"Auf hoher See gefangen" ist ein Kriminalroman von Karl May, in dem der Apachenhäuptling Winnetou eine tragende Rolle spielt. Der Roman erschien erstmals in den Nummern 21 bis 52 des zweiten Jahrgangs der Zeitschrift "Frohe Stunden. Unterhaltungsblätter für Jedermann". Dresden, Leipzig (1878–1879). Der vorliegende Text folgt unverändert der Zeitschriftenerstveröffentlichung.
Karl May wurde am 25. Februar 1842 als fünftes von vierzehn Kindern einer bitterarmen Weberfamilie in Hohenstein-Ernstthal in Sachsen geboren. Ein durch Not und Elend bedingter Vitaminmangel verursachte eine funktionelle Blindheit, die erst in seinem fünften Lebensjahr geheilt wurde. Nach der Schulzeit studierte May als Proseminarist an den Lehrerseminaren Waldenburg und Plauen. Seine Karriere als Lehrer endete bereits nach vierzehn Tagen, als die Anzeige durch einen Zimmergenossen wegen angeblichen Diebstahls einer Taschenuhr zu einer Verurteilung führte und May aus der Liste der Lehramtskandidaten gestrichen wurde. In der Folge geriet er auf die schiefe Bahn und verbüßte wegen Diebstahls, Betrug und Hochstapelei mehrere Haftstrafen. Von 1870 bis 1874 saß er im Zuchthaus Waldheim. Nach seiner Entlassung wurde er im Alter von 32 Jahren Redakteur einer Zeitschrift und begann Heimaterzählungen und Abenteuergeschichten zu schreiben. Sein stetes literarisches Schaffen war ungewöhnlich erfolgreich und machte ihn bald zum bedeutendsten Autor von Kolportageromanen und Trivialliteratur des 19. Jahrhunderts in Deutschland. Seine Abenteuerromane, die an exotischen Schauplätzen im Wilden Westen und im Orient spielen, wurden in 33 Sprachen übersetzt. Durch seine archetypischen Wildwest-Helden Winnetou und Old Shatterhand erlangte Karl May literarische Unsterblichkeit und wurde zum meistgelesenen Autor deutscher Sprache. Mays letztes Lebensjahrzehnt war von einer beispiellosen Hetzte wegen seiner früheren Straftaten und vermeintlicher Unsittlichkeiten in seinen Kolportageromanen überschattet. Zermürbende Verleumdungs- und Urheberrechtsprozesse, in die er sich verstrickte, vermochten seinen tief verwurzelten christlichen Glauben, von dem sein literarisches Werk von Anfang an durchdrungen ist, aber nicht zu erschüttern. Mit den letzen beiden Bänden des Romans Im Reiche des silbernen Löwen und seinem dem Surrealismus nahestehende Symbolroman Ardistan und Dschinnistan schuf er in seinen letzten Jahren ein heute literarisch hochgeachtetes mystisches Spätwerk. Jubelnde Anerkennung erlebte er am 22. März 1912, als er auf Einladung des Akademischen Verbands für Literatur und Musik in Wien einen Vortrag Empor ins Reich der Edelmenschen hielt. Eine Woche, am 30. März 1912, starb Karl May in seiner Villa Shatterhand in Radebeul bei Dresden an Herzversagen.
Karl Friedrich May (also Karol May) was one of the best selling German writers of all time, noted mainly for books set in the American Old West, (best known for the characters of Winnetou and Old Shatterhand) and similar books set in the Orient and Middle East. In addition, he wrote stories set in his native Germany, in China and in South America.
May also wrote poetry and several plays, as well as composing music; he was proficient with several musical instruments. May's musical version of "Ave Maria" became very well known.
Vier Sterne im Karl-May-Universum, sonst freundlich aufgerundete drei.
Karl Mays Bürgerkriegsroman, alle Guten kämpfen auf Seiten des Nordens und versenken zuletzt mit List und Geschick das gefährlichste Seeungeheuer der Südstaaten. Die zuvor zur Strecke gebrachten Piraten um den Schwarzen Kapitän und dessen trickreiche Ex-Geliebte Miss Admiral machen nicht nur die sieben Weltmeere, sondern auch die deutsche Provinz und den wilden Westen unsicher, im Gegenzug geht Winnetou auch an Bord eines Kriegsschiffes und spricht das letzte Wort im Park von Schloss Wildauen. Im berühmt-berüchtigten Waldröschen braucht May für ähnliche globale Konflikte mehr als zehn mal so viele Seiten, insofern gibt es schon gewisse Zweifel an der Plausibilität der durchaus unterhaltsamen Handlung, aber als Vorstufe oder Studie zu den späteren Wildwestromanen wie für die 3000-seitigen Münchmeyer-Monster hat das Werk schon seine Berechtigung, zumal die eigentlich von John Retcliffe (Nena Sahib) ausgeborgte Miss Admiral Clairon die faszinierendste Frauengestalt im May-Universum darstellt, da sämtlichen Männern im Kampf mindestens ebenbürtig und deutlich schlauer als alle Gauner und auch die meisten Westmänner. Beinahe schade, dass der Kolportage-Autor May die sonst so einfallsreiche Dame zur Überfahrt auf demselben Schiff verdammte, das auch Winnetou, Old Firehand und Co zur Überfahrt nach Deutschland in Anspruch nahmen.
Im Zusammenhang mit der Wahrscheinlichkeit, noch eine Schlussbemerkung zum Thema Rassismus. Bin bei diesem Thema nicht mit aller Gewalt auf der Suche nach Verstößen gegen gerade geltende Standards in über hundert Jahre alten Büchern. Zumal durchaus wünschenswerte Ziele für den Alltag, von gewissen Gralshütern der Gartenzwerge im Moment auch gern als Ersatzbefriedigung für alles mögliche andere missbraucht werden. So manche fromme Mär, die gerade als Bestseller-Grundstoff dient oder Allheilmittel verzapft wird, ist in ein paar Jahren vermutlich auch schon wieder Lachnummer verkommen oder wird von entsprechend sensibilisierten Gemütern als Anfang einer verhängnisvollen Entwicklung ausgemacht. Alle, die Karl May nicht komplett als Jugendsünde verdrängt haben, wissen, dass seine Uhren in Sachen Wilder Westen 20 bis 30 Jahre nachgehen, die ziemlich gründlich recherchierten Romane von James Michener bestätigen diese Forscherleistungen auch auf ziemlich unterhaltsame Weise. Aber in Auf hoher See gefangen treffen technischer Fortschritt und altertümliche Westmänner aufeinander. Dass May beim Gefecht einer ziemlich bunten Truppe aus Trappern, Piraten, Lokführern, Winnetou und Eisenbahnarbeitern, die einen Überfall der Ogellallalah-Sioux abwehrt auf Seiten der überwiegend weißen Allianz steht, regt mich nicht weiter auf, Jules Verne kennt da auch keine anderen Sympathien, so wenig wie jeder andere Abenteuer-Schreiberling jener Ära. Wiewohl Winnetou letztlich den Ausschlag bei der Abwehr eines strategischen Meisterstücks von Häuptling Bärentatze den Ausschlag gibt-, Aber beim Lobpreis des Tomahawks leistet sich der Mayster dann doch einen Lapsus, den ich mindestens als die Hybris des weißen Mannes bezeichnen würde: Nur drei von den Weißen waren mit dieser Waffe versehen: Sam Fire-Gun*, Dik Hammerdull und Pitt Holbers, und es zeigte sich da allerdings, dass bei gleichen Waffen der zähere und intelligentere Weiße meist im Vortheile steht. *Old Firehand Meine Grünen Bändchen habe ich im Rahmen eines Umzugs einem Helfer überlassen, von daher fehlt mir die Gelegenheit noch mal Kapitän Kaiman aufzuschlagen, um die spätere Bearbeitung durch die Herren Schmidt und Kandolf auf besagte Passage zu untersuchen, die mir aber nicht vollkommen unbekannt vorkam. Aber bislang hatte ich bei meinen Vergleichen mit den Originalen mit der Cuvée für die Jugend das Gefühl, dass die beiden Herren nur unzählige Riesenbusen (unter denen Miss Admiral übrigens nicht leidet) abgesäbelt und durch blaue Kattunkleidchen ersetzt hatten und Helden aus diversen May-Galaxien mit ähnlichen Eigenschaften durchweg den jeweils bekanntesten Namen umgehängt hatten. Ohne Karl May hätte sich mein Sprung von den Comics in die Bleiwüsten sicherlich um etliche Jahre, wenn nicht ein Jahrzehnt verzögert, aber, bei aller Dankbarkeit käme ich nie auf die Idee eventuelle Enkel damit zu behelligen, keineswegs wegen philologischer Bauchschmerzen bei den Grünen Bändchen, die inzwischen sicher einer politisch korrekten Rosskur unterzogen wurden. Die Welt hat sich zu sehr verändert, auch die Ansprüche junger Leser an Helden und Vorbilder. Viele Kraftproben, die Old Shatterhand und seine diversen Doppelgänger abliefern, sind einfach nur schreckliche Tierquälerei, da nützt auch die reichlich hinzu gegossene Milch der frommen Denkungsart wenig, Auf hoher See gefangen ist übrigens frei davon, hier lässt niemand so lange Gnade walten, bis die Hand Gottes endlich zuschlägt. Auch die Guten skalpieren, was das Zeug hält, beim Gefecht am Bahndamm.
In der HKA-Ausgabe und „Auf der See gefangen“ als „Schloss Wildauen“-Hörspiel vom SWR. Wieder sehr spannend, die frühen Erzählungen des Maysters wieder zu entdecken. Dazu ein paar Infos in den editorischen Berichten. Weiter gehts. :)