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Der Prinzipal

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Der Principale, wie man ihn allgemein in Anspielung auf seine italienischen Sitten und Unsitten nennt, erlebt den ersten Geburtstag seit langem ohne Öffentlichkeit: Er ist über eine Affäre gestolpert und wurde gestürzt. Ein Mann, der viel Einfluß hatte und nur aus Machenschaften bestand, entdeckt nach dem Karriereknick, daß er Frau und Tochter hat und einen achtzehnjährigen Enkel, den er jetzt kennenlernt. Gemeinsam mit dem Enkel fährt er im Boot auf den größten italienischen See hinaus - ein idyllisch beginnender Ausflug mit dramatischem Höhepunkt. Der Junge filmt den Mann, nach dem ganze Gesetze benannt sind, er braucht eine Talentprobe, denn er will später Filme machen. Der Prinzipal, kameragewohnt, läßt seiner Verbitterung freien Lauf, bis er mitten auf dem See schwimmen geht. Der allein gelassene Enkel beobachtet in der Ferne den Sturz einer Kitesurferin aufs Wasser; mit dem Boot eilt er dem Mädchen zu Hilfe. Er holt die Bewußtlose an Bord, eine verletzte Schönheit, bis etwas geschieht, das allen Selbstschutz aufbricht. Doch der vom Schwimmen zurückgekehrte Prinzipal bereinigt die Situation mit kaltblütiger Routine.

128 pages, Hardcover

First published January 1, 2007

About the author

Bodo Kirchhoff

47 books24 followers
Geboren 1948 in Hamburg; 1955 Umzug der Eltern in den Schwarzwald – ein Kulturschock. Ab 1959, nach Scheidung der Eltern, in einem christlichen Internat am Bodensee, auch ein Schock. Dort 1968 das Abitur gemacht, danach Ausbilder beim Militär und anschließend Eisverkäufer in Amerika.

Viele seiner zahlreichen Romane beschäftigen sich mit der Organisation von Intimität, etwa der Freundschaftsroman "Eros und Asche“ oder die Paar- und Liebesromane "Wo das Meer beginnt" und zuletzt sein großartiges Meisterwerk "Die Liebe in groben Zügen". Ein Roman unter anderem über „die unstillbare Sehnsucht nach Liebe: die einzige schwere Krankheit, mit der man alt werden kann, sogar gemeinsam“, den ein Kritiker als ein Liebesbrevier für Fortgeschrittene bezeichnete. Im Herbst 2014 erschien sein Roman "Verlangen und Melancholie“ und wurde von der Kritik einhellig als großes Werk gefeiert.

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Profile Image for Babette Ernst.
351 reviews82 followers
November 12, 2020
Die Novelle wirkt auf mich wie eine Stilübung, ein Versuch, einen Film zu beschreiben. Der achtzehnjährige Enkel des Prinzipal genannten Italienliebhabers, Exmanagers, Reformers und Kanzlerberaters möchte sich an einer Filmhochschule bewerben und filmt über die gesamte Länge des Buches. Dem Leser wird dieser Film „vorgeführt“. Prinzipal und Enkel unternehmen eine Bootstour auf dem Gardasee. Die Beschreibungen lassen die Wellen, die Berge, Sonne und Wind sichtbar und fühlbar werden. Sprachlich ist es ein richtig gutes Buch.
Immer wieder versucht der Großvater ein Gespräch anzufangen, doch der Junge bleibt einsilbig, lockt jedoch durch gezielt eingesetzte Fragen wie auch durch sein Schweigen den Großvater aus der Reserve. In diesem Prinzipal kann man unschwer das Vorbild Peter Hartz erkennen, der nach einem rasanten Aufstieg über eine Affäre gestolpert ist, weshalb er an diesem Tag, seinem 64. Geburtstag, keine weiteren Gäste aus Politik und Wirtschaft erwartet.

Ich frage mich oft, was hinter der Fassade solcher Leute steckt, wie ihre Entwicklung verlief, welche Grundsätze sie haben. Davon erfuhr man einiges, wie die einfache Herkunft, der frühe Leistungsgedanke, das Verallgemeinern des eigenen Lebenslaufs. Erschreckend waren fast alle Aussagen zu seinen Beziehungen zu Frauen sowie das Überlegenheitsgefühl, das er trotz seines Absturzes im öffentlichen Leben ausstrahlte. Als der Großvater schwimmen ging, fiel plötzlich eine Kite-Surferin vom Himmel, die der Enkel rettete. Beide benahmen sich in meinen Augen merkwürdig gegenüber dieser Frau. Der Enkel ist so unbeholfen, wie es kaum zu glauben ist, der später dazugekommene Großvater weiß auch in dieser Lebenslage sofort, was zu tun ist und handelt für meine Begriffe absurd, aus seiner persönlichen Geschichte heraus vielleicht erklärbar, voller Vorurteile und mitleidslos.

Mir gefiel, wie viel sich durch bloße Beschreibungen darstellen lässt. Da sieht man z. B. die Tochter, von der man weiß, dass sie nur selten Kontakt zu ihrem Vater hat, an diesem warmen Tag mit Pullover am Geburtstagstisch, die Hände in den Ärmeln verschwunden. Es gibt einige solcher Szenen, die keine Erklärungen benötigen.

Trotzdem denke ich, dass mir das Buch besser gefallen hätte, wenn ich nicht nur die selbstdarstellerischen Worte des Prinzipal gehört hätte, mit denen er sich allerdings entlarvt hat, sondern auch etwas über seine eigentlichen Gedanken und Gefühle erfahren hätte. Mehr noch hätte ich dies mir vom Enkel gewünscht. Aber das wäre ein ganz anders Buch gewesen.

Wer eine besondere Art der Erzählung sucht in handwerklich solider Form und nicht den Plot in den Vordergrund stellt, der ist hier gut aufgehoben, Und wer an den Gardasee wollte und wegen Corona hierbleiben musste, kann sich damit auf eine literarische Reise begeben.
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