»Woyzeck, Abi! Hörst du noch was?« – »Still, alles still, krass … alles tot.« Authentizität war Georg Büchner (1813–1837) wichtig. Bewusst setzt er in seinem Drama Woyzeck Umgangssprache und Dialekt ein; Auslassungen, Satzbrüche und Ausrufe betonen die Nähe zur Mündlichkeit. Mit nur 23 Jahren starb Büchner – "Woyzeck" blieb Fragment. Die Hamburger Schülerin Asin Andkohiy setzt sein Werk in heutige Jugendsprache um.
Zunächst muss ich beanstanden, dass das Reclam-Heft nicht rot ist und als Reclam Fremdsprachentext erscheint. Einem Boomer kann es gar nicht gelingen, den Text in dieser Fassung zu durchdringen. Das Studium der Worterklärungen nimmt in diesem Sinne beinahe mehr Zeit in Anspruch als die Rezeption der Lektüre an sich. Wer nicht mit solcher Jugendsprache aufgewachsen ist, wird daran so kläglich wie ich scheitern. Gleichwohl einige Sprachbarrieren nicht überwindbar scheinen, bringt die Lektüre einiges an Amüsement mit sich und ist besonders für dem Boomermilieu ferne Personen empfehlenswert, denen es vergönnt ist, alle Zweideutigkeiten und Verweise zu erfassen.
Man kann sich bei diesem Buch echt streiten, ob es wirklich in Jugendsprache geschrieben wurde. Allerdings fand ich, dass die Geschichte dadurch deutlich einfacher zu verstehen war und musste das ein oder andere Mal auch ein bisschen lachen. So lese ich doch gerne deutsche Klassiker.
Hätte mir vor 10 Jahren jemand gesagt, ich würde eines Tages in den Genuss kommen, Zitate von Deutschraps weisesten Lyrikern á la Hafti, Veysel oder Dardan literarisch rezipieren zu können, ich hätte dem Bre vermutlich nicht geglaubt.
Jetzt habe ich dieses Buch beendet und muss sagen: Ich bin begeistert! Eine wirklich großartige 'Übersetzung' von Büchners originalem Dramenfragment.