung der Palästinenser spart der Autor nicht mit Kritik, vor allem der durch religiöse Zwänge hervorgerufene Konservatismus und Reformstau stößt auf sein Unverständnis. Altmann ist emphatisch und hört selbst bei religiösen Eiferern zu, was die Verfahrenheit in Nahost sehr deutlich zu Tage bringt. Hilfreich fand ich auch die Betonung des Autors, dass man Israel sehr wohl kritisieren könne, ohne gleich ein Antisemit zu sein.
Hoffnung vermittelt das Buch leider nur selten. Mitgefühl, Humanismus und ein offenes Herz findet Altmann bei seinen Gesprächspartnern zwar immer wieder – andererseits steht aber auf beiden Seiten ein Heer von religiösen Extremisten, die jede Chance zur Verschärfung des Konflikts nutzen. Woher hier friedensstiftender Verstand regnen soll, können sich wohl auch kühne Optimisten nicht vorstellen. Zumal sich die bereits erfolgte Inbesitznahme Palästinas in Anbetracht Hundertausender fanatischer Siedler wohl nicht mehr so leicht rückgängig machen lässt.
Ein sehr guter Versuch die heutige Situation in Palestina und Israel mit dem Blick eines Reporters in einem Reisetagebuch festzuhalten. Es erinnert mich auf fast jeder Seite an der Zeit, wo ich selber dort gewohnt und gearbeitet habe. Somit kann ich das im Buch Beschriebene im Großen und Ganzen unterschreiben. Obwohl...
Die Palestinenser werden in dem Buch dargestellt, als würden sie alles stoisch hinnehmen, was in meiner Zeit bestimmt nicht so war. Da auch Gaza offiziell Teil von Palestina ist, sollte man dann auch vorsichtig sein mit dem Begriff "Palestinenser", denn von Gaza aus werden noch immer regelmäßig Kartuscha-Raketen und andere Geschosse auf Israel abgefeuert. Und auch wenn diese relativ wenig Schaden anrichten, ich kann aus eigener Erfahrung versichern, dass es kein Spaß macht, wenn man jeden Tag - und oft auch nachts - beschossen wird. Und vor allem, wenn man dabei seine Kinder verliert, ist die Reaktion der Israelis verständlich (genau wie andersum).
Andererseits werden die meisten Israelis in dem Buch als bornierte Araber-Hasser dargestellt mit nur einigen Ausnahmen. Auch hier sind meine Erfahrungen ganz anders. Die übergroße Mehrheit der Israelis ist dafür, dass endlich Frieden herrscht und die Palestinenser den versprochenen eigenen Staat erhalten. Die Ausbreitung der Siedlungen im Westbank wird von vielen als "Blödsinn" angesehen, da Israel diese womöglich zurück geben muss. Da die meisten jüdischen Einwohner von Israel (es gibt dort auch Araber!) nicht konservativ sind in ihrem Glauben, sind sie sogar wütend auf diejenigen, die einfach da ein Stück Land besetzen und behaupten, dass Jehovah dieses Land dem Juden versprochen hat. Sowohl die Bibel wie auch die Historiker kommen da zu ganz andere Auffasungen.
Nebst der Bau der "Wall" für vielen Miliarden Shekel (welche noch nicht vollendet ist, aber im Moment ruht wegen Geldmangel) sind diese konservativen Siedlungen und die Haltung ihrer Bewohner, den Grund dafür, dass Palestinenser und Juden noch immer regelmäßig aneinander geraten. Es ist gerade jetzt bemerkenswert, dass die Mauer von Deutschland und anderen Ländern nur halbherzig verurteilt wird, obwohl Israel damit gegen alle Konventionen und Resolutionen der UNO verstößt. Dabei geht es einerseits um die Mauer an sich - aber vor allem auch darum, dass Israel sich damit (schon wieder) einfach Teile von Palestina einverleibt, und so die Grenze verlegt. Darum haben die Palestiner bestimmt nicht gebeten. Der Anschluß der Krimm an Rußland, worum die Bewohner offiziell in Mehrzahl gebeten haben, ist dagegen ein demokratischer Vorgang. Leider reden Bundesregierung und die Presse immer von "Anexation" der Krimm, als ob Rußland hier mit einer Armee hineinmarschiert wäre und so Fakten erschaffen hat. Das gehört hier vielleicht nicht hin, doch was Israel macht ist tatsächlich eine Anexation von Teilen von Palestina. Über diese Anexation; über die Gedanken der Palestinenser, Araber, Juden und Israelis dazu, handelt ein wichtiger Teil dieses Tagebuchs und sollte daher von jedem, der meint die Zustände in Palestina zu verstehen, unbedingt gelesen werden. Dann wird so manche(r) zu dem Einsicht kommen, dass er oft einseitig informieret wurde.
Es ist richtig Schade, dass die konservativen Juden eine Art Fatwa ausgesprochen haben und Yitzchak Rabin ermordet wurde. Sonst wäre vielleicht schon längst Frieden in diesem Land. Übrigens: etwas was vielen auch unbekannt ist: Hafiz al-Assad hat Rabin den Frieden mit Syrien angeboten, wenn Israel sich komplett von den Golanhöhen zurückziehen würde. Rabin (den ich persönlich begegnet bin) hat dazu den Plan auch schon ausgearbeitet und den Rückzug in 1992 angekündigt. Sein Tod hat dies verhindert. Auch den Rückzug der Israelischen Truppen aus Libanon geht auf seinem Konto.
Ein anderer Friedensapostel war Menachim Begin, der zusammen mit Anwar as-Sadat den Frieden mit Ägypten aushandelte. Bei dieser Gelegenheit stand ich Wache bei dem King David Hotel und möchte also beide Staatsoberhäupter begegnen(!) Leider wurde Begin deswegen auch erschossen, aber dieser Frieden hält bis heute, genau so wie der Frieden mit Jordanien. Wo man wirklich Frieden möchte, gibt es also die Möglichkeit. Sicher, es gibt ein großes Problem. Beide Staaten möchten Jerusalem als Hauptstadt. Nein, halt, Palestina möchte nur Ost-Jerusalem und würde alles andere (>70%) den Israelis überlassen. Ich persönlich habe bis jetzt nicht verstanden, wieso keiner auf die Idee gekommen ist einen Teilvertrag auszuarbeiten, worin man diesen heiklen Punnt zurückstellt, aber über alle anderen Punkte Einigkeit erreichen könnte. Selbstverständlich nur, wenn die "Wall" abgebrochen wird, aber so wie ich es von meinen Freunde höre, würde Palestina sogar akzeptieren, dass diese stehen bleibt, mit Ausnahme von den Stellen, wo ein Dorf komplett ummauert wurde.
Was mir weniger gefällt an dem Buch ist die Haltung des Autors, der früher römisch-katholisch war, aber nur "gläubiger" Atheist. Jede religiöse Handlung, jede Gedanken, jede Handlung die ihrer Ursprung in den Heiligen Schriften (Thora, Pentateuch, Bibel, Koran) findet, wird von ihm sofort ins lächerliche gezogen. Dabei sind seine Behauptungen auch nicht immer korrekt. zB begibt er sich auf einem islamischen Friedhof, wo die Besucher immer einen kleinen Stein auf der Grabplatte legen. Eigentlich ist dies eine jüdische Tatsache, denn die Steine bedeuten dort: wir haben dich nicht vergessen. Wo möglich haben die Palestinenser sich davon inspierieren lassen denn auf muslimischen Gräber habe ich so was noch nie gesehen. Jedenfalls behauptet der Schreiber genau das Gegenteil, wobei ich im zugestehe, dass er vielleicht nicht Korrektur gelesen hat und den Fehler nicht entdeckt hat. Es ist aber nicht die einzige Halbwahrheit oder Unwahrheit und das Buch hätte mir besser gefallen, wenn er seine eigene, aus seiner Jugend hervorgehende, anti-religiöse Wut weggelasen hätte und auch mal versucht hätte mit den Augen eines Juden, eines Muslim, eines Christ zu schauen, genau so, wie er versucht seine Geschichte aus dem Blickwinkel eines Araber, eines Palestinenser oder eines Israeli zu sehen.
Und das er aus dem Grund seiner anti-relöigiösen Gefühle sogar dazu übergeht das alles ins lächerliche zu ziehen, ohne selber Beweise für seinen "Glauben" der Nicht-Existenz Gottes zu bringen. Ja, das er sogar ein Grab entweiht indem er die Steine einfach wegfegt (was man vergleichen kann mit dem Entfernen der Blumen und / oder Kerzen auf ein Grab in Deutschland) ist für mich den Grund, dass ich nur 3*** vergebe, obwohl der Inhalt an sich bestimmt mehr verdient hätte.
Manchmal denke ich mir so „Warum?“. Ich habe nach 65 Seiten echt keine List mehr weiter zu lesen. Ich bin selber Atheist und habe eine komplizierte Beziehung zu Religionen, aber die respektlose Art und Weise wie hier über den Islam und das Judentum geschrieben wird ist echt schade. Auch die Darstellung als Konflikt zwischen Juden und Moslems finde ich unangebracht. Ich weiß nicht ob sich das im späteren Verlauf des Buches ändert, aber der Begriff Zionismus wäre hier angebracht. Vor allem da es nicht nur muslimische Palästinenser:innen gibt. Die herablassenden (teilweise auch rassistischen) Kommentare die der Autor von sich gibt sind absolut unangebracht. Ein Beispiel: „Das haben orthodoxe Israelis und viele Araber gemeinsam, immerhin: Um die Wette kinderreich werden. Damit die Rasse nicht ausstirbt.“ Die antimuslimischen und auch frauenverachtenden Aussagen alle muslimische Frauen, die Verschleierungen tragen, als „unterdrückt“ zu bezeichnen ist einfach nur noch peinlich. Ich könnte noch so viel ansprechen, aber lasse es jetzt. Wenn man ein gutes (sachliches) Buch über Palästina lesen möchte, ist dieses Buch definitiv nicht das richtige
Ich muss zugeben, dass es eine Weile gedauert hat, bis ich mich auf den Schreibstil des Autors einlassen konnte. Altmann schreibt zeitweise einfach zu prätentiös und blumig als das ich mich völlig darauf hätte einlassen können. Das finde ich vor allem deshalb schade, weil das Buch dadurch leider häufig an Glaubwürdigkeit verliert.
Trotzdem hat mich das Buch zum Nachdenken gebracht. Nicht nur über die Situation zwischen Palästinensern und Israelis, sondern über die Welt als Ganzes und mich selbst als Person. Denn oftmals ging es nicht nur um rein Politisches, sondern viel mehr um Freiheit und Menschlichkeit.
Ich finde es bewundernswert, dass Altmann Reisejournalismus und politisch(-religiösen) Journalismus auf eine Art und Weise kombinieren kann, die sehr persönlich erscheint und somit trotz des blumigen Schreibstils von ehrlicher Empathie zeugt. Altmann schlägt sich trotz deutlicher Sympathien nie direkt auf eine Seite, bleibt somit also das gesamte Buch über beiden Seiten gegenüber größtenteils fair. Wie schon zuvor angedeutet, hatte ich während der Lektüre mehr das Gefühl, dass die Moral und das Mensch-sein im Mittelpunkt stehen, was einen als Leser ungemein mit dem Buch und Altmanns Erfahrungen verbunden hat.
Ich habe mich mitgenommen gefühlt auf die Reise durch Palästina und Israel, habe das Gefühl gehabt als wäre ich selbst bei den Gesprächen mit Israelis, Palästinenser*innen oder Aktivist*innen und ehrenamtlich Tätigen hautnah dabei gewesen. Jede Person, die Altmann in seinem Buch hat sprechen lassen, waren entweder so eindrucksvoll und bewundernswert, dass sie mich inspiriert und zum Staunen gebracht haben, oder aber so engstirnig und hasserfüllt, dass sie den Konflikt und damit auch die Sackgasse, in denen sich beide Länder und Menschen befinden, perfekt aufzeigen.
Altmanns Narrativ ist nicht objektiv, aber auch nie aufdringlich. Immer wieder zeigt er die beiden Seiten der Medaille auf, geht auf historische Hintergründe und ihre gegenwärtigen Auswirkungen ein.
Was mich allerdings tatsächlich sehr gestört hat, waren Altmanns Kommentare zur Religion. Kritik ist hier durchaus berechtigt, das steht gar nicht zur Debatte, aber die Art und Weise, mit der Altmann Religion verspottet und, was mich persönlich eher gestört hat als Spott und Sarkasmus, als menschenverachtendes Hirngespinst verallgemeinert, finde ich unangebracht. Hier hat es sich der Autor meiner Meinung nach zu einfach gemacht.
Verdammtes Land - Eine Reise durch Palästina wird nicht das einzige Buch bleiben, das ich zu diesem Thema lesen werde, insbesondere weil es in mir ein großes Interesse für diese beiden Länder und Kulturen geweckt hat und damit auch den Wunsch, Berichte und Bücher zu lesen, die direkt von Palästinenser*innen oder Israelis verfasst wurden. Als Einstieg und, diesen Aspekt sollte man nicht vergessen, als Reisereportage finde ich das Buch durchaus lesens- und empfehlenswert.