Karl Lipitsch ne mara ljudi. Živi sam, saj goji globok odpor do družbe in bi se rad izognil pogovorom. Pogosto poseda na vrtu in bere ali piše svojo obširno filozofsko razpravo. A prepričanje, da bo večno živel v samoti kot puščavnik in ga bo to osrečilo, se hitro zamaje. Po naključju (če je dejansko bilo naključje) se pobliže seznani s sosedo Mathilde. Krožita drug okrog drugega in tako opazujemo, kako si Lipitsch prizadeva, da se ne bi ujel v njeno prefinjeno napeto mrežo. A bolj ko se izvija, močneje se zapleta v Mathildine niti …
Ana Marwan (1980) se je po študiju primerjalne književnosti na Filozofski fakulteti v Ljubljani leta 2005 preselila na Dunaj, kjer je leta 2008 prejela literarno nagrado Schreiben zwischen den Kulturen. Zadnjih šest let se posveča izključno pisanju daljših in krajših proznih besedil v nemškem in slovenskem jeziku. Leta 2019 je pri avstrijski založbi Otto Müller Verlag izšel njen knjižni prvenec Der Kreis des Weberknechts. Zabubljena je njen drugi roman, ki je (drugače kot prvi) nastal v slovenskem jeziku. Avtorica je za roman prejela nagrado kritiško sito 2022. Za dvojezično knjižico Krota (Wechselkröte) je avtorica Ana Marwan prejela prestižno nagrado Ingeborg Bachmann, eno izmed najpomembnejših literarnih nagrad v nemškem prostoru.
Med branjem knjige Lipitsch, naslovljene s priimkom glavne osebe, sem pogosto spremenila mnenje o njej.
Na začetku sem imela bolj mlačne občutke, saj sem dobila vtis, da je to še ena tistih (sicer predvsem skandinaviskih), ki se rahlo norčujejo iz zaprtih, introvertnih ljudi. Na srečo sem se motila.
Po (zame) malo neelegantnem začetku, je branje lepo steklo. Spoznavamo Karla Lipitscha, ki se ima za ljudomrzneža. Lahko bi se tudi reklo, da je introverten, paše mu mir in rad ima čas, da se poglablja v svoje filozofsko pisanje. Mogoče je neurodivergenten? Lipitschev mir in samota (ne osamljenost!) pa prideta v skušnjavo, ko ga ogovori soseda Mathilde, ki insistira na snidenje sem in tja. Lipitsch bi bil rajši sam, a se odziva na povabila. Knjiga lepo opisuje njegova razmišljanja o vsakdanjem miru in kako ga Mathildina prisotnost v njegovem življenju vse manj moti.
Vse to je bilo prijetno brati. Zmotil pa me je konec - ne kako se v knjigi konča med Lipitschem in Mathildo, temveč tistih par zadnjih strani, z malo (zame) preveč prisiljenim in nepotrebnim filozofiranjem. Ali pa jaz nečesa nisem razumela 🤔
Wenn verkopfte Männer lieben … eine literarische Immunisierungsstrategie Ausführlicher, vielleicht begründeter auf kommunikativeslesen.com
Wie man freundlich und höflich, nicht zur Kenntnis nimmt, davon handelt Ana Marwans im Otto Müller Verlag erschienener Roman "Der Kreis des Weberknechts", der 2019 auf der Shortlist des Bloggerpreises "Das Debüt" stand. In ihm geht es um Karl und Mathilde, die sich zufällig am Flughafen kennenlernen und zueinanderfinden wollen. Mathilde hat zuerst mehr Interesse. Später Karl. Dass das mit der Liebe aber nicht so einfach, insbesondere für verkopfte Männer ist, wird von Marwan trocken und mit deutlicher Sprache zum Ausdruck gebracht:
"So ist es oft. Ein Liebender möchte es genau wissen. Das, was er wissen möchte, nennt er unbescheiden ‚die Wahrheit‘, und oft fügt er noch unbescheidener das ‚nur‘ hinzu. Nur die Wahrheit, er möchte nur die Wahrheit wissen. Fairerweise muss man die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass ‚nur‘ nicht die Wahrheit mindern möchte, sondern das, was der Liebende will. Und wenn es so ist, auch wenn nicht oft, ist der Verzicht auf Liebe zugunsten der Wahrheit schon ein großes Opfer."
Wahrheit nämlich steht für Karl Lipitsch obenan. Nichts geht im über sein ontologisches Lebenswerk, um dessen willen er sich von all seinen Mitmenschen zurückgezogen und in die Klausur begeben hat. Nur so richtig klappen, will’s mit dem philosophischen Haupt- und Lebenswerk nicht. Nach ein paar Monaten sind Karl alle Ausreden recht, nicht zu schreiben, so auch die Beerdigung des Partners einer Ex-Geliebten, den er seit fünfzehn Jahren weder gesehen noch gesprochen hat. Auf der Rückreise, am Gepäckband, sieht Mathilde an den Koffern, dass Karl und sie Nachbarn sind. Die Affäre beginnt stockend:
"Mathilde meinte, es sei höchste Zeit, Lipitsch das ‚Du‘ anzubieten. Lipitsch schaute sie eine Weile an und sagte dann, er habe Angst vor ‚Du‘, ‚Du‘ verdirbt alles, ‚Du‘ überschreitet (unter dem abgedroschenen Vorwand der Ehrlichkeit) die Grenzen der Höflichkeit, die ‚Sie‘ achtet; ‚Sie‘ nimmt den Menschen, wie er ist, während ‚Du‘ ihn nach seinem Geschmack verändern möchte […]"
Marwans Stil ist erbarmungslos, flüssig, schnell. Der kurze Roman macht nicht viel Aufsehens um die Gedankenausflüge Karls. Sie notiert, protokolliert sein Scheitern, seine Versuche, sein Hin- und Herdenken, das nicht aus noch ein weiß. Diese Konfusion verbirgt er unter Belesenheit, mit Zitaten, Rhetorik und ungebührlichen Auftreten, die Marwan subversiv durch den Text ziehen lässt. So ist viel von Marcel Proust, auch von Albert Camus und von Friedrich Nietzsche die Rede, aber ohne Karls Blasiertheit. Marwans Stil hemmt ihn. Souverän springt der Text zwischen den Zeiten, blendet ab und aus, was anstrengend oder peinlich wirken könnte.
Der Roman lässt die Figuren nicht auflaufen. Er stellt sie nicht bloß, macht sie nicht lächerlich wie Maxim Biller in Der falsche Gruß oder Christian Kracht in Eurotrash. Die distanzierte Form erlaubt das Nacherzählen in kaleidoskopartiger Manier und transportiert auf diese Weise, zwischen den Zeilen mehr als andere, mehr psychologisch angelegte Werke. Ein Bild ergibt sich ohnehin. Ana Marwans Roman "Der Kreis des Weberknechts" berauscht nicht sprachlich wie Valerie Fritschs "Wintergarten". Es ist ein ruhiger, abgeklärter, unaufgeregter Roman wie Judith Hermanns "Daheim", Helga Schuberts "Vom Aufstehen" und Daniela Kriens "Der Brand", die gerade deshalb überzeugen. Wer’s jedoch ausführlicher, belastender und psychologischer möchte, der findet in Sören Kierkegaards "Das Tagebuch eines Verführers" genügend Anknüpfungspunkte, den Kreis des Weberknechts weiterzuspinnen.
Und dann tut man Dinge, die man verschoben hatte, wenn es schon zu spät ist, und man könnte sich das ganze ruhig sparen, aber man tut es trotzdem, um das schlechte Gewissen zu stillen.
Leider hat mich die Autorin mit solchen Sätzen ebenso genervt wie der Protagonist die Protagonistin...
Ein Jahreshöhepunkt. So eine genaue Sprache liest man selten. Die Geschichte kreist und kreist und bricht dadurch ins Offene. Es ist genau so: Wenn man ein Atom seziert, entdeckt man die ganze Welt.
Ana Marwans feine Beobachtungsgabe und bitterböser Humor machen das Buch zu einem Lesevergnügen, das man in kleinen Dosen zu sich nehmen sollte, damit die Schärfe immer neu bleibt. Zu Beginn scheint die sorgfältige Konstruktion noch etwas stark durch die Zeilen hindurch, doch sobald die Handlung Fahrt aufnimmt, findet man sich von dem Buch ebenso fasziniert und raffiniert eingesponnen wie Lipitsch von Mathilde.
Klare Empfehlung für alle, die die feine Klinge (scharf geschliffen und fachkundig sezierend eingesetzt), unbarmherzige Beobachtungen und starke Sätze, die wie Butter auf der Zunge zergehen, zu schätzen wissen.
Karl Lipitsch ist ein selbsternannter Misanthrop, der sich von den Menschen zurückgezogen hat, um sein allumfassendes philosophisches Werk zu schreiben. Auf dem Rückweg von einer Beerdigung begegnet er am Flughafen Mathilde, die anhand des Adressaufklebers an seinem Koffer erkennt, dass sie Nachbarn sind und die es schafft, mit dem bärbeißigen Einsiedler in Kontakt zu bleiben.
Lipitsch ist einigermaßen (nicht übermäßig) gebildet, Mathilde unterstellt er weit weniger intellektuelles Format. Für ihn ist diese Frau anfangs meilenweit unter seiner Würde, aber je länger die Verbindung besteht, desto mehr stürzt er sich in einen Strudel, der ihn immer stärker zu ihr hinzieht und in dem er sich in Mathilde verliebt. Sie schafft es, ihn aus seiner Isolation zu lösen und zu zwischenmenschlicher Kommunikation zu bewegen. Je drängender aber seine Gefühle werden, desto unpassender fallen seine Reaktionen aus. Er balzt hoffnungslos - und dass die Geschichte kein zuckersüßes Happy-End haben wird, ist mir als Leser spätestens nach zwanzig Seiten klar, so wie der Ton daherkommt.
Ein Mann verfehlt sein Lebensglück, weil er in den Klauen seines präpotenten Egos gefangen ist. So könnte man das Buch mit einem Satz umschreiben, aber der wäre grundfalsch, weil er traurig und dramatisch klingt und das Buch - bei aller Traurigkeit und Dramatik - doch überwiegend komisch gehalten ist. Ana Marwan präsentiert uns diesen eitlen Zausel als liebenswerten Charakterkopf, der mehr von sich hält, als gut ist, aber in seinen Kommunikationsmacken auch als eine Art amourösen Jedermann, ich jedenfalls habe so einige meiner eigenen Schwächen in ihm wiedergefunden.
Dieses tragische Scheitern an den eigenen überzogenen Ansprüchen, das aber von außen urkomisch anzusehen ist, das ist die Art von klugem und feinem Humor, wie sie auch Loriot zelebriert hat. Ich finde, Ana Marwan hat in seinem Geiste geschrieben, und das ist ja vielleicht das größte Kompliment, das man einem Buch mit humoristischem Anspruch machen kann.
Avtorica se igra z dvema platema istega kovanca. S tem, ko vzame jezik povsem zares pokaže strukturno osnovo na njem temelječih posledic: odnosov, družbenih norm in v veliki meri nezavednega. Osvežilno in zabavno.
Ich verstehe, was Ana Marwan mit ihrem Roman bezweckt hat. Allerdings fand ich ihn sprachlich umständlich und emotional nicht berührend. Das hat meinen Lesefluss sehr beeinträchtigt
Das bislang einzig verfügbare Buch der Bachmannpreisträgerin 2022. Sehr witzig, reichlich skurill, wahnsinnig tolle Sprache. Ich mochte es sehr. Empfehlung!
4.25 Sterne Irgendwo zwischen Charakterstudie und versteckter philosophischer Abhandlung. Ich wurde nie ganz warm mit Lipitsch, was ich wohl auch nicht sollte, aber was dann doch etwas an meinem Genuss nagte. Dennoch schreibt Marwan so virtuos, dass ich alles, was da kommen mag, ohne zögern lesen werde.