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256 pages, Hardcover
Published August 11, 2023
„Am 12. August 1976 eröffnete »Zirkus Krohn« (Bild-Zeitung) die Bundesligasaison mit einem Showspektakel, das Fußballdeutschland noch nicht gesehen hatte. Das Hamburger Abendblatt schaute vorbei und berichtete unter der Überschrift »Blasmusik, Rosen und Fußball-Jux« fast wie von einem Rockkonzert: »›Hau rein, ist Tango!‹, säuseln einige Damen im Hintergrund, und ›Bodo Ballermann‹ alias Udo Lindenberg krächzt dazu von Fußball-Freveltaten. Die meist jugendlichen Fans auf den vollbesetzten Tribünen am Rothenbaum toben vor Begeisterung, das HSV-Showtraining hat seinen Höhepunkt erreicht. 20.000 Menschen hocken dicht beieinander, sie schwenken die leeren Pappbecher, in die vorher schäumendes Freibier gegossen wurde, und blicken mit strahlenden Augen ihren Fußball-Lieblingen innerhalb des Gitter-Areals zu.« Udo war nicht die einzige Stimmungskanone. Neben dem Luftwaffenmusikkorps 4, der Schwedin Siw Inger und dem Blödelbarden Mike Krüger hatte eine bayerische Trachtkapelle einen irren Auftritt: In der zweiten Halbzeit des Spiels »HSV-A« gegen »HSV-Extra« stand sie auf einer Bühne in der Mitte des Platzes und blies ihr Humtata. Derweil dribbelten die Kicker um sie herum, wobei sie die Musiker nicht mit dem Ball treffen durften, da sonst eine rote Karte und eine 1000-Mark-Spende für einen wohltätigen Zweck drohten. Der Sinn des schrägen Spektakels? Reklame für den Sponsor. Weiße, mit »HSV-Hitachi«-Krawatte bedruckte T-Shirts gingen als Geschenke an die jungen Fans. Außerdem Rosen, die von den Anhängern aber verschmäht wurden. Sie jubelten vor allem den Fußballstars und HSV-Fan Udo Lindenberg zu. Die Fußballkirmes endete im Platzsturm der trunkenen Fans, die Jagd auf Spielerautogramme machten, und mit dem nüchternen Fazit von Manager Krohn: »Die Spieler sind Angestellte des HSV und müssen lernen, etwas für ihre Anhänger zu tun, mit deren Geld wir sie bezahlen.« 40 Jahre später sagte Peter Krohn, dass er mit seiner einst belächelten Prognose, dass der Fußball ein großes Showbusiness werden würde, recht gehabt habe. Trotzdem habe er sich oft wie Goethes Zauberlehrling gefühlt: »Die Geister, die ich rief, werde ich nicht mehr los. Die totale Vermarktung ist mir jedenfalls zu viel.«