Maud ist eine verwöhnte junge Amerikanerin aus reichem Hause. Ende der 1940-er Jahre will sie mit ihrem Onkel nach Europa fahren, um mit einer anglo-amerikanischen Militärkommission das besiegte Deutschland zu besuchen und dort eine neue Zeitung zu etablieren. Die Welt ist eine geringfügig andere, als wir sie kennen, irgendwann nach Kriegsende sind die Zeitläufte bei Gabriele Tergit abgebogen: Die Pest hat in Mitteleuropa gewütet und - über den Krieg hinaus - viele Tote gefordert, in den USA herrscht Monopolkapitalismus, und es gibt nur noch zwei Zeitungen, bei den Briten regiert ein isolationistischer Inselchauvinismus.
Mit einer bunten Truppe setzt sich Maud von London aus in den titelgebenden Zug nach Berlin. Dort trifft sie allerhand Gestalten, verliebt sich nach einem rauschhaften Genuss germanischer Kultur in den schneidigen Herrn Stegen (der mal Goebbels’ rechte Hand war, wie sich herausstellt), bereut das bitter und will die Welt retten, um am Ende doch ihren Boyfriend aus Long Island zu heiraten und ein luxuriöses Leben in New York zu führen.
Viel passiert nicht, der Löwenanteil des Textes entfällt auf Dialoge, in denen die unterschiedlichsten Typen, auf die Maud und ihre Begleiter treffen, ihre Einschätzungen zur Lage der Dinge abgeben dürfen. Dabei entblößen sie alle ihre grundverkehrte Weltsicht und bekommen ihr Fett weg: Die kapitalistischen Amis, die nationalistischen Briten, die blinden Sozialisten und Stalinfreunde, die kranken Zionisten, am meisten aber die Deutschen, die - so unterschiedlich sie sich auch geben mögen - nichts aus der Geschichte gelernt haben, die Propagandamärchen der Nazis verinnerlichen und dem Weltjudentum die Schuld an allem zuschreiben. Einzige Stimmen der Vernunft sind Mauds Mentor Merton und ein dem Tod geweihter (und alsbald sterbender) deutscher Journalist namens Reinhold.
Sagen wir es grad heraus: Dieses Buch ist ein Reinfall. Das ist schade, und es hat mich überrascht, denn ich mochte Tergits „Käsebier“ (auch wenn er sehr in seiner Entstehungszeit stecken geblieben ist), und ich fand ihre Familiensaga von den „Effingers“ sogar ausgesprochen gut.
Aber es ist schon mal keine gute Idee, in einer Satire (und das soll das Buch ja wohl sein) nach allen Seiten gleichermaßen auszuteilen. Gabriele Tergit schwingt den groben Knüppel und drischt um sich, alle findet sie doof, die nicht ihre moderat-liberale Sicht teilen. Bei mir als Leser kommt das nicht gut an. Zudem hat sie das Pech, dass ihre Themen aus dem Blick achtzig Jahre später teilweise eher speziell und unbegründet wirken - nein, in den USA gibts kein Medien- und Meinungsmonopol und auch London ist in den 1950-er und 60-er Jahren doch eher weltoffen geblieben und hat geschwungen. Ihre Kritik an den Deutschen aber muss man achselzuckend wegstecken. Sie hat schon recht in ihren Beobachtungen (die einer tatsächlichen Deutschlandreise der Autorin aus dem Jahre 1948/49 entstammen), aber so ist das eben: Die Menschen sind dumm, Schuld verdrängen sie und verlieren kann obendrein keiner. Es hat in Deutschland erst das Heranwachsen einer Generation frei von persönlicher Schuld gebraucht, ehe man die Verbrechen der Nazizeit aufzuarbeiten beginnen konnte, 1950, als das Buch erscheinen sollte, war man einfach noch nicht so weit.
So ist diese Satire also weder erhellend, noch lustig, und ich hätte es bei einem Stern belassen, wenn nicht die Mischung aus deutschen und englischen Passagen und das englisch-idiomatische Deutsch der Icherzählerin, in denen sich Gabriele Tergit in diesem Manuskript versucht, dem Lesen doch einen gewissen Kick gegeben hätte.