Die ökologischen und politischen Katastrophen unserer Gegenwart erklären das Klima der Angst, in dem wir leben. Wie können wir es schaffen, angesichts dieser zunehmenden Beklemmung nicht zu verzweifeln oder tatenlos zu resignieren? Die französische Philosophin Corine Pelluchon entwickelt in ihrem neuen Buch eine kleine Philosophie der Hoffnung, die besonderen Wert auf die erstaunliche Kraft unserer Verletzlichkeit legt. Sie zeigt, dass die Möglichkeit eines Zusammenbruchs unserer Zivilisation die Chance für einen Wandel bietet, der einen gemeinsamen Horizont der Hoffnung eröffnet. Hoffnung entsteht, ohne dass man nach ihr gesucht hat, wenn man alle Illusionen und Überlegenheitsfantasien ablegt und lernt, unsere Wirklichkeit mit einem neuen Blick zu betrachten.
In ihrem philosophischen Essay argumentiert Corine Pelluchon, dass der noch fehlende gesellschaftliche Wille zu einer Änderung unserer Lebensweise nicht auf einen Mangel an geteilten Überzeugungen zurückzuführen ist, sondern auf einen Mangel an Hoffnung. Dabei dürfen wir Hoffnung nicht mit Optimismus verwechseln, der den Ernst der Lage verschleiert. Auch unter sehr düsteren Aussichten die Möglichkeit einer anderen Zukunft sehen zu können – darin besteht das Geheimnis der Hoffnung, deren sanfte Macht Pelluchon in sechs kurzen Kapiteln erkundet. Zu Hoffen bedeutet, beklemmende Tatsachen nicht verdrängen zu müssen, sondern anerkennen zu können. Und den Mut zu finden, sich dem Unerwarteten zu öffnen.
Corine Pelluchon est professeur à l’université de Franche-Comté. Spécialiste de philosophie politique et d’éthique appliquée, elle a notamment publié Leo Strauss, une autre raison, d’autres Lumières (Vrin, 2005, Prix François Furet 2006), L’Autonomie brisée (PUF, 2009) et Éléments pour une éthique de la vulnérabilité (Cerf, 2011, Grand Prix Moron de l’Académie française 2012).
Das philosophische Werk, welches die Gegenwart so dringend benötigt! Pelluchon vernetzt Tieraktivismus, Klimaaktivismus und Feminismus mit der stärkenden Säule der Hoffnung. Einleuchtend beschreibt sie, dass Hoffnung viel wirkungsvoller und ehrlicher ist als Optimismus, welcher oft darin besteht, uns selbst um die schlimmen Geschehnisse auf der Welt zu belügen. Hoffnung anerkennt jedoch das Negative und lebt von einem "Ja-trotz-alledem". Es entspringt der tiefen Verzweiflung und Depression. Das Tolle an diesem Buch: Nirgends finden sich Zeilen des Kitsches à la: "Seht euch doch mal um, wie gut eigentlich alles bereits funktioniert, wir müssen doch nur positiv denken, dann wird es schon gut kommen." Nein, die Autorin ist hier ehrlich zu sich und zu uns, versteht die Dualitäten der Erde und hat einen riesigen sprachlichen Horizont, den sie auf eloquente Weise nutzt. Lest dieses Buch unbedingt!
Anmerkung: Von Nietzsche gibt es ein Zitat über den Optimismus, wobei der erste Beschriebene stark der Definition von Hoffnung Pelluchons entspricht: „Die Optimisten sind die Verehrer der Emotion. Es gibt einen Optimismus der Kraft und einen der Oberflächlichkeit. Der Erstere versteht es, den Schmerz zum Meister zu machen und der Letztere zum Flüchtling.“