Wieder Welternwandlertum, Zwischenbereiche. Diesmal Deutschland, aber mit Migrationshintergrund, Gastro, haftendem Geruch. Es geht um: Pommes, Autos, Tennis, Schrankwände, Fotos in Kisten. Es geht auch um: Fett (werden), Kultur(losigkeit), (Gast)Arbeit(slosigkeit), Erfolg(slosigkeit), Geld(losigkeit), den Antrieb es anders zu machen, das Schreiben, die Entfremdung als Konsequenz. Und es geht um: Rumhängen im luftleeren Raum, der sich nicht öffnet und nicht zu träumen erlaubt, sondern der von einem penetranten Essensgeruch durchzogen ist. Blick von außen auf diesen Raum, der mit dem Verlassen nicht mehr richtig greifbar ist, die Luft ist jetzt klarer. Aber fragmentiert bleibt die Identität trotzdem, ein Teil ihrer ist immer noch in diesem Raum. Die Konsequenz: „In deiner Wohnung passt ja nichts zusammen!“ Weiter: „Wie schreibt man von einem Ort aus, der sich »zwischen den Klassen« befindet? Wechselt man, von Abschnitt zu Abschnitt, hin und her, oder schafft man ein Amalgam?“
Ein Buch über Klassenunterschiede und -mobilität, das nicht in ergebnislose Kapitalismuskritik ausufert. Fragmentierte Beschreibungen eingeimpfter Dogmen und eines vergangener, verworfener Lebensentwurfs, Anerkennung dessen, dann Deutungsversuch, Zerlegung in Einzelteile und Ausbreitung für den Leser. „Zwischen Beschönigung, Dramatisierung, Diskreditierung und Rehabilitierung.“ Ehrliches Schreiben als Befreiungsakt. Sehr gelungen!