Die Rede vom Frieden beherrscht die hiesige politische Debatte als moralische Rechtfertigung ihrer Kriegsbeteiligung gegen »das Böse« in Gestalt der Russischen Föderation. Sie setzt von heute auf morgen die politische Verpflichtung »Nie wieder Krieg!« außer Kraft und findet sofort Unterstützung in den Reihen hiesiger Bürger. Als loyale Nationalmoral beherrscht sie die Medien, mit deren Hilfe zugleich die Fahndung nach »Putin-Verstehern« betrieben wird.
Und wenn mit der westlichen Militärhilfe an die Ukraine die Ruinierung dieses Landes inklusive Teile seiner Bevölkerung in Kauf genommen wird, dann kann man sich fragen, wie die Nachkriegs-Friedensordnung wohl aussehen mag, um deren Sicherung es dem Westen allein zu tun ist.
Eines steht fest: Mit einer solchen Friedensordnung werden nicht gewaltlose Verhältnisse innerhalb und zwischen den Ländern etabliert. Wenn Staaten sich beständig im Frieden aufrüsten und große Teile ihres nationalen Reichtums in Zerstörungsgerät investieren, dann rechnen sie mit Kriegen.
Und da solche Kriege dann mit unschöner Regelmäßigkeit zwischen den Staaten ausbrechen, die sich dieser Ordnung widmen, dann stellt sich die Frage, was diese Verhältnisse derart instabil macht. Offensichtlich kommt der Frieden in dieser Welt ohne Krieg nicht aus.
Das Urteil, Krieg und Frieden würden sich ausschließen, kann man getrost vergessen.
Born 1941, studied education in Oldenburg, worked as a teacher until 1967, then completed a second degree in education, politics and psychology in Erlangen-Nuremberg, 1971 Doctorate. Since 1971 Professor at the University of Bremen: political economy of the education sector. Retired since March 2006. Huisken is an author of the magazine GegenStandpunkt and even after his retirement regularly lectures on science criticism and political issues.
Unfassbar wichtige Kritik am Friedensbegriff in einer kapitalistischen Welt; das würde ich gerne allen Menschen, die auf meinen Veranstaltungen sind, ans Herz legen, insbesondere der älteren Friedensbewegung. Wer vom Frieden redet, aber den Kapitalismus außen vor lässt, der hat nichts begriffen und muss sich leider zu Recht den Vorwurf der Naivität gefallen lassen. Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die Gewitterwolke den Regen (A. Bebel) und dieses Buch exerziert das einfach mal durch. Bitte lesen!
4,25/5- Wirklich sehr, sehr starkes Werk. Die typischen - v.a. moralischen Argumentationen - für und gegen Krieg oder Frieden werden sehr gut zerstört. Der Abriss der Konkurrenten - sowie die grundsätzliche Darlegung der „Friedensordnung“ - geben Menschen, die sich potenziell wenig(er) mit dem Thema beschäftigt haben einen guten Überblick über den Sachstand. Das Buch hat - auch über 2 Jahre nach Erscheinen - noch immer eine Aktualität und wird diese - auch ab vom Ukrainekrieg - solange behalten, wie die zugrunde liegende internationale - westlich geprägte - Friedensordnung Bestand hat. Eine Empfehlung ist es allemal. Zwei kleine Kritikpunkte: 1. Und das ist sehr subjektiv = Kannte ich einige der Inhalte, gerade aufgrund der Querverweise bereits recht gut, weshalb teils wenig Neues, aber trotzdem gut zusammengefasst, vorkam. 2. Und das ist eher eine inhaltliche Kritik = Denke ich, dass Teile der Herleitung des China-Unterkapitels so nicht korrekt sind. Der Talking Point, dass China probiert den Renminbi zu einem Weltgeld machen möchte, stimmt so m.E. nicht. Diesen Anspruch - womöglich jetzt leicht aufgebrochen - verwehrt sie solange sie probieren, ihre Währung künstlich unterbewerten lassen, welches klassische fiskalische Herangehensweise Chinas in den letzten Jahren war und erst aktuell minimal angepasst wird. Die Internationalisierung wurde z.B. von der KPCh abgebrochen. Währenddessen haben Investoren in China resp. im Renminbi eine fehlende Gewissheit, ob sie tatsächlich dauerhaft frei über ihr Geld verfügen können — etwas, dass essentiell für den Anspruch als Weltgeld wäre. Das ist aber auch ein vergleichsweise kleiner Punkt im Buch, daher hat es nicht allzu große Auswirkungen auf die Bewertung.
„Das ist eben das praktische an moralischer Argumentation: Es befindet sich zur Legitimation jedes politischen Interesses immer die passende Moral. Nie leitet sich so ein Interesse aus der Moral ab.“ (Seite 20)
Freerk Huiskens Buch „Frieden“ hat mich tief beeindruckt, weil es nicht nur eine marxistische Analyse der aktuellen Friedenspropaganda liefert, sondern mit schonungsloser Klarheit zeigt, dass Frieden nicht einfach die Abwesenheit von Krieg ist und dass die bloße inhaltsleere Moralisierung von „Frieden“ schon gar kein Argument darstellt.
Wer bestimmt eigentlich, wann, wessen und wo „Frieden“ herrscht und wann Kriege überhaupt legitim sind?
Viel zu oft wird Frieden als ein Zustand dargestellt, der lediglich durch Diplomatie oder militärische Abschreckung gesichert werden kann. Huisken entlarvt diese Vorstellungen als ideologische Konstruktionen, die die wirtschaftlichen und politischen Interessen der Staatenkonkurrenz dahinter verschleiern.
Besonders spannend fand ich seine Analyse darüber, wie kapitalistische Staaten Frieden definieren und nutzen, um ihre eigenen Machtansprüche zu sichern. Er zeigt auf, dass „Frieden“ in diesen Systemen selten bedeutet, dass Gewalt verschwindet – sie verändert nur ihre Form.
Ich habe viel aus diesem Buch mitgenommen, weil es nicht bei einer oberflächlichen Kritik stehen bleibt, sondern konsequent die Mechanismen hinter der offiziellen Friedensrhetorik offenlegt. Wer bereit ist, sich auf diese Perspektive einzulassen, wird danach nicht mehr unbedarft von „Frieden“ sprechen können.
„Die Entpolitisierung des russischen Angriffs durch seine moralische Denunziationen ist damit vollkommen. Und umgekehrt lässt sich daraus kein besserer Freispruch für den Eintritt des Westens in den Krieg – from behind – drechseln: ‚Dieser Krieg ist gerecht!‘
Unter die Räder gerät dabei vollständig, dass in jedem Krieg alle kriegführenden Parteien immer über Leichen gehen, ihre Bevölkerung zum Töten und Sterben abkommandieren, ihr Volk also als ihr Machtmittel einsetzen, dass sich folglich jede Parteilichkeit für eine kriegführende Seite verbietet.“ (Seite 21)