Nach dem Interview von Krah mit Jung&Naiv wollte ich mir sein Buch mit seinen Thesen nochmal genauer anschauen, da Tilo auch auf das Buch referenziert hat.
Zum Schreibstil ist zu sagen, dass das buch in kurze in sich mehr oder weniger abgeschlossene Kapitel eingeteilt ist, welche zu größeren Blöcken sortiert sind.
Das macht das Buch angenehm zu lesen, da man immer mal ein , zwei, drei Kapitel schnell zwischendurch lesen kann.
Das Buch ist hauptsächlich als Strategiebuch gedacht für Personen, die in die Rechte (AfD) Politik einsteigen wollen. Es ist doch trotzdem gut um das rechte Weltbild zu verstehen.
Im Folgenden gehe ich ein wenig genauer auf die Inhalte ein und schließe mit ein paar kritischen und interessanten Punkten, die das buch macht.
Das Buch ist in sieben größere Blöcke eingeteilt. Welche wiederum in die oben erwähnten kleineren Kapitel aufgeteilt werden. Die kleineren Kapitel haben dabei immer die Form " und " und sind 1-4 schmale Seiten lang.
Der erste befasst sich mit der Begriffsdefinition und Abgrenzung von "rechts". (Bsp.: Rechts und bürgerlich, Rechts und konservativ, ...)
Der ist in dem Sinne wichtig um spätere Finessen und Ansichten besser zu verstehen, geht aber politphilosophisch nicht wirklich tiefer.
Der zweite Teil befasst sich mit Identität. Dort stellt Krah (s)eine rechte Utopie und Wertegerüst dar. So sieht er das Ideal des handelnden, selbst bestimmten, aber religiös in eine Familie und Volkskollektiv eingebundenen Menschen, welcher sich auf Natur und Tradition berufen kann im ländlichen Raum als Idealbild.
Der dritte Teil versucht dann die Klärung des Verhältnisses dieses Menschen und dem Staat zu skizzieren. So plädiert er hier für einen Staat unter anderem die Natur (nicht Klima) , die Familie , Eiheimische, Tradition und prämoderne Architektur schütz, stützt und fördert.
Der vierte Teil dreht sich um die sogenannte Zeitenwende. Hier wird hauptsächlich die im westen dominierende links liberale (woke) Kultur kritisiert. Dies besonders im Verbund mit dem Globalismus und dem damit versuchten Export dieser Kultur in andere Länder.
Krah ist der Ansicht, dass jedes Volk in seiner jeweiligen Heimat am besten sich entfalten kann und der derzeitige Kulturelle Export und humane Import nicht im Sinne rechter Ideale ist.
Der fünfte Teil beschäftigt sich mit der Wirtschaft. Hier sieht er einen Sinn im Sozialstaat, jedoch will er die Geldflüsse anders lenken und fokussieren. So soll Förderung von "Arbeitsunwilliungen" nicht mehr stattfinden und die für autochthone (Familien) erhöht werden. Die Masseneinwanderung wird sowohl unter gesellschaftlichen als auch wirtschaftlichen Aspekten kritisiert und abgelehnt.
Der Euro und die EU werden als Wirtschaft und Wohlstand hemmend gesehen.
Märkte werden als Werkzeug gesehen, welches effiziente knappe Resourcen allokieren kann, jedoch müssen diese nach rechten Idealen geformt werden.
Dazu kommt, dass eine erhöhte Autarkie gefordert wird, da dies laut Autor auch einen höheren Wohlstand bringt.
Im sechsten und siebten Kapitel Werden hauptsächlich strategische Überlegungen angestellt, wie die Rechte (AfD) sich zu präsentieren hat und welche Ziele wie ausgegeben werden sollten. Das Organisationen und Milieus (Kleinstädter, Autofahrer, Osten, naturverbunden, rustikal im Stil, bevorzugt klare (traditionelle) Geschlechterrollen, direkte Sprache, vermeidet Moden in Kleidung wie Konsum, Filterkaffe statt Mandelmilch Chai-Latte, Bier Statt Cocktail, Grillabend, statt 4-Gänge-Menu, kein Massentourismus, sondern Rucksack, kein Impfen, sondern Frische Luft, keine Autoritätshörigkeit, sondern Skepsis [s.221]) geschaffen werden sollen, die dann eine rechte "Kultur" in den Mainstream tragen und so lange dies nicht der Fall ist den linken Mainstream zu delegitimieren und Skepsis an dessen Fundiertheit, Wahrhaftigkeit und Seriosität zu streuen.
Alles in allem war das Bucht gut lesbar und gibt einen überblick über die Denkweise und Ziele, sowie deren geplante Umsetzung der Rechten in Deutschland.
Dabei finden durchaus Verirrungen statt wie z.B. in Zukunft in Transhumanismus, wo zum einen letzterer nur schwammig definiert wird, dafür aber die Theorie aufgestellt wird, dass wegen der kalten Europäischen Winter diese genetisch höhere IQs evolutioniert haben, während die Migranten schon nicht das Genmaterial haben und es wird insinuiert, dass diese den IQ herabziehen, während die Eliten sich ihre Babys zu Einsteins crispern werden. [s. 178 ff.]
Ein anderer Vorschlag zur Erhöhung der Geburtenrate ist den finanziellen Anreiz zu erhöhen ( durch Familienförderung ähnlich zu dem ungarischen Modell). Die Effektivität dieser Maßnahmen wird nur angenommen und nie empirisch untermauert. [s.156f.]
Interessant finde ich den Vorschlag die Rente an die Wirtschaftskraft seiner Kinder zum Teil zu koppeln [s. 45 ff.], jedoch werfen sich dann sofort die Fragen der Messbarkeit und dementsprechend der konkreten Umsetzung auf. Außerdem habe ich das Gefühl, dass je nach Umsetzung starke ungewollte Konsequenzen sich ergeben.