An Indien scheiden sich die Geister. Obwohl oder gerade weil kaum jemand im Westen dieses widersprüchliche Land versteht. Zwischen Slums und Prunk, zwischen Yoga und Hightech, zwischen Bollywoodkultur und Kastenwesen ist uns das Land, dessen Bedeutung für die Weltgemeinschaft immer größer wird, ein Rätsel geblieben. Oliver Schulz liefert einen tiefen Einblick in die verschiedenen Facetten der indischen Gesellschaft und Kultur und gibt uns einen Überblick über die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungsperspektiven der neuen Supermacht, die immer deutlicher ihre Ansprüche auf eine Führungsrolle in der Welt erhebt. Wie tickt dieses Land wirklich? Was hält es zusammen? Wie verlässlich ist es als Partner? Und wie bedrohlich könnte sein Aufstieg für die Weltgemeinschaft werden?
Nach der Einführung, die sich wie ein klischierter Reisebericht liest und Indien exotisiert, hätte ich besser schon aufgehört. Es wird kaum besser. Es werden Einzelepisoden detailreich erzählt, was einem das Gefühl gibt, einfach die Tageszeitungen der letzten Jahrzehnten zu lesen. Viel Vertiefung oder Analyse gibt es nicht.
Ein interessanter Überblick über die innen- und außenpolitischen Rahmenbedingungen und die Chancen und Herausforderungen, welche auf internationaler Ebene damit einhergehen. Leider versucht der Autor seinen eurozentrischen Blickwinkel und die damit verbundenen gesellschaftlichen Standards auch auf Indien anzuwenden, was durch seine Starke normative Haltung deutlich wird. Analyse und Fazit sind oberflächlich.