Ein unerträgliches Buch, und gleichzeitig ein geniales Buch!
Der (gar nicht mal so alte) weisse Mann, Joseph Trattner, Hallodri seit seiner Jugend, fristet sein Leben auf einer aussichtslosen Ausgrabungsstelle in Äthiopien – und verliebt sich bei der Abschiedsreise aus dem Land über beide Ohren in Natu, diese exotische Schönheit, mysteriöse Rebellin ihres kleinen Dorfes auf dem Land, mit der er kein Wort direkt wechseln kann, deren Herkunft, Tradition und Lebensweise er in keinster Weise versteht, gutheisst oder annehmen könnte – aber sie ist doch so schön und riecht so warm…
Wäre es nicht Politycki, der dieses Buch geschrieben hat, ich hätte wohl manchmal vor lauter Schmauch aufgegeben. Aber seine durchaus politisch angehauchte und vor allem differenzierte und informierte Erzählweise hat es immer wieder rausgerissen.
„Was du über ein Volk erfährst, hängt davon ab, wen du fragst“ – und so wechseln die Einstellungen, Meinungen und Ratschläge mit jedem neuen Tagesziel und jeder Person, die Trattner versucht zu begreifen.
Am Ende muss man feststellen, dass Afrika sicherlich keines der Elemente des Kennenlernens einfacher macht, dass wir aber auch „unter uns Europäern“, „unter Freunden“ oft nicht in der Lage sind, das Gegenüber zu verstehen, einzuschätzen, seine Entscheidungen vorauszusehen. Denn Trattner hat bei Weitem nicht nur in Äthiopien seine Schwierigkeiten mit Frauen – und Männern.
„Nur die kleinen Geschichten haben ein Ende. Die grossen gehen immer weiter. Je öfter sie erzählt werden, desto mehr verzweigen sie sich – wie der Wald, der nach jedem Regen wächst, bis er undurchdringlich scheint. Selbst wen du dir mit der Machete einen Weg schlägst – und vielleicht einen zweiten – und weitere Wege, die davon abzweigen -, so wirst du nur immer den Weg kennenlernen, niemals den Wald. "
Und am Ende dieses langen aber durchaus flüssig zu lesenden Romans bleiben auch bei der Leserin noch viele Fragen offen, wer hat was über wen mit welchem Motiv gesagt oder nicht gesagt, übersetzt oder verdreht, verstanden oder nicht verstanden.
Nach Das kann uns keiner nehmen eine weitere tolle und sehr treffsichere Analyse unserer Gesellschaft mit ihren weissen alten Männern und mit wesentlich mehr Antihelden als Heldentum.
Es hat mich ziemlich schnell mitgerissen und am Anfang Spaß gemacht zu lesen. Die Art und Weise, wie Land, Natur und Leute beschrieben und dargestellt werden ist einzigartig. Auch wenn das Land durch die Augen eines weißen Touristen gesehen wird, hat man das Gefühl das echte Äthiopien kennenzulernen und viele der Facetten, die es zu bieten hat. Mich hat es am Anfang nicht gestört, dass wenig Geschichte in dem Buch war sondern viel mehr eine Athmosphäre, die vermittelt wurde.
Die Charaktere fand ich vielschichtig auch wenn sie nicht sympathisch waren, aber das hat sie menschlich gemacht. Nur zu Natu hatte ich überhaupt keinen Bezug und sie hat mich von Anfang an genervt. Auch die Beziehung und Gefühle zwischen den beiden waren für mich zu schnell und zu oberflächlich, sodass ich Trattners Gefühle gegen Ende, wie die eines Teenagers wahrgenommen habe. Ich finde außerdem, dass Natu sehr sexistisch beschrieben wurde, genauso wie alle anderen Frauen in dem Buch, und ich nicht ganz einschätzen kann, ob es sich hierbei um den Alltagssexismus des Protagonisten und der anderen Charaktere im Buch handelte oder um den des Autors...
Leider hat mich das Buch ab ca. der Hälfte mehr und mehr verloren und besonders die letzen 100 Seiten haben sich extrem gezogen. Schlussendlich hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte unnötig in die Länge gezogen wurde und was nun wirklich mit Natu passiert ist und wer von allen nun wirklich die Wahrheit gesagt hat, war mir zum Ende hin egal. Generell habe ich das Buch mit einem großen Fragezeichen beendet und bin froh, dass ich fertig bin.
Abschließend will ich sagen, dass es mir trotzdem eine komplett fremde Kultur nähergebracht hat und ich ein ganz anderes Bild vom Land Äthiopien habe als zuvor.
Alles wird gut von Matthias Politycki gelesen dank Netgalley. Eine Reise durch Äthiopien am Rande eines Krieges oder verschiedene Kulturen und Lebensvorstellungen von außen betrachtet. Josef Trattner, Lebenskünstler, Selbstdarsteller, Ausgrabungsleiter ohne genügend Expertise, der Archäologie mit dem Talent sich selbst gut zu verkaufen und beim Ausverkauf der Fundstücke wegzusehen, betreibt, muss Äthiopien demnächst verlassen. Nur noch eine Abschiedsreise, bevor er in der Heimat nicht weiß wie es weitergehen wird. Doch so unbeständig wie er lebt, denkt und liebt er auch. Die Außenseiterin in einer winzigen Siedlung gefällt ihm und ohne eine wirkliche Möglichkeit sich zu verständigen, glaubt er eine Liebe gefunden zu haben. Er mißversteht Handlungen und Zeichen und verliert am Ende alles. Ich mag Bücher in denen ich zumindest einige der Personen mag. Wen hätte ich hier mögen sollen? Natu – die immer nur von anderen erklärt wird und deren Eigenerzählung vielleicht übersetzt, vielleicht umgedeutet wird. Trattner, der Selbstdarsteller, der sich mit Worten und Ideen durch das Leben mogelt, bis er es am Ende glaubt. Oder die beiden einheimischen Begleiter, bei denen nie klar ist, ob sie nur wegen der Bezahlung oder auch aus Sympathie dabei sind. Die übersetzen, daneben bleiben, vorspielen und aushandeln, aber sich selbst immer im Hintergrund halten. Alle bleiben mir fremd und das Land verschwindet in einer Mischung aus touristischer Atmosphäre und Betrachtung ein Stückweit von innen heraus. Ich fand das Buch stellenweise anstrengend und bin sehr langsam voran gekommen. Es zu werten fällt mir schwer. #Alleswirdgut #MatthiasPolitycki #NetGalleyDEChallenge2025 @NetgalleyDE #KathrinliebtLesen #Bookstagram #Rezension