Der Titel dieses Sachbuchs hat mich sofort angesprochen, weil ich mir denken konnte, welche Problematik hinter dem Inhalt stehen könnte. Ich kenne viele Mütter, die gegangen sind. Und ich weiß, wie oft sie leiden und doch nicht anders konnten. Und wie gesellschaftlich ein Urteil über sie gefällt wurde ohne die Hintergründe auch nur annähernd wissen zu wollen.
Diese Mütter bekommen in diesem Buch eine Stimme. Mütter, die aus finanziellen Gründen ihre Kinder beim Partner oder den Großeltern zurücklassen, um im Ausland andere Kinder oder Senioren zu betreuen. Sie nehmen in diesem Buch allerdings nur einen kleinen Teil ein. Mütter, die der Liebe wegen die Kompatibilität ihres bisherigen Familienlebens nicht unter einen Hut bekommen und sich Zeit ihres Lebens fragen, ob sie einen Fehler gemacht haben.
Mütter, die der Freiheit wegen ihrer Familie verlassen, um sich selbst verwirklichen zu können. Und sich immer wieder dafür rechtfertigen müssen, etwas getan zu haben, was bei Männern als relativ naturgegeben angesehen wird.
Die Autorin hat es geschafft Beispiele aus der Vergangenheit mit Aktualität und Zeitgeist zu verknüpfen. Doris Lessings Mutterschaft wird genauer unter die Lupe genommen, genauso wie die Rollen der Meryl Streep. Maria Montessori, die ihre Rolle in der Wissenschaft gut ausfüllte, ihre Mutterschaft aber aus Gründen, überkompensierte und Ingrid Bergmann, die nur glücklich war, wenn sie Männern folgte, sind weitere Beispiele, die wir uns genauer anschauen. Ganz nebenbei beschäftigt sich die Autorin aber auch mit Müttern, die blieben, „Regretting Motherhood“ , oder dem Phänomen, dass Müttern, schon in der Schwangerschaft, die Schuld für Missbildungen, Krankheiten oder Hyperaktivität ihrer Kinder aufgeladen wird („ das darfst du nicht essen, sonst passiert deinem Baby dieses oder jenes“). Sie spart dabei nicht mit Eigenreflektionen.
Die Aufteilung des Buches ist ihr sehr gut gelungen. Selbst Personen, die ich nicht kannte, weil sie aus dem spanischen Kontext kommen, fand ich interessant es ist leicht zu lesen.
Ich hab ein großes Herz für Mütter die gegangen sind, weil ich finde, dass sie gesellschaftlich oft ungerecht betrachtet werden. Deshalb war es leicht, mich für dieses Buch zu gewinnen. Wenn ihr für einen literarischen und kritischen Perspektivwechsel zu haben seid, dann sei Euch dieses feministische Buch sehr empfohlen.
Am Ende sei noch angemerkt:
Weder das Buch noch die Rezension sind ein Plädoyer dafür, seine Kinder zu verlassen. Aber ein Appell die, die es tun nicht pauschal zu verurteilen, ist es schon.